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Geschichte der Eisenbahn Visionär und Kaufmann: G. Z. Platner

Der Händler Georg Zacharias Platner war ein mutiger und überzeugender Vordenker und Pionier. Der Nürnberger war einer der Initiatoren der ersten deutschen Eisenbahnstrecke, die eine Revolution im Transportwesen einleitete.

Stand: 04.09.2017 | Archiv

Georg Zacharias Platner ebnete maßgeblich den Weg für die Finanzierung der Eisenbahn in Deutschland. | Bild: Museen der Stadt Nürnberg

Die erste "Adler"-Lokomotive wäre wohl nie unter Dampf gesetzt worden, hätte es in Nürnberg und Fürth nicht Visionäre gegeben, die an die Eisenbahn und den technischen Fortschritt glaubten. Einer von ihnen war Georg Zacharias Platner. Doch Platner ging kein unkontrollierbares Risiko ein, schließlich war er ein erfolgreicher Geschäftsmann.

Kaufmann mit Weitblick

Aussschnitt aus handkoloriertem Nürnberg-Panorama, um 1845

Georg Zacharias Platner stammte aus einem erfolgreichen Nürnberger Handelshaus. Nach einer kaufmännischen Ausbildung, schickte ihn sein Vater mit 16 Jahren zur Lehre nach Basel, anschließend in die Hamburger Filiale eines französischen Unternehmens. Als er zurückkam, war er ein weltgewandter Mann mit internationaler Erfahrung im Handel. Mit 30 Jahren übernahm er die Führung des väterlichen Unternehmens, das er international ausbaute. Gleichzeitig bekleidete er zahlreiche öffentliche Ämter, unter anderem war er zwanzig Jahre lang im Nürnberger Handelsvorstand und Abgeordneter der Bayerischen Ständekammer.

England im Visier

Durch den Handel mit dem Farbstoff Indigo hatte Platner auch Verbindungen nach England und verfolgte die Entwicklung der Eisenbahn dort sehr genau. So wusste er um den Erfolg der Strecke von Liverpool nach Manchester, die 1830 eingeweiht wurde, und ließ sich über die technologischen Entwicklungen auf dem Laufenden halten. Der bayerische Landtag hatte die Nürnberger Strecke als geeignet empfohlen, allerdings wollte die bayerische Regierung nicht selbst investieren. Platner übernahm die Initiative für den Bau der "Adlerstrecke" und trieb die Gründung der "Ludwigs-Eisenbahn-Gesellschaft-Nürnberg" voran. Am 14. Mai 1833 erschien ein unter anderem von ihm unterzeichnetes Prospekt, in dem das neue Eisenbahnvorhaben potenziellen Aktionären angepriesen wurde:

"Eisenbahnen, in Verbindung mit Dampfmaschinen, gehören zu den wichtigsten und einflußreichsten Erfindungen unserer Zeit; sie sind das schnellste, wohlfeilste und sicherste Transportmittel für Personen und Waren."

Prospekt zur Gründung der Eisenbahngesellschaft, zitiert nach 'Bayerische Eisenbahnen', Horst Weigelt

Genauer Finanzierungsplan

Platner wusste, dass er die Aktien für die zu gründende Eisenbahngesellschaft nur los werden würde, wenn er eine hohe Rendite versprechen könnte. Nachdem die bayerische Regierung kaum an den Papieren interessiert war, musste er vor allem wohlhabende Geschäftsleute dazu bewegen, die Aktien zu zeichnen. Sie sollten aber keinen leeren Versprechungen aufsitzen. So ging seinem Vorhaben eine genaue Analyse des Standortes, des Bedarfs und der Kosten voraus. Dazu ließ er auch eine Verkehrszählung auf der Strecke durchführen:

Chaussee Nürnberg - Fürth

"täglich im Durchschnitt
1.184 Personen zu Fuß,
494 Personen zu Wagen in 158 Chaisen,
108 mit 236 Pferden bespannte Fuhrwagen
Hin und her passiren. Die Frequenz berechnet sich daher für ein volles Jahr auf
612.470 Personen zu Fuß und zu Wagen,
39.420 Fuhrwagen mit 86.140 Pferden."

Er stellte einen detaillierten Fahrzeug- sowie Personalkostenplan auf, berechnete die laufenden Kosten und analysierte die Wettbewerbslage:

"Vorher Fiaker:

Fahrzeit 1 Stunde, Fahrpreis 12 Kreuzer
Nachher Eisenbahn: Fahrzeit 10 – 12 Min,. Fahrpreis 6 Kreuzer
Frachtsatz Eisenbahn mit 4 Kreuzer/Ztr. äußerst niedrig."

Unglaubliche Rendite

Die erforderlichen Gesamtinvestitionen wurden mit 134.000 Gulden beziffert, sollten am Ende jedoch 150.000 Gulden erreichen. Die jährliche Rendite von 12,5 Prozent erschien unglaublich, wurde aber schon im Jahr 1836 mit 20 Prozent übertroffen. Platner ging mit eigenem Vorbild voran und wurde Hauptaktionär der Gesellschaft.

Bei seinen Bemühungen um die Eisenbahn wurde Platner vor allem auch von Johannes Scharrer, dem Leiter der Polytechnischen Schule, unterstützt, der einer der Begründer der Eisenbahn-Gesellschaft war.

Direktor und Stifter

Von 1834 bis 1836 übernahm Platner den Posten des ersten Direktors, dann fungierte er bis 1852 als erster Kassier der Ludwig-Eisenbahn-Gesellschaft. Kurios ist, dass er selbst als Direktor der Gesellschaft weniger verdiente als der Lokführer William Wilson, der 1.500 Gulden bekam.

Johannes Scharrer

Johannes Scharrer

Der in Hersbruck geborene Kaufmann Johannes Scharrer (1785-1844) betätigte sich in Nürnberg als erfolgreicher Kommunalpolitiker und Sozialreformer. Der Hopfenhändler war als Magistratsrat (1818-1823) und Zweiter Bürgermeister (1823-1829) tätig. Unter anderem gründete er die Stadtsparkasse und die Polytechnische Schule, deren Direktor er auch war. Eines seiner Hauptanliegen war die Reform des Volksschulwesens. Außerdem wirkte er als Förderer der Eisenbahn und war von 1836 bis 1844 Direktor der Ludwigs-Eisenbahn-Gesellschaft.

Auch als Stifter machte sich Platner mit der ersten öffentlichen Grünanlage Nürnbergs, der Platners-Anlage, einen Namen. Am 8. Juli 1862 starb der Kaufmann als hoch angesehener Mann. Sein Engagement für den Bau der 1. Eisenbahnlinie stellte sich zu seiner Zeit als lohnend für die Aktionäre und wegweisend für das Transportwesen heraus.

  • Das bayerische Jahrtausend - 19. Jahrhundert: Fürth": am 4. September 2017 um 17.15 Uhr, ARD-alpha

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