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Erich von Drygalski Gefangen im ewigen Eis

Shackleton, Amundsen, Scott – diese Namen sind untrennbar mit der Erforschung der Antarktis verbunden. Doch schon Jahre zuvor verbrachte ein deutscher Forscher einen dramatischen Winter auf dem eisigen Kontinent: Erich von Drygalski. Über ein Jahr lang war seine Expedition von den Eismassen eingeschlossen.

Stand: 12.03.2012 | Archiv

Erich von Drygalski | Bild: picture-alliance/dpa

Am Ende des 19. Jahrhunderts war in Europa das "Antarktis-Fieber" ausgebrochen. Auch die deutsche Südpolar-Kommission ließ sich anstecken und bestimmte 1898 den renommierten Geophysiker Erich von Drygalski zum Leiter der ersten deutschen Antarktis-Expedition. Mit nur 32 Mann an Bord machte sich das neu konstruierte Forschungsschiff "Gauss" am 11. Januar 1901 von Kiel aus auf den Weg.

Im Eis stecken geblieben

Erich von Drygalski

Am 21. Februar 1902 sichteten die Seeleute erstmals antarktisches Festland. Noch am selben Tag aber wurde das Schiff zwischen zwei Eisbergen eingekeilt: "Ich gestehe, dass mich bei dieser Einfahrt ein gewisses Grauen erfasste", beschreibt Drygalski selbst das Geschehen. Es gab kein Entkommen mehr. Nur wenige Tage später war die "Gauss" vollständig vom Eis eingeschlossen. Die Besatzung musste sich auf das Überwintern einrichten.

Ein Jahr in der Antarktis

Zum Glück war die Expedition hervorragend ausgerüstet, und auch das Schiff hielt den extremen Belastungen stand. Solange die Besatzung an Bord blieb, konnte ihr nichts passieren, auch wenn die "Gauss" zeitweise fast völlig von Schnee bedeckt war. Bei Erkundungsausflügen entdeckten die Forscher in rund 80 Kilometern Entfernung einen eisfreien Vulkan, den sie "Gaussberg" nannten - der erste physikalische Beweis dafür, dass sie tatsächlich antarktisches Festland erreicht hatten.

Kein Wettrennen zum Pol

Der Gauss wurde eine Briefmarke gewidmet.

Erst am 8. Februar 1903 brach das Eis soweit auf, dass sich die "Gauss" auf die Rückfahrt machen konnte und am 23. November wieder in Kiel eintraf. Obwohl seine Expedition mehr als ein Jahr unter antarktischen Extrembedingungen überlebt hatte, lehnte es Drygalski nach seiner glücklichen Rückkehr ab, sich am Wettlauf der Nationen zum Südpol zu beteiligen. "Für die Polarforschung ist es unerheblich, wer als erster am Pol steht", soll er seinen Mitarbeitern gesagt haben.

Ein vergessener Pionier

Drygalski gründete stattdessen das Geographische Institut der Universität München und veröffentlichte mehr als 20 Bände mit den wissenschaftlichen Ergebnissen seiner Reise. Heute erinnern nur noch eine Allee im Münchner Süden und ein Archiv in der Ludwig-Maximilians-Universität an seine Pionierleistungen. Den Ruhm für die Eroberung der Antarktis ernteten andere.


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