Wissen


24

50 Jahre Club of Rome Erneuter Weckruf an die Weltgemeinschaft

Seit 1968 gibt es den Club of Rome. Seine Mitglieder warnen seit 50 Jahren vor dem Kollaps der Erde und fordern Nachhaltigkeit. Ihr Appell ist in Zeiten des Klimawandels und einer rasant wachsenden Weltbevölkerung immer noch aktuell.

Stand: 17.10.2018

Ein Stiefel steht auf einem Globus. Der Club of Rome möchte nicht, dass die Erde mit Füßen getreten wird. Er setzt sich für die Zukunft des Planeten ein. Experten rufen zu Nachhaltigkeit auf. | Bild: picture-alliance/dpa/blickwinkel

1968 haben Wissenschaftler, Ökonomen, Unternehmer und Diplomaten aus aller Welt in Rom ein Netzwerk gegründet, den Club of Rome. 1972 veröffentlichten sie ihren ersten, weltweit beachteten Bericht zur Lage der Menschheit: "Die Grenzen des Wachstums" wurde 30 Millionen Mal verkauft und in 30 Sprachen übersetzt. Es ist eine Studie zur Weltwirtschaft mit einem düsteren Szenario für die Zukunft.

Bericht des Club of Rome zur Lage der Menschheit, Experten rufen zu Nachhaltigkeit auf

"Wenn die gegenwärtige Zunahme der Weltbevölkerung, der Industrialisierung, der Umweltverschmutzung, der Nahrungsmittelproduktion und der Ausbeutung von natürlichen Rohstoffen unverändert anhält, werden die absoluten Wachstumsgrenzen auf der Erde im Laufe der nächsten hundert Jahre erreicht."

US-Ökonom Dennis Meadows 1972 in 'Die Grenzen des Wachstums'

Die "Grenzen des Wachstums" aktueller denn je

Club of Rome: Autor von "Die Grenzen des Wachstums" (1972): Dennis L. Meadows, US-amerikanischer Ökonom

Zum 50-jährigen Jubiläum bekräftigen die Wissenschaftler nun ihre Forderung nach einem radikalen Wandel der Weltwirtschaft in den kommenden Jahrzehnten. Denn nur so könne Wohlstand und das Überleben des Planeten in Einklang gebracht werden. Ihre Forderung beruht auf einem aktuellen Bericht, den das Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung veröffentlichte und an dem zahlreiche Wissenschaftseinrichtungen beteiligt waren. Dabei erstellten die Forscher per Computersimulation vier Szenarien, die wirtschaftliche und soziale Daten der vergangenen vier Jahrzehnte berücksichtigten. Ziel war es, in jedem Szenario die UN-Nachhaltigkeitsziele bis zum Jahr 2030 zu Armut, Gesundheit, Energie und Umwelt im Rahmen der Ressourcen des Planeten zu erreichen.

Nur radikaler Wirtschaftswandel verspricht Erfolg

Nur ein Szenario verspreche wirklichen Erfolg für "die Ziele der Menschheit und den Planeten", erklärte Per Espen Stoknes von der Norwegian Business School, die an dem Bericht beteiligt war. Dafür seien fünf Bedingungen erforderlich: eine radikale Energiewende, eine nachhaltige Lebensmittelproduktion, neue Wachstumsmodelle für ärmere Länder, ein Abbau von Ungleichheit durch faire globale Steuersysteme sowie enorme Investitionen in Bildung, Geschlechtergleichheit, Gesundheit und Familienplanung.

Weltvermögen muss besser verteilt werden

Es sei nötig, ab 2020 in jedem Jahrzehnt den Ausstoß fossiler Brennstoffe zu halbieren. Damit 2050 schätzungsweise zehn Milliarden Menschen ernährt werden könnten, müsste zwingend zu einer nachhaltigeren Landwirtschaft übergegangen werden. Nicht zuletzt müsse sichergestellt werden, dass die reichsten zehn Prozent der Erde zusammen nicht mehr als 40 Prozent des Weltvermögens besitzen, forderte der Bericht.

All das sei "machbar", erklärten die Forscher, die Bereitschaft der Märkte und nötige Technologien seien vorhanden. Das größte Problem sei gleichwohl der Abbau der ungleichen Vermögensverteilung in der Welt.

Ziele des Club of Rome

Auch wenn der vor 50 Jahren vorhergesagte, ultimative Kollaps des Weltsystems noch nicht eingetreten ist: der Club of Rome mahnt eine Veränderung dringend an. Seine Mitglieder setzen sich nach wie vor dafür ein, sich um wichtige Zukunftsprobleme weltweit stärker zu kümmern. Aktuell konzentrieren sie sich auf drei Themenbereiche:

  • Veränderung unserer Wirtschaftssysteme
  • Entkopplung von Wohlstand und Ressourcenverbrauch
  • Sicherung der Lebensgrundlagen, Arbeitsplätze und Einkommen

Club of Rome appelliert an Kinder

Club of Rome und Nachhaltigkeit: Künstler interpretieren die Umweltzerstörung

Um diese Ziele zu erreichen, sollen vor allem Kinder und Jugendliche erfahren, was nachhaltige Entwicklung ausmacht. Dazu gehört, Ressourcen zu schonen, indem man Güter teilt, zum Beispiel beim Car-Sharing. Oder indem man effizient wirtschaftet, Müll vermeidet, Energie spart und Nullenergie-Häuser baut.

Der deutsche Club of Rome

Die Deutsche Gesellschaft Club of Rome vermittelt Kindern, dass ihr individuelles Handeln globale Auswirkungen haben kann. Ihre Bildungsarbeit steht unter dem Motto: "global denken, lokal handeln". Der deutsche Klimaforscher Mojib Latif ist seit 2017 Präsident des deutschen Club of Rome.

Mojib Latif, Präsident des deutschen Club of Rome, Experte für Nachhaltigkeit

"Wenn man sich weltweit anschaut, was passiert, dann ist das herzlich wenig, auch bei uns in Deutschland. So kann es einfach nicht weitergehen, und ich hoffe, dass alles, was wir im Moment erleben, auch ein Weckruf an die Politik ist."

Mojib Latif, Klimaforscher, 2017 in der BR-radioWelt


24