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Ein Jahr nach dem Abbruch vom Schelfeis Riesiger Eisberg A68 bewegt sich nur minimal

Im Juli 2017 war ein gewaltiger Eisberg in der Antarktis abgebrochen. Ein Jahr danach hat sich die schwimmende Eisinsel von rund 175 Kilometern Länge und fünfzig Kilometern Breite noch nicht weit von der Stelle bewegt.

Stand: 06.07.2018

Der gigantische Eisberg A68 hat sich auch den antarktischen Sommer über kaum von der Stelle bewegt. "Er ist noch nicht weit gekommen, weil er über das letzte Jahr hinweg vom Meereis und der Strömung immer wieder an die Schelfeiskante gedrückt wurde", erklärt Daniela Jansen, Glaziologin am Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung.

Nach dem Abbruch im Juli 2017 war bis Mitte September zwischen dem Eisberg und dem Larsen-C-Schelfeis in der Westantarktis eine 18 Kilometer große Lücke entstanden. Auf Satellitenbildern der europäischen Raumfahrtagentur ESA kann man das nachverfolgen.

Ein Jahr lang, bis zum Juli dieses Jahres, hat sich A68 insgesamt nur rund 50 Kilometer aus der Lücke bewegt.

Eisberg A68

Nur Eisberge ab einer Länge von 18,5 Kilometer bekommen einen Namen. Dieser setzt sich zusammen aus dem Sektor, wo der Eisberg gekalbt ist und einer fortlaufenden Nummer. Dieser Eisbergriese kommt also aus dem Sektor A und ist der 68ste, der hier mit der Mindestgröße gezählt wurde, so das Alfred-Wegener-Institut.

Es war einer der größten Abbrüche, die in der Antarktis je beobachtet wurden. Die Eisfläche, die frei im Meer schwimmt, ist nach Angaben des Bremerhavener Alfred-Wegener-Instituts für Polar- und Meeresforschung (AWI) 5.800 Quadratkilometer groß und damit fast sieben Mal so groß wie Berlin und etwa eine Billion Tonnen schwer.

"Das ist schon ein gewaltiger Abbruch, den wir beobachten, das macht ihn besonders."

Dr. Niklas Neckel, Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung Bremerhaven

Steckt der Eisberg-Riese fest?

Direkt nach dem Abbruch verharrte A68 auf der Stelle, die Meereisdecke des Polarwinters hielt ihn ruhig. Danach fing er an, mit der Meeresströmung entlang der antarktischen Halbinsel zu driften. An der Nordseite scheine er inzwischen auf eine Untiefe gelaufen zu sein, hänge dort aber nur lose fest und bewege sich mit Strömung und Gezeiten, so Daniela Jansen. Sie geht davon aus, dass er sich vielleicht im nächsten antarktischen Sommer löst und auf Dauer nach Norden weiterdriften wird.

Satelliten- und Radarbilder zeigen, dass inzwischen einige Eismassen an der Kante des Eisbergs abgebrochen sind, was die Form aber nicht wesentlich verändert hat.

Vor der antarktischen Halbinsel, die als schmaler Landzipfel in der Westantarktis Richtung Südamerika ragt, erstreckt sich das Larsen-C-Schelfeis kilometerweit ins Polarmeer. Gespeist wird es von den Gletschern des Festlandes, die hier als gigantische, auf dem Wasser treibende Eisfläche langsam aber stetig ins Meer fließen. Dass an der äußersten Kante im offenen Meer immer wieder Eisberge abbrechen ist etwas ganz Normales – selten allerdings sind sie so groß.

Verschwindet das Schelfeis komplett?

Der Riss im Larsen-C-Schelfeis

Für die Wissenschaftler ist nun spannend, wie sich die Schelfeiskante verändert. Modellrechnungen hatten laut Jansen letztes Jahr ergeben, dass die neue Kalbungsfront instabil sein könnte. Es gibt laut Jansen zwar einige größere Risse, die weiter beobachtet werden. Insgesamt sehe das verbliebene Larsen-C-Schelfeis im Moment aber einigermaßen stabil aus.

Bei dem benachbarten Schelfeis Larsen-B war in den 90er-Jahren erst ein großer Eisberg abgebrochen, danach fiel auch der Rest der Eisfläche nach und nach in sich zusammen.

"Wenn Schelfeis verschwunden ist, bekommt das Inlandeis nicht mehr so viel Rückhalt und fließt deutlich schneller ins Meer."

Niklas Neckel

Und wenn mehr Eis vom Festland ins Meer rutscht, würde das den Anstieg des Meeresspiegels beschleunigen. Die spannende Frage für die Forscher: Könnte auch das Larsen-C-Schelfeis weiter bröckeln und allmählich verschwinden? Ausgeschlossen ist das nicht, doch manchmal wächst bei solchen Ereignissen das Eis auch einfach wieder nach.

Zeichen des Klimawandels?

Klimaforscher wollen sich ungern darauf festlegen, dass der neue Rieseneisberg ein Beleg für den Klimawandel sei. Auch schon in den 50er-Jahren hat es große Abbrüche gegeben. Doch:

"Bekannt ist, dass an der antarktischen Halbinsel Luft- und Ozeantemperaturen gestiegen sind."

 Niklas Neckel

  • "Riesiger Eisberg - Schelfeis in der Antarktis gebrochen", IQ - Wissenschaft und Forschung, am 12.07.2017 um 18.05 Uhr

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