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Erste deutsche Polarexpedition Mit dem Segelschiff nach Grönland

Vor 150 Jahren, am 24. Mai 1868, stach ein kleiner Frachtsegler mit zwölf Mann Besatzung Richtung Norden in See. Die Mannschaft sollte die Ostküste von Grönland erforschen. Das war aber nicht ihre einzige Aufgabe.

Stand: 17.05.2018

Museumschiff Grönland in Bremerhaven | Bild: picture-alliance/dpa

August Petermann war einer der bekanntesten Geographen und Kartographen seiner Zeit. Im Jahr 1865 veröffentlichte er seinen Plan, eine deutsche Expedition ins Nordpolarmeer zu senden, in seiner Zeitschrift, den "Geographischen Mittheilungen". Die Expedition sollte unter anderem eine seiner Theorien belegen: Petermann war davon überzeugt, dass eine warme Strömung das Meer am Nordpol eisfrei hielt. Es dauerte aber noch einige Jahre, bis er genug Geld für sein Projekt beisammen hatte. Spenden erhielt er unter anderem vom Verleger seiner Zeitschrift, vom Großherzog von Mecklenburg-Schwerin und vom preußischen König Wilhelm I.

Eisenplatten gegen Packeis

Das Expeditionsschiff Grönland in einer zeitgenössischen Illustration

Kapitän der Expedition ist Carl Koldewey. Dieser war zunächst zur See gefahren und hatte später unter anderem Astronomie studiert. Am 4. April 1868 kauft Koldewey im Hafen von Bergen in Norwegen ein Schiff. Es ist die "Grönland", ein kleiner, einmastiger Frachtsegler. Für die Fahrt ins Eismeer lässt Koldewey Mast und Takelage austauschen und das Vorschiff innen mit Balken und Eisenplatten verstärken. Von August Petermann erhält er Anweisungen, was er und seine Mannschaft erforschen sollen.

August Petermann

"Zweck und Ziel der Expedition ist die Erforschung und Entdeckung der arktischen Central-Region von 75 Grad Nördlicher Breite an, auf der Basis der Ost-Grönländischen Küste"

Instruktionen von August Petermann an Kapitän Carl Koldewey

Grönland - Spitzbergen und retour

Die Route der "Grönland" im Jahr 1868

Am 24. Mai stechen Koldewey und elf weitere Besatzungsmitglieder in See. Die Route führt von Bergen aus nach Norden, Am 4. Juni treffen sie knapp 400 Seemeilen nördlich der Insel Jan Mayen auf das erste Treibeis. Das Schiff hält Kurs Richtung der Ostküste von Grönland, bleibt aber bald im Packeis stecken. Fast 200 Seemeilen driftet die Mannnschaft eingeschlossen im Eis nach Süden, dringt aber nicht zur grönländischen Küste durch. Daher steuern Koldewey und seine Besatzung, als die "Grönland" wieder freigekommt, Spitzbergen an. Dort fahren sie entlang der Westküste nach Norden, bis sie das nördliche Packeis erreichen. Da keine Weg durch dieses hindurchführt, segelt die "Gröndland" wieder nach Süden. Ende Juli bis Anfang August versucht Koldewey erneut, den Packeisgürtel an der Ostküste von Grönland zu durchdringen, allerdings wieder ohne Erfolg.

Wilhelms-Insel und Augusta-Bucht

Die "Grönland" fährt nun noch einmal zum Spitzbergen-Archipel und ankert in der Hinlopen-Straße zwischen der Hauptinsel und Nordostland. Von dort aus unternimmt die Besatzung mit dem Beiboot einige Erkundungsausflüge an Land. Außerdem werden die Küsten dort exakt kartiert und etliche Orte benannt, zum Beispiel die Wilhelms-Insel nach dem preußischen König und die Augusta-Bucht nach dessen Frau. Die Westspitze der Wilhelms-Insel trägt heute den Namen des Kapitäns der Expedition, Kap Koldewey. Mitte September macht sich die "Grönland" auf den Rückweg und ist am 24. September 1868 zurück in Bergen.

Gemischte Bilanz

Heute liegt das Expeditionsschiff Grönland als Museumsschiff in Bremerhaven vor Anker.

Die ihr gesetzen Ziele hat die erste deutsche Nordpolarexpedition nicht erreicht. Trotzdem wird sie nicht als Misserfolg betrachtet. Laut Petermann hatte sie "einen vorwiegend nautischen und pionirenden Charakter". Die Seefahrer machten wichtige Erfahrungen mit den Verhältnissen in den arktischen Gewässern, die sich schon im folgenden Jahr bei der zweiten Expediton auszahlen.

Bilder von der zweiten deutschen Polarexpedition 1869

Die Expedition hatte aber auch eine geopolitische Aufgabe. Deutschland stand kurz davor, Großmacht zu werden und Ansprüche auf die Gebiete zu stellen, die noch nicht unter der Kontrolle anderer Kolonalmächte stehen. In diesem Sinne war die Mission ein Erfolg.

Carl Koldewey

"Aber wir haben noch etwas Anderes aufzuweisen, was augenblicklich wichtiger ist als die aufgezählten unbedeutenden Resultate für die Wissenschaft, und das ist der Umstand, dass Deutschland endlich auch auf diesem Gebiete in die Reihe der grossen seefahrenden Nationen eingetreten und nicht mehr gesonnen ist, hinter anderen zurückzubleiben."

Carl Koldewey


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