Wissen


20

Die Eibe Hier lebt der Baum des Todes

Rigoros wurde die Eibe in der Vergangenheit abgeholzt. Nur noch an wenigen Orten ist sie in nennenswerter Zahl zu finden. Einer ist der Paterzeller Eibenwald im Pfaffenwinkel.

Stand: 20.12.2016

Eiben | Bild: picture-alliance/dpa

Der Paterzeller Eibenwald liegt südwestlich von München in der Nähe des Klosters Wessobrunn. Er ist eines der ältesten Schutzgebiete Deutschlands. Bereits 1913 wurde der Wald zum "staatlichen Naturdenkmal" erklärt. Seit 1939 ist eine Fläche von etwa 22 Hektar Naturschutzgebiet. 1984 wurde das Schutzgebiet erweitert. Seither ist das geschützte Areal fast 90 Hektar groß, was ungefähr 120 Fußballfeldern entspricht.

Lebenskünstler im Schatten

Mehr als 2.000 alte Exemplare der Europäischen Eibe (taxus baccata) stehen heute dort im sogenannten Pfaffenwinkel. Sie bilden einen der größten Eibenwälder in Deutschland. Der Wald besteht allerdings nicht ausschließlich aus knorrigen Eiben, sondern auch aus Laub- und anderen Nadelbäumen.

Die Eibe hat vielfältige Überlebensstrategien entwickelt, um mit den wesentlich höheren Buchen, Fichten und Tannen konkurrieren zu können. Zum Beispiel verträgt sie mehr Schatten als alle anderen Bäume in Mitteleuropa. Auch aus einem gefällten oder abgebrochenen Stamm kann sie neu austreiben.

Perfektes Holz für Waffen

Eiben können mehr als tausend Jahre alt werden. Doch sie stehen auf der Roten Liste der gefährdeten Arten. Grund dafür ist die jahrhundertelange Übernutzung durch den Menschen. Im Spätmittelalter war das harte und gleichzeitig elastische Eibenholz für den Bogen- und Armbrustbau sehr gefragt. Besonders in England, der Heimat des Englischen Langbogens, war die Nachfrage groß. Ohne Rücksicht wurden die Eiben abgeholzt. 1568 waren in Bayern die Wälder erschöpft: Herzog Albrecht musste erklären, dass es in Bayern keine einzige Eibe mehr gebe, die man fällen könnte.

Gut für Lauten, schlecht für Pferde

Auch als Material für Musikinstrumente war die Eibe sehr beliebt. Während der Renaissance entwickelte sich Füssen im Allgäu zum Zentrum der Lautenmacherkunst. Das lag unter anderem an den Eibenwäldern am Lech, die es damals noch gab. Auch Pferdehalter dezimierten die Eiben. Sie rotteten den Baum entlang der Fuhrwege aus, denn schon 100 bis 200 Gramm der Nadeln oder Rindenstücke führen bei einem Pferd zum Tod.

Giftiges Gewächs

Die Eibe ist der einzige bei uns heimische Nadelbaum, bei dem fast alle Teile giftig sind. Nur das Fruchtfleisch der leuchtend roten Beeren ist genießbar, die Samen in den Früchten enthalten aber ebenfalls das giftige Taxin. Hasen, Rehe und Rothirsche vertragen dieses Alkaloid. Beim Menschen führt dagegen schon eine geringe Menge zu Atemlähmung und Herzversagen.

Baum der Unterwelt

Vielleicht war es der Respekt vor der Giftigkeit der Pflanze oder ihr etwas düsteres Erscheinungsbild, dass sie schon in der Antike als Baum des Todes und der Unterwelt galt. Der griechische Arzt Dioscurides warnte sogar davor, unter dem Schatten einer Eibe zu sitzen oder zu schlafen. Die Kelten verehrten den Baum als heilig und die Germanen nutzten seine Zweige, um Dämonen und bösen Zauber abzuwehren.


20