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Exoplanet Proxima Centauri b Wann reisen wir in andere Sonnensysteme?

Der Exoplanet Proxima Centauri b kreist zwar um eine andere Sonne, könnte aber ein Planet ähnlich der Erde sein. Er ist der nächstgelegene Planet, auf dem Leben möglich wäre - und deshalb bei Wissenschaftlern beliebt für Rechenspiele.

Stand: 17.07.2018

Stern Proxima Centauri | Bild: picture alliance/ZUMA Press

Es klingt ein bisschen wie die Geschichte der Arche Noah für Menschen: Wie viele Menschen welcher Altersgruppen muss man in ein Raumschiff setzen, damit nach 6.300 Jahren - und rund 4,2 Lichtjahren Entfernung - Menschen auf einem Exoplaneten in einem anderen Sonnensystem aus dem Raumschiff aussteigen können? Und zwar so, dass die Population gesund ist, sich fortpflanzen und den Exoplaneten besiedeln kann. Diese Rechnung haben Frédéric Marin von der Universität Straßburg und Camille Beluffi vom Forschungsunternehmen Casc4de aufgestellt. Ihr Ergebnis: 98 Menschen.

Berechnet haben die Wissenschaftler das mit der Monte-Carlo-Simulation. Das ist eine Wahrscheinlichkeitsrechnung für Rechenaufgaben mit vielen unbekannten Variablen und Zufallsergebnissen. Eingerechnet wurde zum Beispiel, dass es keinen Inzest geben sollte, um das Fortleben der Gruppe zu sichern. Dass Fälle von Unfruchtbarkeit auftreten können sowie Unfälle und plötzliche Tode möglich sind auf einer so langen Reise durchs All.

Warum nicht der Mars?

In den vergangenen Jahren wurde viel über die Kolonisation des Mars diskutiert. Der Planet hat zwar Ähnlichkeiten mit der Erde, ist aber insgesamt gesehen ein recht unwirtlicher Ort: Die Atmosphäre und das Magnetfeld des Mars sind äußerst dünn und schützen nur wenig vor der kosmischen Strahlung. Die durchschnittliche Oberflächentemperatur ist deutlich kälter als auf der Erde. Flüssiges Wasser ist auf dem Mars nicht (mehr) zu finden. Es kommt nur in gefrorener Form vor, dem Wassereis.

Auch an den anderen Planeten in unserem Sonnensystem gibt es in Sachen Besiedelung etwas auszusetzen: Merkur ist zu nah an der Sonne und wenig mehr als ein heißer Stein. Auf der Venus ist der Treibhauseffekt extrem stark und die Planetenoberfläche so heiß, dass kein Raumschiff landen könnte, ohne zu verbrennen. Jupiter besteht aus Gas. Ein Raumschiff kann dort nicht landen.

Warum der Exoplanet Proxima Centauri b?

Proxima Centauri b ist für Wissenschaftler deshalb so interessant, weil er nach unserem Sonnensystem der nächstgelegene mögliche und vielversprechende Planet in einem anderen Sonnensystem ist, auf dem Menschenleben theoretisch denkbar ist. Die Voraussetzung dafür sind: Ein Planet muss in der sogenannten lebensfähigen Zone seines Sterns liegen, also den richtigen Abstand haben, damit es nicht zu heiß oder zu kalt ist. Der Planet muss eine Atmosphäre haben, die Menschen vor kosmischer Strahlung schützt und eine Voraussetzung für Oberflächenwasser ist. Und er muss ein Gesteinsplanet sein.

Bisher wurden mehr als 3.500 Exoplaneten entdeckt. Proxima Centauri b (auch Proxima Cen b) wurde Ende August 2016 von der Europäischen Südsternwarte (ESO) ins Spiel gebracht. Astronomen um Guillem Anglada-Escudé von der Queen Mary University of London haben den Exoplaneten entdeckt. Mit einer Masse von mindestens 1,3 Erdmassen könnte er ein Gesteinsplanet wie die Erde sein.


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