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Geschichte der Eisenbahn Der kurze Höhenflug des "Adler"

Ganz früh versammeln sich Neugierige am 7. Dezember 1835. Sie wollen auf keinen Fall die erste Fahrt des "Adler" verpassen. Mit ihm begann der Siegeszug der Eisenbahn - doch der "Adler" selbst kam bald aufs Abstellgleis!

Stand: 24.02.2016 | Archiv

Geschichte der Eisenbahn: DB Museum Nürnberg: Nachbau der "Adler"-Lokomotive | Bild: picture-alliance/dpa

Begeistert und mit viel Presserummel wurde die erste Fahrt des "Adler" aufgenommen. Staunend und voller Ehrfurcht berichteten die Zeitungen von dem Ereignis. Und auch im täglichen Betrieb stellte sich der "Adler" und die Route als Erfolgsmodell heraus. Doch der Strecke zwischen Nürnberg und Fürth wurde der Rang abgelaufen und die Entwicklung der Bahn lief an ihr vorbei. Auch die Lok gehörte bald zum alten Eisen, wurde zum Museumsstück. In die Schlagzeilen kam der "Adler" schließlich wieder, weil er bei einem Großbrand im Lokschuppen des Nürnberger DB Museums 2005 schwer beschädigt wurde.

Ein dampfendes Ungetüm

Zeichnung zur ersten Eisenbahnfahrt

Mit viel Spannung wurde sie erwartet, die erste Fahrt vom Nürnberger Plärrer, dem neuen Ludwigsbahnhof, zum Ludwigsbahnhof in Fürth, auf der heutigen Fürther Freiheit. Und auch, wenn die Gesellschaft und die Bahnhöfe nach dem bayerischen König benannt wurden, - das Königshaus fehlte bei der Eröffnung. Wohl auch, weil Ludwig I. das Projekt nicht wirklich unterstützte. Um 9 Uhr ertönte ein Kanonenschuss - der Startschuss für den "Adler", der in neun Waggons rund 200 Gäste nach Fürth brachte. Dabei waren die einen von der Technik fasziniert, die anderen fürchteten sich vor dem rauchenden, dampfenden Ungetüm.

Adler im Betrieb

Streckenplan der Ludwigs-Eisenbahn von 1836.

Mit nur einer Lokomotive musste die Strecke zunächst mit Pferdezügen und dem Dampfzug betrieben werden. Die Fahrten mit Lok dauerten zwischen zwölf und 15 Minuten ohne Zwischenstopp. Die Pferdezüge bestanden aus einem Pferd und zwei Wagen oder zwei hintereinandergespannten Pferden und vier bis fünf Wagen. Mit dem Pferd waren die Fahrgäste rund 24 Minuten unterwegs. Schon 1836 wurde eine zweite Lokomotive aus England mit dem Namen "Pfeil" angeschafft, doch erst 1862 wurde die Pferdearbeit völlig eingestellt.

Erfolgreiche erste Zeit

Gleichschaltung der Uhren

Im 19. Jahrhundert hatte fast jeder Ort in Deutschland noch seine eigene Zeit. Sie konnte um Minuten von der in anderen Orten abweichen. Dies wurde mit der Eisenbahn zum Problem, denn plötzlich war die exakte Abfahrtszeit von Bedeutung. Als man nun feststellte, dass die katholische Kirche in Fürth falsch ging, war die Empörung groß. Der "Adler" fuhr nicht pünktlich. Deshalb erließ der Magistrat die Anweisung, die Kirchenuhr nach der Eisenbahnuhr zu stellen.

Von Beginn an war die Ludwigs-Bahn ein voller Erfolg. Zum einen wegen der Zeitersparnis. Zum anderen, weil die Fahrpreise mit 12 Kreuzer für die I. Klasse, 9 Kreuzer für die II. und 6 Kreuzer für die III. Klasse klug kalkuliert waren, denn die I. Klasse war genauso teuer wie eine wesentlich langsamere Fiakerfahrt. Dabei wurde sie fast ausschließlich im Personenverkehr verwandt, Güter wurden kaum befördert. Hinzu kam, dass die Lokomotive selbst viele Fahrgäste anzog, genau wie Lokführer William Wilson, der bald zu einer echten Attraktion wurde. So wurden 1835/36 knapp 440.000 Fahrgäste transportiert, 1836/37 467.304 - etwa doppelt so viele wie erwartet. Auch die Aktionäre freuten sich über diesen Zuspruch, denn sie erhielten eine noch höhere Rendite als die versprochenen zwölf Prozent ausgezahlt.

