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Geschichte der Eisenbahn Im Rausch der Schienenflitzer

1835 war der "Adler" bereits mit über 60 Stundenkilometern zwischen Nürnberg und Fürth unterwegs. Seitdem wurden die Züge immer schneller und schneller. Weit über 500 Kilometer pro Stunde sind heute möglich.

Stand: 24.02.2016 | Archiv

Die Legende erzählt von einem Gutachten des "Königlich Bayrischen Medizinalkollegiums", welches "Ortsveränderungen mittels irgendeiner Art von Dampfmaschine im Interesse der öffentlichen Gesundheit" verboten sehen wollte. Der Anblick einer in voller Schnelligkeit dahinrasenden Lokomotive würde laut Gutachten genügen, um die schreckliche Krankheit "delirium furiosum" zu erzeugen. Das Gutachten wird aber nie gefunden und auch sonst können sich die Technikfeinde schneller Loks nie so recht durchsetzen.

Dampfloks stoßen an ein Tempolimit

"Fliegender Hamburger"

Dagegen treibt der Temporausch die Techniker zu immer aberwitzigeren Rekorden. Nur gut zehn Jahre nach der Jungfernfahrt des "Adler" 1835 rast eine französische Dampflokomotive mit mehr als 100 Stundenkilometern über Schienen. Da aber Dampfloks wegen der mitzuführenden Masse an Kohle und Wasser bald an ihr Tempolimit stoßen, fahren die Rekorde des 20. Jahrhunderts Elektroloks ein. So erreichen Schnelltriebwagen der Firmen Siemens und AEG 1903 bei Testfahrten Geschwindigkeiten von über 200 Stundenkilometern.

Schienenzeppelin mit Propellerantrieb

Schienenzeppelin, 1931 in Hannover

Knapp 30 Jahre später konstruiert Franz Kruckenberg für die Reichsbahn den Schienenzeppelin, einen Leichttriebwagen mit Dieselmotor und Propeller am Heck. Das nie regulär eingesetzte Versuchsfahrzeug - ein Ding zwischen Lokomotive und Flugzeug auf Schienen - erreicht 1931 die für damalige Verhältnisse unglaubliche Spitzengeschwindigkeit von 230 Stundenkilometern.

Luftkissenfahrzeug mit Düsentriebwerk

Erst in den 50er-Jahren starten die Franzosen eine Aufholjagd mit einer 331 Stundenkilometer schnellen Elektrolok. Dem Franzosen Jean Bertin reicht das nicht: Er konstruiert das spurgeführte Luftkissenfahrzeug "Aérotrain", das ab Mitte der 60er-Jahre über ein Betongleis rast und erst von einem Propeller und später von einem Düsentriebwerk angetrieben wird. Das Geschoss stellt 1974 mit 430 Stundenkilometern einen Rekord auf, fährt aber wegen der hohen Kosten in eine technische Sackgasse.

Frankreich hält den Rekord auf der Schiene

Schnellster Zug: TGV

Die Weichen für den ersten Hochgeschwindigkeitszug für den Personentransport stellen schließlich die Japaner anlässlich der Olympischen Sommerspiele 1964 in Tokio. Der "Shinkansen" der Baureihe 0, der erst 2008 aus dem Verkehr gezogen wird, transportiert erstmals fahrplanmäßig Passagiere im regulären Betrieb mit über 200 Stundenkilometern. Die heutigen "Shinkansen" bringen über 360 Kilometer pro Stunde auf die Schiene. 1988 schafft ein ICE knapp das Rekordtempo 407, zwei Jahre später knacken die Franzosen mit einem TGV die magische 500er-Marke, um schließlich im Jahr 2007 den bislang unerreichten Rekord von 574,8 Kilometern pro Stunde aufzustellen.

  • "Vom Adler zum ICE": am 24. Februar 2016 um 14.15 Uhr, ARD-alpha

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