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Drohende Fahrverbote Wie umweltfreundlich sind Elektroautos?

Verbrennungsmotoren sind wegen ihres hohen Schadstoffausstoßes in Verruf geraten. Fahrverbote drohen. Sind Elektroautos - ob mit Batterie oder Wasserstoff betrieben - eine umweltfreundliche Alternative?

Stand: 19.03.2018

Elektroautos sind bei Fahrverboten eine Alternative. Doch sind sie wirklich so umweltfreundlich wie ihr Ruf? | Bild: picture-alliance/dpa

München, Augsburg, Nürnberg, Regensburg. In diesen bayerischen Städten drohen Fahrverbote. Betroffen sind Dieselfahrzeuge mit ihrem hohen Stickstoffausstoß. Aber in puncto Umweltbelastung sind Benziner nicht viel besser. Sie blasen laut Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) schließlich bis zu 15 Prozent mehr Kohlendioxid und auch viel des gesundheitsgefährdenden Feinstaubs in die Luft als die Fahrzeuge mit Dieselmotoren.

Grund genug, nach Alternativen zum Verbrennungsmotor zu suchen. Doch sind Elektroautos - ob mit Batterie oder Wasserstoff betrieben - wirklich so umweltfreundlich wie ihr Ruf?

Ökobilanz der E-Autos

Strom

Der Strom der städtischen Ladestationen in München stammt aus erneuerbaren Energien. Bundesweit sieht das anders aus: Hier stammt nur eine Hälfte aus erneuerbaren Energien, die andere aus Kernenergie. Bei der Umweltfreundlichkeit schneiden Benziner und Diesel zwar schon heute im Vergleich schlechter ab als Elektroautos – aber nur knapp. Wegen des Strom-Mix können Elektroautos heute in Deutschland gar nicht klimaneutral sein.

Aber nicht nur fürs Fahren brauchen strombetriebene Elektroautos Strom. Auch für die Herstellung der Batterien wird Strom verbraucht. Und hier liegt das Problem: Will man ein Auto mit einer großen Reichweite herstellen, ist eine große Batterie notwendig, deren Bau viel Strom verbraucht. Bis 2030 sollen die Elektromotoren laut einer Studie des ifeu-Instituts Heidelberg auch mit großer Batterie die Verbrennungsmotoren in der Ökobilanz schlagen.

Emissionen

Generell gilt: Elektroautos verursachen weit weniger Emissionen während des Fahrens, aber oft mehr während der Produktion. Das liegt vor allem an den Batterien. Ein weiteres interessantes Detail: Fahrzeuge mit Verbrennungsmotoren und neuester Technik werden den Stickoxid-Ausstoß laut ifeu-Studie im Jahr 2030 um 56 Prozent verringern. Die sechs Millionen E-Autos, die bis dahin laut Bundesregierung auf Deutschlands Straßen unterwegs sein sollen, mindern diesen Schadstoffausstoß noch einmal um 28 Prozent.

Rohstoffverbrauch

Für die Herstellung der Batterien strombetriebener Elektroautos sind viele Rohstoffe nötig: Kupfer, Aluminium, Nickel, Mangan und das teure - meist aus Afrika stammende - Kobalt. Außerdem braucht die Batterieproduktion viel Wasser. Hier fällt die Ökobilanz deutlich schlechter aus als bei den Verbrennungsmotoren, die nur einen Treibstofftank brauchen. Bei den wasserstoffbetriebenen Fahrzeugen ist das nicht anders: Für die benötigte Brennstoffzelle wird Platin verwendet - also auch ein Rohstoff, der begrenzt und teuer ist.

Reichweite

500 Kilometer kann der Fahrer eines Teslas bei Vollladung schaffen. Unter den batteriebetriebenen E-Autos ist das spitze. Die meisten anderen strombetriebenen E-Autos kommen nicht so weit. Bei Kälte sinkt die Reichweite wegen der dann schwächelnden Batterie sogar um ein Drittel. Das ist ein echter Nachteil, zumal die zu geringe Zahl an Ladestationen die Situation noch erschwert. In jedem Fall sollte der Fahrer eines batteriebetriebenen E-Autos bei jeder Gelegenheit tanken, wenn er nicht auf der Strecke bleiben will. Die lange Zeit für den Ladevorgang sollte er ebenfalls einkalkulieren: 30 Minuten sind für 80 Prozent der Leistung notwendig. Vielleicht lässt sich die Ladezeit künftig noch halbieren, sagen Forscher. Ähnlich schnell wie beim Tanken wird das Laden allerdings nie gehen. Die Zellen in den Batterien würden zu heiß werden. Bei den wasserstoffbetriebenen Konkurrenten sieht das besser aus: Der Tankvorgang geht so schnell wie beim Verbrennungsmotor. Die Reichweite pro Tankfüllung ist auch vergleichbar groß, jedenfalls viel größer als die eines batteriebetriebenen E-Autos.

Fazit: Elektroautos sind teuer. Ein wasserstoffbetriebenes Fahrzeug kostet derzeit über 60.000 Euro. Die batteriebetriebene Alternative ist zwar schon für deutlich weniger zu haben, aber - verglichen mit den Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor - immer noch teuer. Die Ökobilanz der E-Autos ist allerdings nicht in jeder Hinsicht gut.

  • Elektroautos – Sind sie tatsächlich umweltfreundlich? 23.03.2018, 16.30 Uhr, ARD-alpha.
  • Elektroautos – Sind sie tatsächlich umweltfreundlich? 17.03.2018, 19.00 Uhr, BR Fernsehen.

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