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Carl Benz Mit dem Motorwagen hinaus in die Welt

Carl Benz erntete zunächst nur Spott und Hohn für den "Motorwagen Nummer 1". Doch es dauerte nicht lange, bis sich zeigte: Sein Fahrzeug mit drei Rädern war ein Meilenstein in der Geschichte der Technik.

Stand: 31.03.2017 | Archiv

Carl Benz am Steuer eines Patent-Motorwagens im Jahr 1887 | Bild: Daimler

Ein wenig seltsam sieht der Motorwagen Nummer 1 schon aus, denn er besteht vor allem aus Fahrradteilen. Das Fahrzeug hat drei Räder, der Motor sitzt hinter dem breiten Fahrradsitz, dazu ein kleines Lenkrad und Holzreifen mit Gummibelag. Die Karosserie wiegt nur 250 Kilogramm. Drei Versionen baut Benz zwischen 1885 und 1887. Das erste Modell schenkt er 1906 dem Deutschen Museum in München, wo es heute im Verkehrszentrum auf der Theresienhöhe steht. Mit dem Modell Nummer 3 des Patent-Motorwagens unternimmt Bertha Benz ihre legendäre Fahrt nach Pforzheim und wieder zurück.

Die erste Autoreise der Welt

Zeitgenössische Darstellung von Bertha Benz ' "Tankstopp"

Am 5. August 1888 brach Bertha Benz mit ihren beiden Söhnen Eugen und Richard Benz zur ersten Überlandfahrt mit einem Automobil auf - ohne das Wissen ihres Mannes. Mit dem dreirädrigen Benz-Motorwagen ging es auf holprigen Wegen von Mannheim über hundert Kilometer weit nach Pforzheim und wieder zurück. Auf halber Strecke ging den Reisenden jedoch der Treibstoff aus. Der Stadtapotheker von Wiesloch bei Heidelberg verkaufte ihnen Benzin und wurde so zum ersten Tankwart der Geschchte.
Die Fahrt stellte unter Beweis, dass sich mit einem Automobil auch längere Strecken zurücklegen ließen. Der Erfolg der Reise zerstreute die Zweifel potenzieller Käufer und trug maßgeblich zum wirtschaftlichen Aufstieg der Firma von Carl Benz bei.

"Spinnerei" und "Humbug"

Patentschrift für den Motorwagen von 1886

Carl Benz lässt sich nicht davon beirren, dass viele Zeitgenossen sein Fahrzeug als "Spinnerei" und "unnötigen Humbug" abtun. Er beweist Durchhaltevermögen: Bis er sein erstes Automobil patentieren lassen kann, dauert es 17 Jahre. Wie Gottlieb Daimler stammt der 1844 geborene Benz aus einfachen Verhältnissen, kann jedoch Maschinenbau am Polytechnikum Karlsruhe studieren. Nach zwei Anstellungen als Schlosser und Konstrukteur macht er sich mit einer mechanischen Werkstätte selbstständig und entwickelt seine Fahrzeuge. Aber die Geschäfte laufen schlecht, nur seine Frau Bertha glaubt fest an den Erfolg seiner Arbeit.

Erfolge in München und Paris

Sicht nach vorn und hinten: Benz Dos-à-Dos im Jahr 1900

1888 findet in München die "Kraft- und Arbeitsmaschinenausstellung" statt. Dort führt Carl Benz jeden Tag zwei Stunden lang sein Automobil vor und erhält die Goldmedaille für die herausragendste Innovation. Im Jahr darauf kann er auf der Pariser Weltausstellung verschiedene Modelle präsentieren. Zugleich bringen auch französische Konstrukteure ihre ersten Fahrzeuge auf den Markt: Der Wettlauf um die Vorherrschaft im Automobilbau hat begonnen. Die Franzosen stehen den neuartigen Fahrzeugen aufgeschlossener gegenüber als die Deutschen. Zudem haben sie die besseren Straßen.