Der Zahn der Zeit

Ludwig-Eisenbahn-Denkmal

Bald wurde die Strecke von Vertretern anderer Städte und Regierungen besucht. Am 17. August 1837 gab sich dann auch König Ludwig I., der bei der Einweihung gefehlt hatte, die Ehre. Überall wurde über neue Strecken nachgedacht und die Weiterentwicklung der Lokomotiven wurde rasant vorangetrieben. So galt der "Adler" nach nur zwölf Jahren schon als zu alt und schwach und wurde 1857 eingestellt. Die Lokomotive wurde wieder in ihre Einzelteile zerlegt und verkauft. Vom originalen Zug gibt es heute nur noch einen gelben Waggon, der im Nürnberger DB Museum zu sehen ist.

Die Strecke selbst bekam durch die Pferdestraßenbahn Konkurrenz, die 1896 elektrifiziert wurde. Der Ausbau der Strecke wurde der Gesellschaft untersagt. Am 31. Oktober 1922 stellte die Ludwigseisenbahn schließlich ihren Betrieb ganz ein.

Nachbauten und historische Fahrten

Zum 125-jährigen Jubiläum 1960: Hier fährt der nachgebaute "Adler" auf einer Probefahrt.

Obwohl es zunächst keine Pläne des originalen Zuges mehr gab, entstanden Anfang des 20. Jahrhunderts, im Boom der neuen technischen Museen, Modelle des Adler. Der erste Nachbau des "Adler" wurde zum 100-jährigen Jubiläum der Bahn 1935 in Auftrag gegeben, allerdings mit einigen technischen Änderungen. 1934 war eine Zeichnung der Lokomotive von 1840 aufgetaucht und so nutzten die Nationalsozialisten den "Adler" für ihre Propaganda. Nach dem Krieg wurde der "Adler" immer wieder zu Dampflokfestivals, Jubiläen und besonderen Anlässen auf die Schienen gebracht und zieht noch immer viele Schaulustige und Eisenbahnfans in den Bann. 

Brand im Lokschuppen

2005: Brand in einem Lokschuppen der Deutschen Bahn

Dabei wäre im Jahr 2005 die Geschichte des - nachgebauten - Adlers fast vorbei gewesen: Am 17. Oktober brannte der Lokschuppen des DB Museums aus. Die Replik wurde schwer beschädigt, die Bleche waren geschmolzen, die Holzverkleidung verbrannt und der Schornstein abgefallen. Achtzig Prozent der Lokomotive waren zerstört. Die Eisenbahnwelt war geschockt.

Restaurierung in Südthüringen

Restaurierungsarbeiten im Dampflokwerk Meiningen

Auch im Hinblick auf das 175. Bahnjubiläum im Jahr 2011 entschloss man sich rasch, die Lok zu rekonstruieren. Der Kostenpunkt: rund eine Million Euro. Zahlreiche private Spender halfen bei der Finanzierung. Den Auftrag bekamen die Spezialisten des Dampflokwerks der Deutschen Bahn AG in Meiningen. Die Experten aus Südthüringen mussten vor allem einen Betrieb finden, der die aus einem Stück bestehende Kurbelwelle der Triebachse nachbauen konnte. Anfang 2007 konnte der wiederhergestellte, fahrbereite "Adler" im Nürnberger DB Museum begrüßt werden. Seither ist der Nachbau wieder bei Jubiläen und Feierlichkeiten im Einsatz. Auch 2010 war der "Adler" wieder Publikumsliebling und alle Sonderfahrttermine sofort ausgebucht.

  • "Vom Adler zum ICE": am 24. Februar 2016 um 14.15 Uhr, ARD-alpha

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