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Diagnose Depression Was Behandlung heute bewirken kann

Die Ursachen für eine Depression sind vielfältig, es scheint nicht den "einen" Auslöser für die Krankheit zu geben. Entsprechend vielfältig sind ihre Behandlungsmethoden: Medikamente, Psychotherapien oder Stimulationsverfahren.

Von: Yvonne Maier

Stand: 06.02.2018

Eine Frau in einem Treppenhaus in Hannover - Symbolbild Depressionen | Bild: Julian Stratenschulte/dpa-Bildfunk

Neigungen zu Depressionen können durch genetische Veranlagung, langanhaltenden Stress oder traumatische Erlebnisse entstehen. Viele Erkrankte klagen anfangs über Leistungsabfall, Appetitverlust und Schlafstörungen. Später empfinden einige Gleichgültigkeit oder tiefe Traurigkeit. Sie gehen nicht mehr zur Arbeit, ziehen sich aus dem sozialen Leben zurück und können sogar suizidgefährdet sein. Die Depression ist eine schwere psychische Erkrankung. Mit Medikamenten, Psychotherapien und Stimulationsverfahren ist sie aber meist gut behandelbar.

Wie sich eine Depression erkennen lässt

Eine Depression zu erkennen ist nicht so leicht, doch es gibt Symptome, die Ärzte aufhorchen lassen.

Depression ist nicht gleich Depression, so viel weiß man heute. In ihrer leichten Form klingt sie häufig ganz von allein wieder ab. Manche Menschen haben nur einmal in ihrem Leben eine Depression und dann nie wieder. Andere haben wiederkehrende Schübe. Einige zeigen dauerhaft depressive Symptome. Es gibt bislang keinen Blut- oder Gentest, mit dem man eine Depression eindeutig bestimmen kann. Ärztinnen und Ärzte müssen die Krankheitsgeschichte ihrer Patienten in Gesprächen aufnehmen und bewerten. Aufmerksam werden sie bei folgenden Symptomen, erklärt Dr. Susanne Lucae, Oberärztin am Max-Planck-Institut für Psychiatrie in München.

"Die Hauptsymptome sind die niedergedrückte Stimmung, die reduzierte Energie, die eingeschränkte Freudfähigkeit, die über mindestens zwei Wochen vorliegen müssen. Also es ist nicht mal ein schlechter Tag, sondern es muss schon über eine bestimmte Zeitdauer gehen und bestimmte Ereignisse haben nicht so einen Einfluss auf die Stimmung. Etwas, was einem sonst Freude machen würde, macht einem keine Freude mehr."

Dr. Susanne Lucae, Oberärztin am Max-Planck-Institut für Psychiatrie in München

Dazu kommen noch weitere Nebensymptome wie Schlaflosigkeit, ein negativer Blick auf die Zukunft, ein vermindertes Selbstwertgefühl oder sogar Selbstmordgedanken. All das zusammengenommen ergibt die Diagnose "Depression".

Welche Ursachen die Krankheit haben kann

Einen gewissen genetischen Faktor gibt es bei der Entstehung einer Depression auch. Bestimmte Genkombinationen können das Risiko erhöhen, dass die Krankheit tatsächlich ausbricht. Zum Beispiel, wenn schwere Lebensereignisse oder großer Stress hinzukommen.

Welche Behandlungen zeigen Erfolge bei Depression?

Psychotherapie

Dr. Samy Egli, leitender Psychologe am Max-Planck-Institut für Psychiatrie in München, und seine Kollegen untersuchen bewährte und neue psychotherapeutische Verfahren auf ihre Wirksamkeit, streng evidenzbasiert. "Das heißt, für welche Psychotherapie gibt es belastbare Daten, die belegen, dass sie nach wissenschaftlichen Kriterien wirkt. Am Ende könnte dabei herauskommen, dass man vor einer Behandlung einen Test machen kann und dann vorhersagen kann, welche Psychotherapie bei welchen Patienten am besten wirkt."

Medikamente

Der zweite wichtige Baustein in der Behandlung der Depression sind Medikamente. Antidepressiva sind die bekanntesten, sie greifen in den Hirnstoffwechsel ein und erhöhen die Anzahl bestimmter Botenstoffe, die für den Austausch von Informationen zwischen den Nervenzellen unerlässlich sind. Das Problem: Nicht jeder Patient spricht auf Antidepressiva an. Doch welches Medikament wirkt bei wem und wann? Da die Forschung bis heute nicht genau weiß, was die Ursache dieser psychischen Erkrankung ist, müssen die Ärzte viel ausprobieren. Am Max-Planck-Institut für Psychiatrie in München läuft derzeit eine Studie, die versucht, durch einen schnellen Bluttest die passende medikamentöse Therapie zu finden.

