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Geschichte der Eisenbahn Know-how aus England

William Wilson wurde als Gastarbeiter in Bayern engagiert: Er kam aus England und überwachte, wie der "Adler" zusammengebaut wurde. Dann führte er die Lok und schulte neue Lokomotivführer. Wilson wurde zum Star und blieb.

Stand: 17.04.2012 | Archiv

Wilson, der 1809 im englischen Walbottle geboren wurde, arbeitete bei George Stephenson als Mechaniker. Als der englische Ingenieur den "Adler" nach Nürnberg lieferte, ging Wilson mit nach Deutschland. Der Ausflug, der eigentlich auf acht Monate ausgelegt war, endete in einer lebenslangen Anstellung in Nürnberg. Noch heute kann man das Grab von William Wilson auf dem Nürnberger Johannisfriedhof finden.

Der englische Experte

Der englische Eisenbahnpionier George Stephenson

William Wilson wurde von Stephenson empfohlen und überwachte, wie die Lokomotive in England wieder in ihre Einzelteile zerlegt wurde. Dann begleitete er die kostbare Fracht auf eine Reise, die sich als wesentlich anstrengender als geplant herausstellte. Die schweren Kisten und der zu niedrige Wasserstand erschwerten und verzögerten die Reise auf dem Rhein. Schließlich mussten Wilson und die Kisten die letzten Etappen ab Köln auf Pferdegespannen antreten.

Montage in Nürnberg

Erfinder und Techniker Johann Wlhelm Spaeth

Nach der verspäteten Ankunft der Kisten in Nürnberg am 26. Oktober 1835 überwachte Wilson den erneuten Zusammenbau der Einzelteile. In der Nürnberger Werkstätte von Johann Wilhelm Spaeth wurden die Teile einzeln ausgepackt und gesäubert. Bevor sie montiert wurden, zeichneten Schüler des Polytechnikums die Teile ab, um sie für spätere Ingenieure und Eisenbahnbauer zu sichern. Drei Wochen dauerte die Montage der Lokomotive. Zur gleichen Zeit wurden in Werkstätten in Lohr, Fürth und Nürnberg die neun Wagen gebaut.

Wilson als Lokführer

Der "Adler" auf der Strecke

Am 16. November begannen die ersten Probefahrten. Wilson zeigte seinen Schülern wie richtig geheizt, angefahren, beschleunigt und gebremst wird. Besondere Sorgfalt ließ er bei der Schulung der Kohlenschaufler und Bremser walten, denn auf dem "Adler" war vorgeschrieben, dass auf jedem Wagen ein Bremser mitfahren musste. Dann kam der Tag der feierlichen Eröffnung. Wilson wurde nach der Eröffnung als umsichtiger, souveräner und fachlich äußerst kompetenter Lokführer gepriesen.

Der Meister bei der Arbeit

"Jedes körperliche Geschick, welches gleichwohl nicht fehlen darf, tritt bei ihm in den Hintergrund in den Dienst der verständigen Beachtung auch des Kleinsten, als eines für das Ganze wichtigen. Jede Schaufel Steinkohlen, die er nachlegt, brachte er mit Erwägung des rechtes Maßes, des rechten Zeitpunktes, der gehörigen Verteilung auf den Herd. Keinen Augenblick müßig, auf alles achtend, die Minute berechnend, da er den Wagen in Bewegung zu setzen habe, erscheint er als der regierende Geist der Maschine und der in ihr zu ungeheuerer Kraftenfaltung vereinigten Elemente."

Aus einem Artikel des Stuttgarter Morgenblatts, 1835

Reich entlohnte Kompetenz

Georg Zacharias Platner

Acht Monate lang sollte Wilson als Ingenieur und Lokführer den Betrieb der Lokomotive sichern und gleichzeitig neues Personal schulen. Aber die Ludwig-Eisenbahn-Gesellschaft verlängerte immer wieder seinen Vertrag. Dabei war dieser überaus gut dotiert: Wilson verdiente mehr als der Direktor der Eisenbahn-Gesellschaft, Georg Zacharias Platner. Der Experte erhielt damals den unglaublichen Jahreslohn von 1.500 Gulden. Doch Wilson war neben der Lokomotive der Star. Ließ er sich von anderen Lokführern vertreten, fuhren weniger Fahrgäste mit - alle wollten Wilson bei der Arbeit erleben.

Vom "Wilden" zum Ehemann

Wilson verlängerte seinen Vertrag immer wieder. Er zog aus dem Gasthaus "Wilder Mann" in ein Zimmer im Ludwigsbahnhof am Plärrer, lernte Deutsch und fand Freunde in Nürnberg. Er heiratete eine Nürnbergerin, wurde Vater einer Tochter und blieb. Am 17. April 1862 starb William Wilson als angesehener Mann in Nürnberg und wurde auf dem Johannisfriedhof begraben. Die William-Wilson-Straße am Rangierbahnhof erinnert noch heute an ihn.

Das Andenken

Eine nachgestellte Fahrt des "Adler in Berlin | Bild: picture-alliance/dpa

Noch immer ein Vorbild

Auch heute noch orientieren sich die Lokführer bei den Adler-Jubiläumsfahrten an William Wilsons feierlicher Aufmachung bei seiner Arbeit und versuchen ihm in nichts nachzustehen. So stehen die Lokführer bei Wind und Wetter im offenen Lokstand und tragen wie William Wilson ab seiner ersten Fahrt eine hellgraue Hose, eine weiße Weste, eine schwarze Fliege, eine dunkle Jacke und einen Zylinder.

  • "Vom Adler zum ICE": am 24. Februar 2016 um 14.15 Uhr, ARD-alpha

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