Auf dem Weg zur Serienproduktion

Fahrzeugmontage bei Benz in Mannheim um 1910

Ende der 1880er Jahre entdeckt die europäische High Society die neuartigen Fahrzeuge. Autos sind zu dieser Zeit Luxusprodukte: ein Exemplar kostet mehrere tausend Mark, das Mehrfache des Jahreslohns eines Arbeiters. Die ersten Automobilrennen werden als gesellschaftliche Großereignisse gefeiert. Bei der Wettfahrt Paris-Rouen 1894 sind die Fahrzeuge mit deutschen Motoren überlegen. Das bedeutet für Benz den Durchbruch: Bis 1893 kann er 69 Fahrzeuge verkaufen, 54 davon gehen ins Ausland, vor allem nach Frankreich. Fünf Jahre später ist Benz im Begriff, seine Werkstatt zur größten Automobilfabrik der Welt auszubauen. 2.000 Fahrzeuge hat er inzwischen verkauft, die Jahresproduktion liegt bei 750 Fahrzeugen. Doch dann taucht Konkurrenz aus dem eigenen Land auf: Gottlieb Daimler bringt im Jahr 1900 den ersten Mercedes auf den Markt. Die Kunden sind begeistert und Benz bleibt auf seinen Automobilen sitzen.

Wie der Mercedes zu seinem Namen kam

Das Auto

Der erste Mercedes

Wilhelm Maybach baut einen Rennwagen für Gottlieb Daimler, doch dieser kann ihn nicht unter seinem eigenen Namen anbieten. Daimler hat die Lizenz für seine Motoren an ausländische Firmen verkauft, inklusive der Nutzung des Markennamens "Daimler". Deshalb braucht er jetzt einen anderen Namen für das Fahrzeug.

Der Fahrer

Namesgeber Emil Jellinek

Die Idee für den Namen kommt von einem österreichischen Diplomaten: Emil Jellinek. Er verkauft in Nizza Daimler-Fahrzeuge an großbürgerliche und adelige Kunden. Um die Automobile bekannt zu machen, nimmt er auch an Rennen teil. Dabei fährt er unter einem Pseudonym: "Monsieur Mercedes".

Die Patin

Patin "Mercedes" Jellinek

"Mercedes" war der Kosename seiner Tochter Adrienne Manuela Ramona Jellinek. Der nach ihr benannte Wagen gilt als das erste moderne Auto und ist bei mehreren Rennen erfolreich. Das macht den Namen "Mercedes" schnell bekannt. Ab 1902 ist der Name ein eingetragener und geschützer Markenname.

Aus Daimler und Benz wird "Daimler-Benz"

Bertha Benz im Alter von 95 Jahren

Doch kaum ist der erste Mercedes ausgeliefert, stirbt Gottlieb Daimler, der schon länger an Herzproblemen leidet, im Alter von 66 Jahren. Der zehn Jahre jüngere Karl-Friedrich Benz zieht sich 1903 aus dem aktiven Berufsleben zurück. Mit seinen beiden Söhnen Richard und Eugen, die inzwischen auch Ingenieure sind, gründet er die Firma "Karl Benz Söhne", die weiterhin Automobile produziert. Bertha Benz überlebt alle Als die Konkurrenz bei der Produktion international immer größer wird, vereinigen die Brüder Benz im Jahr 1926 ihre Firma, die jetzt "Benz & Cie. Gasmotorenfabrik" heißt, mit der "Daimler-Motoren-Gesellschaft" zur "Daimler-Benz-AG". Drei Jahre später stirbt Carl Benz im Alter von 85 Jahren in Ladenburg bei Heidelberg. Seine Frau Bertha, die erste Autofahrerin der Welt, überlebt alle Automobilpioniere um Jahrzehnte: Sie stirbt im Jahr 1944 im Alter von 95 Jahren.

  • "Carl Benz, Gottlieb Daimler und das Automobil": am 31. März 2017 um 18 Uhr in "Meilensteine der Naturwissenschaft und Technik", ARD alpha
  • "Glanz und Elend eines Weltkonzerns - 100 Jahre BMW": am 1. Februar 2016 um 23.30, ARD

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