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Naschsucht Warum Chips so verführerisch sind

Die Chipstüte ist leer und schlechtes Gewissen macht sich breit. Bevor Sie sich jetzt selbst die Hölle heiß machen, sei eins gesagt: Sie können nichts für Ihre Naschsucht. Sie sind einem perfiden physiologischen Programm auf den Leim gegangen.

Stand: 23.04.2018

Frau isst Chips. | Bild: picture alliance/blickwinkel

Warum können wir die Finger nicht von Chips lassen? Das wollte auch ein Forscherteam von der Universität Erlangen-Nürnberg wissen. Zuerst machten sie Chips-Tests mit Ratten und veröffentlichten im Jahr 2015 die Studienergebnisse. Nun folgte eine weitere Studie mit Menschen.

Verlockende Mischung aus Fett und Kohlenhydraten

Anfangs nahmen die Forscher an, dass Ratten Futter umso attraktiver finden, je fetter es ist. Doch diese Hypothese stellte sich als falsch heraus. Die Tiere bevorzugten im Futter-Vergleich eindeutig ein spezifisches Verhältnis von Fett und Kohlenhydraten, sagt Andreas Hess, Pharmakologe an der Universität Erlangen-Nürnberg: 35 Prozent Fett zu 50 Prozent Kohlenhydraten. Ein Verhältnis von Nahrungsbestandteilen, das das Belohnungssystem im Gehirn der Ratten aktiviert - und in Snacks wie Chips, Erdnussflips, Schokolade und Nuss-Nougat-Creme zu finden ist.

Die Ratten waren so scharf auf Chips, dass sie ihr Futter links liegen ließen. Sie zeigten Merkmale eines suchtartigen Verhaltens, sagt Professorin Monika Pischetsrieder, Lebensmittelchemikerin an der Universität Erlangen-Nürnberg. Die Tiere fraßen in zehn Minuten 50 Prozent ihres Tagesbedarfs an Kalorien.

Übergewichtige sind mehr gefährdet

An der neuen Studie nahmen knapp 20 Testpersonen teil. Anfangs bekamen sie Kartoffelchips zu essen, drei Tage später Zucchini. Wie bei den Ratten, wurde das Gehirn jedes Probanden vor und nach dem Essen im Kernspintomographen untersucht. Erstes Ergebnis: Auch bei den menschlichen Probanden springt das Belohnungszentrum bei Chips-Konsum an. Zweites Ergebnis: "Die Belohnungsstruktur verändert sich umso stärker, je höher der BMI [Body-Mass-Index] der Testperson ist", sagt Andreas Hess. Dicke haben es also doppelt so schwer sich beim Chips-Naschen zurückzuhalten.

Chips am besten streng dosieren.

Der bedenkliche Mechanismus war in Zeiten von Nahrungsknappheit sinnvoll. Heutzutage könnte der Überlebenskniff unseres Körpers zum Problem werden. Hess empfiehlt, Chips sehr bewusst zu essen und nie eine volle Tüte mit vor den Fernseher zu nehmen, sondern nur eine kleine Schüssel. Der Kontrollverlust beim Chips-Essen und Snacken hat übrigens einen wissenschaftlichen Namen: "hedonische Hyperphagie", lustvolles übermäßiges Essen.

  • Die Chips-Formel: 28. April 2018, 19.00 Uhr, Gut zu wissen, BR Fernsehen

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