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Geschichte der Eisenbahn Der Vorreiter - Joseph Anton von Maffei

Der Geschäftsmann und Politiker war von der Eisenbahn begeistert. Er setzte sich vehement für den Bau der Strecke zwischen Augsburg und München ein und wurde mit seiner Eisenbahnfabrik zum wichtigsten Industriellen Münchens.

Stand: 10.04.2017 | Archiv

Porträt: Joseph Anton von Maffei | Bild: Historisches Lexikon Bayern, aus: "Hundert Jahre Krauss-Maffei" München 1837-1937, S. 8

Nur wenige Monate, nachdem der "Adler" seine erste Fahrt zwischen Nürnberg und Fürth angetreten hatte, gründeten in München und Augsburg einige vermögende Herren ein Eisenbahn-Komitee. Ihr erster Vorstand war Joseph Anton Ritter von Maffei, der sich für den Bau der sechzig Kilometer langen Strecke zwischen den beiden Städten einsetzte.

Politisch engagiert und innovativ

Der erfolgreiche Geschäftsmann und Politiker Maffei interessierte sich aus gutem Grund für den Bau der Eisenbahn. In ihr sah er das Warentransportmittel der Zukunft. Seine Position war ideal: Als Verwaltungsvorsitzender der privaten München-Augsburger Eisenbahngesellschaft und als Mitglied der Bayerischen Hypotheken- und Wechselbank forcierte er den Bau der Strecke, die 4.162.000 Gulden kosten sollte. Maffei saß in seiner Doppelfunktion an der Schaltstelle, die den Bau und die Planung des Schienennetzes organisierte. Er nutzte sein Mandat als Landtagsabgeordneter, um auch auf Regierungsebene das Projekt voranzutreiben. Im Oktober 1840 hatte er es geschafft: Der erste Zug fuhr statt der üblichen zehn Stunden, die eine Postkutsche brauchte, in nur drei Stunden die Strecke.

Zu teures englisches Know-how

Maffei'sche Maschinenfabrik in Hirschau, um 1860

Auch für die Strecke München - Augsburg griffen die Verantwortlichen, wie beim Bau des "Adler", auf das technische Know-How englischer Ingenieure zurück. Diese waren damals im Lokomotivbau weltweit führend. Um keine Zeit zu verlieren, wurden schon vor dem Baubeginn englische Eisenbahnen bestellt. Diese kamen in Einzelteilen in München an - lange bevor die Strecke fertig war. Englische Fachleute unter der Leitung von Joseph Hall übernahmen das Zusammenbauen - und ließen sich ihre Arbeit teuer bezahlen. Das ärgerte Maffei und so warb er Hall ab und stellte ihn in seinem eigenen Eisenwerk in der Hirschau an - der Lokomotivbau in Bayern konnte beginnen.

Vom kleinen Eisenwerk zur erfolgreichen Maschinenfabrik

Ludwig I. taufte die erste Maffeische Eisenbahn

1838 erwarb Maffei für 57.000 Gulden ein kleines Eisenwerk in der Hirschau im heutigen Englischen Garten. Zwar lag das Werk verkehrsmäßig ungünstig, doch energietechnisch umso besser: Der Eisbach versorgte es mit Wasserkraft. Maffei erwarb das Hammerwerk und baute es mithilfe der englischen Ingenieure nach und nach zu einer mordernen Fabrikanlage für Lokomotiven aus. Am 9. September 1841 meldete der Unternehmer König Ludwig I. die Fertigstellung der ersten bayerischen Lokomotive und bat um einen Namen für sie. Ludwig kritzelte unter das Schreiben:

"Mit vielem Vergnügen erfuhr ich des Dampfwagens Erbauung aus München und dem ausgesprochenen Wunsch gemäß, dass ich ihm einen Namen geben möchte, soll er der 'Münchener' heißen."

Ludwig I.

Zahlungsengpässe

Güterzuglokomotive Bavaria

Bedauerlicherweise endete die Begeisterung des Regenten, wenn es ans Zahlen ging. So befürchtete Maffei auf den Kosten für die Lokomotive sitzen zu bleiben. Zudem mussten auch die sechs in England bestellten Modelle noch finanziert werden. Doch mit dem "Münchener" hatte sich das Werk Maffeis einen Namen gemacht. Es verfügte über die erste Eisengießerei Münchens, eine mechanische Werkstatt, Montage-, Modell- und Schmiedewerkstätten, Büros und Wohnungen.

Erfolg durch Mut zum Risiko

Noch während Maffei mit dem Staat über den Ankauf des Zuges verhandelte, verließen Auftragsarbeiten das Werk. Die königliche Staatseisenbahn hatte acht Stück bestellt, hatte aber hart verhandelt: 20 Prozent des Kaufpreises wurden bei Terminüberschreitung fällig. Als Sicherheit für die vom Staat geleistete Anzahlung musste Maffei sogar seine Tabakfabrik verpfänden. Doch am Ende wurden die Lokomotiven rechtzeitig fertig. Maffei bekam 27.000 Gulden pro Stück und eine Lokomotive der neuen Maffei-Reihe "Bavaria" durfte als erste auf der neuen Strecke Nürnberg - Bamberg fahren.

Semmering-Wettbewerb

1851 gelang Maffei der große Coup, der die Dampfmaschinenfabrik endgültig auf das Erfolgsgleis führte: Eine Maffei-Lokomotive gewann den Semmering-Wettbewerb. Die Fachwelt feierte die erste richtige Gebirgsbahn, die speziell für Steigungen ausgelegt sei. Der Wettbewerb machte das Unternehmen weltweit bekannt und es kamen zahlreiche Aufträge aus dem Ausland. 1864 verließ schließlich die 500. Lokomotive das Werk und Josef Anton von Maffei war zu dieser Zeit der wichtigste Großindustrielle Münchens.

Maffeis Leben

1790: Am 4. September wird Joseph Anton in München als Sohn eines wohlhabenden italienischen Tabakfabrikanten geboren. Sein Vater schickt ihn nach Italien und Frankreich, um kaufmännische Erfahrung zu sammeln
1816: Er übernimmt die Leitung der Tabakwarenfabrik
1821 - 1869: Münchner Magistratsrat
1835: Gründungsmitglied der Bayerischen Hypotheken- und Wechselbank
1837: Verwaltungsvorsitzender der München- Augsburger- Eisenbahngesellschaft
1837 - 1848 Abgeordneter im bayerischen Landtag
1838 Kauf des Eisenwerkes in der Hirschau. Hier wurden neben Lokomotiven, Dampfmaschinen, stählerne Eisenbahnbrücken auch Dampfschiffe hergestellt
1840: 4. Oktober die "Eisenstrecke" zwischen München und Augsburg wird eröffnet
1841: Fertigstellung der ersten bayerischen Lokomotive "Münchener"
1851: Lieferung des 1. Dampfers "Maximilian" für die Schifffahrt auf dem Starnberger See
1864: 500. Lokomotive wird ausgeliefert
Zudem war Maffei Hauptäktionär der Maximilianshütte in Amberg, betrieb die Augustiner-Brauerei, ein landwirtschaftliches Gut und war am Bau des Münchner Hotels "Bayerischer Hof" beteiligt
1. September 1870: Joseph Anton Ritter von Maffei stirbt in München

  • "Enge und Aufbruch des 19. Jahrhunderts": am 10. April 2017 um 9.05 Uhr in "radioWissen", Bayern 2
  • "Wegbereiter der Eisenbahn in Bayern": am 21. Oktober 2013 um 15. 05 Uhr in "radioWissen", Bayern 2

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