Stimulationstherapie

Die älteste Methode ist das Stimulationsverfahren, die sogenannte Elektrokrampftherapie (EKT), sagt Professor Frank Padberg, Leiter der Sektion für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie an der Ludwig-Maximilians-Universität in München. Diese wird im Rahmen einer kurzen Narkose angewandt und ist für die Patienten nicht spürbar. Durch eine starke elektrische Stimulation am Gehirn löst man einen Anfall aus. Dabei wird vor allem der Teil des Gehirns aktiviert, der hinter der Stirn liegt. Heutzutage werden die Stimulationen mit Magnetspulen erzeugt, das ist verträglicher als mit elektrischen Impulsen. Bei Patienten, die primär nicht auf ein Antidepressivum ansprechen, kann die transkranielle Magnetstimulation helfen.

Hirnschrittmacher

Ein weiterer Hoffnungsträger aus dem Bereich der Stimulationsverfahren kommt ursprünglich aus der Therapie für Parkinson und ist die sogenannte "Tiefe Hirnstimulation". Dabei werden den Patienten sogenannte Hirnschrittmacher implantiert, die regelmäßige Impulse von sich geben und so die Koordination der Muskeln verbessern. Dasselbe Verfahren könnte auch bei Depressionen helfen, doch dazu muss man die Menschen operieren.

Gleichstrom-Stimulation

Ganz neu und ziemlich unkompliziert sind Anwendungen mit Gleichstrom. Dabei werden auf den Kopf Elektroden geklebt, über die der Gleichstrom ins Gehirn geleitet wird. Das könnte man sogar zu Hause machen. An der Ludwig-Maximilians Universität läuft gerade eine Studie, die diese Behandlungsmethode testet. Frank Padberg, Leiter der Sektion für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie an der Ludwig-Maximilians-Universität in München, geht davon aus, dass er schon Ende 2019 belastbare Ergebnisse haben wird.

Anti-entzündlich wirkende Medikamente

Aus einer ganz anderen Richtung kommt eine Vorstellung, die eigentlich schon alt ist, aber lange vergessen war: Depressionen nicht als Folge von schweren Schicksalsschlägen, Genen oder einem Ungleichgewicht von Botenstoffen im Gehirn zu sehen, sondern als Folge von Entzündungen im Körper. Seit wenigen Jahren können Forscher wie der Biologe Harald Engler, Professor am Institut für Medizinische Psychologie und Verhaltensimmunbiologie an der Universitätsklinik Essen, zeigen, was im Körper möglicherweise vor sich geht. Dazu hat er im Herbst 2017 eine aufsehenerregende Studie veröffentlicht: Je stärker die depressive Stimmung eines Patienten war, desto höher war die Anzahl von speziellen Entzündungsmarkern im Rückenmark. Einige Pharmafirmen sind auf seine Ergebnisse aufmerksam geworden. Es laufen bereits erste Versuche, bei denen spezielle Medikamente gegen Rheuma, sogenannte Biologika, gegen Depression getestet werden.

Die Versorgung der Patienten ist unterschiedlich

Neue Medikamente, bessere Psychotherapien und Stimulationsverfahren - all das wird und kann in Zukunft Patienten mit Depressionen helfen. Das geht aber nur, wenn Betroffene auch unkompliziert und schnell behandelt werden können, sagt Professor Martin Härter. Der Psychiater und Psychologe ist Direktor am Zentrum für Psychosoziale Medizin der Universität Hamburg. Er ist einer der Hauptautoren der aktuellen Leitlinie für die Behandlung von Depressionen und sagt: Bei der Versorgung der Patienten gibt es deutschlandweit große Unterschiede.

"Es gibt vor allem den Unterschied zwischen Stadt und Land, in den Städten gibt es Selbsthilfegruppen, viele Therapeuten und Kliniken. Aber es gibt auch Ost-West-Unterschiede: Die Versorgung der Patienten in den weiter östlich gelegenen, ländlicheren Gebieten oder im Bayerischen Wald ist einfach schlechter."

Martin Härter, Direktor am Zentrum für Psychosoziale Medizin, Universität Hamburg

Deutsches Bündnis gegen Depression e.V.

Das Bündnis gegen Depression bietet eine umfangreiche Liste mit Therapeuten und Kliniken.
Info-Telefon Depression 0800 / 33 44 533 Mo, Di, Do: 13:00 – 17:00 Uhr und Mi, Fr: 08:30 – 12:30 Uhr

  • "Diagnose Depression: Was Behandlung heute bewirken kann" - IQ-Wissenschaft und Forschung, 08.02.2018, 18.05 Uhr, Bayern 2
  • "Die Wahrheit über ... Depressionen" - 08.02.2018, 20.15 Uhr, ARD-alpha

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