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Geschichte der Eisenbahn Verkehrsknotenpunkt und Handelsstraße

Die Chaussee von Nürnberg nach Fürth gilt Anfang des 19. Jahrhunderts als die meist befahrene Straße Bayerns - die ideale Strecke also, um die ersten Eisenbahnschienen hier zu verlegen. Doch wer finanziert das wagemutige Projekt?

Stand: 16.03.2017 | Archiv

"Adler" auf der Chaussee zwischen Nürnberg und Fürth | Bild: Grafische Sammlung / Museen der Stadt Nürnberg

1806 kam Nürnberg zu Bayern. Zwar litt die Stadt unter dem Verlust der Eigenständigkeit, aber die Nürnberger Kaufleute und Handwerker profitierten davon, dass sie weniger Zölle entrichten mussten. Nürnberg entwickelte sich zu einem zentralen Handelsplatz - ein idealer Ort für die erste Eisenbahnlinie.

Florierende Handelsstadt

Nürnberg galt damals als Vekehrsknotenpunkt und Zentrum des Warengroßhandels in Bayern. Rund 100 Handelshäuser und weitläufig tätige Kaufleute hatten sich hier angesiedelt. Alteingesessene Handwerksbetriebe, vor allem auch der Metall verarbeitenden Industrie, lieferten ihre Produkte weit über die Grenzen Bayerns hinaus. Auch im sieben Kilometer entfernten Fürth hatten sich erfolgreiche Handwerker angesiedelt: Spiegelmacher, Goldschläger und Kunstschreiner verkauften einen Teil ihrer Waren an Nürnberger Händler. So ergab sich zwischen den beiden Städten ein reger Austausch.

Tägliches Hin- und Herpendeln

Im Jahr 1816 lebten in Fürth rund 13.000 Einwohner, davon 2.400 Juden. Viele von ihnen verließen morgens Fürth, um in Nürnberg tagsüber Handel zu treiben. Abends mussten sie die Stadt nach altem Nürnberger Recht wieder verlassen und kehrten nach Fürth zurück. Zu diesem regen Pendlerverkehr kam der Fernverkehr auf der Handelsstraße nach Würzburg. Täglich befuhren 40 bis 50 Fuhrwerke die Chaussee zwischen den beiden Städten - die Straße galt unter allen Straßen des Königreichs als die am meisten befahrene.

Was lange währt ...

König Ludwig I. von Bayern war zunächst gegen den Eisenbahnbau.

1814 wurde die Strecke vom Münchner Eisenbahnpionier Joseph Ritter von Baader zum ersten Mal als Eisenbahnstrecke vorgeschlagen, 1819 machte sich der Bayerische Landtag für sie stark. Doch Bayerns König Ludwig I. war gegen die Eisenbahn und versagte dem Projekt seine Zustimmung. Und auch bei den Nürnberger und Fürther Kaufleuten fand sich keine Mehrheit für solch ein Projekt, denn sie sollten einen erheblichen Teil der Kosten selbst aufbringen. Das änderte sich erst, als in England das erste Eisenbahnsystem mit der Liverpool & Manchester Railway Erfolge feierte und sich auch als Transportmittel für die Bevölkerung etablierte. König Ludwig I. musste aus wirtschaftlichen Gründen seine Meinung überdenken und auch die fränkischen Kaufleute ließen sich vom Erfolg in England umstimmen.

... wird endlich gut

Am 2. Januar 1833 veröffentlichten die Technik interessierten und fortschrittlichen Nürnberger Verleger Johann Carl Leuchs und Erhard Friedrich Leuchs in ihrer "Allgemeinen Handelszeitung" einen "Aufruf zur Gründung einer AG für den Bau einer Eisenbahn von Nürnberg nach Fürth". Die Brüder erklärten die Vorteile einer Eisenbahn und die Vorzüge der Strecke Nürnberg-Fürth für solch ein Bauvorhaben. Dann appellierte der Artikel an die Nürnberger Bürger:

"Möchte eine Stadt, die die Wiege deutscher Gewerbsamkeit und des Erfindungsgeistes war, nicht hinter dem kleinsten Orte und Dorfe Amerikas zurückbleiben in einer dem Gewerben so frommenden Sache! Eilen wir uns Süddeutschland den Ruhm der ersten deutschen Eisenbahn zu sichern."

zitiert nach Horst Weigelt, 'Bayerische Eisenbahnen', S.63

Aktive Händler

Einer der wohlhabenden Nürnberger Händler: Georg Zacharias Platner

Bereits im Mai desselben Jahres luden Nürnbergs Bürgermeister Jakob Friedrich Binder und Vertreter des Handelsvorstands zu ersten Vorgesprächen ein. Auch der Fürther Bürgermeister Franz von Bäumen und einige Fürther Kaufleute standen dem Projekt positiv gegenüber. Der Nürnberger Handelsvorstand befürwortete den Plan, weil sowohl Fracht- als auch Personenverkehr angedacht waren. Um die Sache auf eine solide, wirtschaftliche Grundlage zu stellen, regte der Nürnberger Kaufmann Georg Zacharias Platner eine Verkehrszählung an. Gemeinsam mit von Bäumen, dem Nürnberger Handelsvorstand Johann Merkel und Johannes Scharrer, dem Leiter der Polytechnischen Schule in Nürnberg, bereitete er die Gründung der Aktiengesellschaft vor, die schließlich, am 18. November 1833, als "Ludwigs-Eisenbahn-Gesellschaft-Nürnberg" ins Leben gerufen wurde.

  • "Das bayerische Jahrtausend - 19. Jahrhundert: Fürth": am 4. September 2017 um 17.15 Uhr, ARD-alpha

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