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Klimawandel am Nordpol Schmelzendes Polareis lässt Eisbären hungern

Im Frühling geht die Winterruhe für Eisbären zu Ende und die Jagdsaison beginnt. Doch das arktische Meereis schmilzt aufgrund des Klimawandels. Das erschwert den Bären die Jagd auf Robben. Die Folge: Die Tiere magern ab.

Stand: 30.01.2018

Der Frühling ist für Eisbären die beste Zeit zum Jagen - vorausgesetzt, das Arktiseis bietet gute Bedingungen. Doch die vergangenen Jahre zeigen, dass die Eisbären mehr Körperenergie verlieren, als sie an Nahrung zuführen können. Die Tiere bevorzugen fettreiche Robben als Hauptnahrungsmittel, denn Robben sind von der Eisoberfläche aus am einfachsten zu jagen. Aufgrund der allgemeinen Klimaerwärmung nimmt die Menge des Meereises mit 14 Prozent pro Jahrzehnt jedoch deutlich ab. Das erschwert den Eisbären die Robbenjagd.

Jagdverhalten und Stoffwechsel der Eisbären festhalten

Um zu verstehen, wie viel Nahrung Eisbären in der kritischen Frühlingszeit aufnehmen müssen, nahmen der Wissenschaftler Anthony Pagano und seine Kollegen vom Alaska Science Center in Anchorage jeweils im Frühling der Jahre 2014 bis 2016 neun Weibchen auf dem Packeis der Beaufort-See gefangen. Sie bestimmten Größe und Gewicht der Tiere und maßen die Stoffwechsel-Werte jeder Bärin, indem sie Blut- und Urinproben nach dem Einfangen und dann wieder nach acht bis elf Tagen erfassten. Außerdem wurden die Bärenweibchen mit GPS-Halsbändern ausgestattet, die zusätzlich mit einer Videokamera versehen waren. Diese Kamera, die unter dem Kinn der Eisbären befestigt war, filmte die Aktivitäten der Tiere bei Tag: wie sie fraßen, schwammen, mit Nahrung spielten.

Höherer Energieumsatz der Eisbären auf dem Packeis

Die aufgezeichneten Daten zeigten, dass der Energieverbrauch der Eisbären 1,6-mal höher ist als bisher angenommen. Darüber hinaus verloren vier der neun Eisbären zehn Prozent und mehr ihrer Körpermasse während der acht- bis elftägigen Zeitspanne. Ein Bär verlor nicht nur seine Fettreserven, sondern sogar einen Teil seiner Muskelmasse. Bislang gingen Wissenschaftler davon aus, dass Eisbären einen geringeren Energieverbrauch haben, weil sie keine natürlichen Feinde haben und ihre Jagdmethode kaum Körpereinsatz fordert: Sie sitzen auf Eisschollen und warten, bis eine Robbe zum Atmen auftaucht.

Mit GPS und Videokamera ausgestattete Eisbären in der arktischen Beaufortsee (Video: US Geological Survey)

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Polar Bear - POV Cams (Spring 2016) | Bild: USGS (via YouTube)

Polar Bear - POV Cams (Spring 2016)

Weniger Eisschollen - weniger Nahrung für die Bären

Die Forscher errechneten, dass ein Eisbärweibchen innerhalb von zwölf Tagen eine ausgewachsene Robbe fressen muss, um den Energieverbrauch zumindest auszugleichen. Die Autoren stellten fest, dass die Eisbären im Frühjahr auf dem Meereis mehr an Masse verloren im Vergleich zu fastenden Bären im Sommer an Land, wo es kein Eis und damit keine Jagdmöglichkeiten gibt. Sollte das Meereis aufgrund der Klimaerwärmung weiter abschmelzen und es dadurch weniger Eisschollen geben, würde dies das Verhältnis zwischen dem Energieverlust und der Energiezufuhr der Tiere noch mehr ins Ungleichgewicht bringen, schreiben die Autoren in ihrer Studie vom 1. Februar 2018 in der Fachzeitschrift Science. Dann müssten die Eisbären länger wandern oder schwimmen, um feste Eisschollen zu finden, auf denen sie jagen können.

Eisbärin nimmt Kontakt mit einem möglichen Partner auf, spielt mit Nahrung und schwimmt unter Eis in der Beaufortsee (Video: US Geological Survey)

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Polar Bear - POV Cams (Spring 2014) | Bild: USGS (via YouTube)

Polar Bear - POV Cams (Spring 2014)

  • Hungernde Eisbären - Zu wenig Nahrung wegen schmelzendem Polareis: IQ - Wissenschaft und Forschung, 2.2.2018, 18.05 Uhr, Bayern 2
  • Eisbären können nicht weinen - Die Arktis im Klimawandel. Abenteuer Wildnis, 25.01.2018, 10.25 Uhr, BR Fernsehen

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