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Geschichte der Eisenbahn Eiserne Kunststraße von Joseph von Baader

Auch wenn der "Adler" als die erste Lokomotive in Deutschland gefeiert wird, so gab es schon einen Vorläufer in Bayern: Am 18. April 1826 startete im königlichen "Lustgarten" zu Nymphenburg eine Demonstrationsfahrt, durchgeführt von Joseph von Baader.

Stand: 27.09.2013 | Archiv

Joseph von Baader | Bild: SZ Photo

Sein Schienenfahrzeug wurde von einem Pferd gezogen, denn es gab noch keine Lokomotive in Bayern. Die auf Eisenräder gestellte Kutsche wurde über eine Gleisstrecke von rund 250 Metern geschickt. Doch König Ludwig I. zeigte sich kaum beeindruckt von der Vorführung und versagte dem Ingenieur ein Jahr später das nötige Geld um sein Projekt weiterzuentwickeln.

Ein innovativer Techniker

Salzmuseum in Bad Reichenhall

1796 wurde Baader Mitglied der Königlichen Akademie der Wissenschaften. Berühmt durch seine Veröffentlichungen stieg er in München zum Oberstbergrat des Münz- und Bergmeisteramtes für Bayern und die Oberpfalz auf. 1797 veröffentlichte er die "Theorie der Saug- und Hebepumpen", die die Aufmerksamkeit von Kurfürst Max IV. Joseph von Bayern gewann. Dieser beauftragte Baader 1802 mit der Anlage neuer, starker Fontänen in Nymphenburg.

Joseph von Baader - ein Daniel Düsentrieb

Saug- und Hebepumpen

1803 errichtete Baader im Schlosspark Nymphenburg in München ein gusseisernes Pumpwerk im "Grünen Brunnhaus" zum Betrieb der parkseitigen Fontäne. 1808 kam ein Pumpwerk im "Johannisbrunnhaus" dazu, das die große Fontäne vor dem Schloss antrieb. Diese Pumpwerke gelten als die ältesten, noch dienstbereiten Maschinen Europas, wenn nicht weltweit. Eine Besonderheit der Konstruktion ist der Windkessel, der den Leitungsdruck erhöht und ausgleicht. So galt die Fontäne mit ihren acht bis zehn Metern Höhe zu ihrer Erbauungszeit als die stärkste und wasserreichste Europas. In Fachkreisen galt sie als Meilenstein der Ingenieurskunst. Noch heute treibt das dritte Pumpwerk die große Fontäne im Schlossrondell an. Für seine Leistungen wurde Baader 1813 geadelt.

Tretboot

1799 beschrieb Baader eine Konstruktion für ein Zwei-Mann-U-Boot. 1810 erfand er das vermutlich erste Tretboot. Veröffentlicht wurde seine Erfinungn unter dem Ttiel "Baaderscher Wasserschlitten" in den Analen der Physik, Band 38, Nummer 2 im Jahr 1811.

Saline Reichenhall

Ab 1798 wurde Baader Direktor des Berg- und Maschinenwesens in Bayern. 1816 erhält der Königlich bayerische Salinerat Georg von Reichenbach von Max I. und seinem Minister, dem Grafen Montglas, den Auftrag zum Bau der Soleleitung von Berchtesgaden nach Bad Reichenhall. Die "Alte Saline" in Bad Reichenhall war von 1840 bis 1926 die Saline für das "Reichenhaller Salz". Joseph von Baader entwarf die Förderanlagen der Saline.

Eiserne Kunststraßen

Schon früh interessiert sich Baader auch für Verkehrssysteme auf Schienen. In mehreren Denkschriften von 1812, 1814 und 1822 konkretisiert er seine Vorstellungen, unter anderem in "Zur Einführung der eisernen Kunststraßen im Königreich Bayern". Darin weist er immer wieder auf wirtschaftliche Vorteile hin und macht konkrete Streckenvorschläge, wie eine Linie von Regensburg über Nürnberg nach Kitzingen – von der Donau an den Main. Oder von Ried in Österreich über München und Memmingen nach Lindau. Baader findet seine eisernen Kunststraßen vor allem für den Handels- und Schwertransport geeignet, als Ersatz für den Schiffsverkehr. Immer mehr vertieft er sich in die Verfeinerung seines technischen Systems, der Pferdebahn. Und verbessert diese ganz erheblich:

Berechnungen der Effizienz

Gewöhnliches Fuhrwesen: 1 Pferd zieht 12 bayerische Centner = 672 kg Bruttolast
Engl. Tram-road: 1 Pferd zieht 115,5 bayr. Centner = 6451,2 kg Bruttolast
Baadersche Bahn: 1 Pferd zieht 266 bayr. Centner = 14 896 kg.

(zitiert nach "Bayerische Eisenbahnen", Horst Wiegelt)

Die Kommissionen zeigen sich sehr beeindruckt vom geringen Rollwiderstand, doch sehen sie diese Konstruktion für die geplante Strecke von der Donau zum Main als ungeeignet. Zu viele natürliche Hindernisse scheinen unüberwindbar und würden die Kosten in die Höhe treiben. Allerdings kommt das Bayerische Staatsministerium der Finanzen zu dem Schluss, dass das Projekt für die Chaussee von Nürnberg nach Fürth durchaus geeignet sei, da das Terrain eben und das Verkehrsaufkommen beträchtlich sei.

Unglückliches Ende

König Ludwig I. von Bayern

Noch immer war Baader der Ansicht, auf Räder gestellte Dampfmaschinen, Lokomotiven, seien zu schwer. Unter dem Eindruck von Stephensons erster Bahnlinie 1825 von Stockton nach Darlington erkannte aber auch er das Potenzial der Lokomotive, die trotz ihres Gewichts in der Lage war, Steigungen mit für damals enormer Geschwindigkeit zu überwinden. Am Ende konnte Baader den König aber dennoch nicht von seinem Projekt überzeugen und er bekam nicht die nötige finanzielle Unterstützung. Ludwig I. investierte lieber in sein Lieblingsprojekt, den Ludwig-Kanal zwischen Donau und Main.

Joseph von Baader starb am 20. November 1835, wenige Tage vor der ersten Fahrt des "Adler" von Nürnberg nach Fürth.


  • "Wegbereiter der Eisenbahn in Bayern": am 21. Oktober 2013 um 15. 05 Uhr in "radioWissen", Bayern 2

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