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Blaues Band Renaturierung von Flüssen, Bächen und Auen

Ganz Deutschland wird von Flüssen durchzogen - die großen von ihnen werden als Wasserstraßen genutzt, die kleineren zum Teil schon seit Jahren nicht mehr. Sie sollen renaturiert werden, als "Blaues Band".

Stand: 15.01.2018

Die Wertach fließt durch Augsburg (Bayern). Im Rahmen des Hochwasserschutzes wurde der Fluss im Stadtgebiet von Augsburg weitgehend renaturiert.  | Bild: picture-alliance/dpa

Idyllische Auenwälder, sprudelnde Bäche und majestätisch mäandernde Flüsse. So könnte die Wasserlandschaft in Deutschland aussehen, wenn Flüsse nicht auch wichtige Verkehrswege wären, die man seit Jahrhunderten in mehr oder weniger gerade Betten zwingt.

7.300 Kilometer lang ist das deutsche Bundeswasserstraßennetz heute, rund 2.800 Kilometer von ihnen werden schon seit Jahrzehnten nicht mehr für den Güterverkehr genutzt, es sind sogenannte "Nebenwasserstraßen". Die Bundesregierung hat im Februar 2017 beschlossen, diese Nebenwasserstraßen und Teile des sogenannten "Kernnetzes" zu renaturieren, als "Blaues Band". Zum Kernnetz gehören zum Beispiel der Rhein, die Elbe, der Main und die Donau, zum Nebennetz die Saale, die Pegnitz, die Fulda und die Isar.

Bundeswasserstraßen in Deutschland

Blaues Band verbindet ganz Deutschland

Vorbild für das Leuchtturmprojekt ist der Biotopverbund "Grünes Band", auf dem Gebiet des ehemaligen deutsch-deutschen Grenzstreifens. Damit soll auch die Wasserrahmenrichtlinie der Europäischen Union erfüllt werden, laut der bis 2027 Gewässer in der EU in einem "guten ökologischen Zustand" sein, beziehungsweise das "gute ökologische Potential" erreichen müssen.

Der Lechfall bei Füssen

Deutschland muss beim Gewässerschutz noch erheblich nachbessern, sagt das Bundesumweltamt. Nur 6,7 Prozent der Fließgewässer geht es zum Beispiel gut bis sehr gut. 70 Prozent sind erheblich verändert, 250 Stauanlagen verringern die Durchlässigkeit der Flusswege für Tiere und Pflanzen. Das Projekt "Blaues Band" ist auf rund 30 Jahre angesetzt und wird jährlich 50 Millionen Euro kosten. Ziel ist es, den Fluss, das Ufer und die Auenlandschaften wieder als ökologische Einheit zu verstehen und dementsprechend zu renaturieren.

Renaturierung hilft Geld zu sparen

Das ehrgeizige Vorhaben verlangt nach enger Zusammenarbeit von Bund, Ländern und Kommunen. Denn das meiste Land, das in Überflutungsflächen oder Auwald umgewandelt werden könnte, ist nicht im Besitz des Bundes. Vorranging sollen die Nebenwasserstraßen renaturiert werden. Im Kernnetz soll aber auch etwas passieren: Das Programm spricht dabei von "ökologischen Trittsteinen", die zwischen den großflächigen Schutzgebieten liegen. Dort können in einzelnen renaturierten Abschnitten, zum Beispiel Seitenarmen von Flüssen, Tiere und Pflanzen siedeln und sich fortpflanzen. So soll ein Ausgangspunkt geschaffen werden für den Artenaustausch zwischen den Naturschutzgebieten. Davon soll der Schiffsverkehr nicht eingeschränkt werden.

Flüsse sollen so weit wie möglich durchlässig werden für Tiere und Pflanzen. Dazu müssen auch hunderte Wehre abgebaut werden. Das spart dem Bund möglicherweise langfristig Geld, denn viele der Wehre werden nicht mehr genutzt, weil kein Güterverkehr mehr stattfindet, aber die Instandhaltungskosten sind immens. Darüber hinaus erbringen zum Beispiel Auen schon heute eine jährliche Reinigungsleistung im Wert von 500 Millionen Euro und leisten als Überflutungsflächen einen wichtigen Beitrag im Klimawandel. Gesunde Flüsse sind wichtig für Trinkwasser, Biodiversität und Tourismus.

Konzepte für Renaturierung

Donau-Auen

Einige Pilotprojekte im Kern- und im Nebennetz sind schon angelaufen, zum Beispiel an der Weser oder der Lahn. Sie sollen in das "Blaue Band" integriert werden. Zunächst werden aber rechtliche und organisatorische Voraussetzungen geschaffen und Konzepte für die einzelnen Renaturierungsabschnitte erstellt. Regelmäßig soll es auch eine Qualitätssicherung geben.


  • Blaues Band: am 04.04.2018 in nano, ARD-alpha, 17 Uhr
  • Ein Jahr Initiative "Blaues Band" - eine Bilanz am 31.01.2018 in IQ - Wissenschaft und Forschung, Bayern 2, 18:05 Uhr

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