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Bienen zum Ausleihen Leih- und Wanderbienen auf der Walz

Honigbienen aus rund 830.000 Bienenvölkern schwirren hierzulande von Blüte zu Blüte. Doch sind Bienen und Imker regional so ungleich verteilt, dass manche Landwirte Probleme mit der Bestäubung ihrer Pflanzen bekommen. Mietbienen sollen helfen.

Stand: 27.03.2018

Eine Europäische Honigbiene im Anflug auf eine Kirschblüte | Bild: picture alliance/blickwinkel/S. Sailer/A. Sailer

Was sich in den USA im großen Stil mit Tausenden von Bienenvölkern jedes Jahr wiederholt, wird auch bei uns schon vereinzelt praktiziert: Da es in manchen Gegenden an Bienen mangelt und Obstbäume sowie Felder deswegen nicht ausreichend bestäubt werden, kommen Mietbienen zum Einsatz: Die Leiharbeiter werden zu den Obstbäumen oder Feldern gebracht, kümmern sich um die Bestäubung und werden dann von ihren Imkern zum nächsten Einsatz gefahren.

Wanderbienen in den USA unersetzlich

Imker John Miller mit Bienenstock

In den USA sind Leihbienen schon lange ein etablierter Wirtschaftszweig. Auf riesigen Tiefladern werden bis zu 500 Bienenstöcke quer durch das Land gefahren. Viele Imker haben sich statt auf den Honig auf die Bestäubungsarbeit der Insekten spezialisiert. So werden während der zweiwöchigen Mandelblüte auf den Plantagen des kalifornischen Central Valley rund 1,5 Millionen Bienenstöcke mit je 50.000 Bienen benötigt – doch außerhalb der Mandelblüte finden die Bienen dort kein Futter.

Deshalb überwintern sie im milden Florida und werden von dort nach Kalifornien gefahren. Danach geht die Reise weiter, je nach Blütezeit: zum Beispiel blühen im März die Apfelbäume in Washington oder im Juni die Blaubeeren in Maine. Der Bienenbesitzer wird von den Landwirten pro eingesetztem Bienenstock bezahlt. Auch in den Niederlanden werden im Anbau mit Folientunneln oder Glasgewächshäusern Wanderbienen für die Bestäubung eingesetzt.

Honigbienen im Einsatz im Alten Land bei Hamburg

Warten auf Bienen: Apfelbäume in Blüte im Alten Land bei Hamburg

Im Alten Land vor den Toren Hamburgs, dem größten zusammenhängenden Obstanbaugebiet Europas, arbeiten Bauern und Imker seit Generationen eng zusammen. "Die Bestäubung ist wichtig für Ertrag und Qualität des Obstes“, sagt Wolfram Klein von der Obstbauversuchsanstalt in Jork. Deshalb wandern zur Blütezeit dort zahlreiche Imker mit ihren Völkern ein – zum Teil bis zu 500 Kilometer weit. Dabei handelt es sich hauptsächlich um Imker, die viele Bienen halten. "Mit acht Völkern durch die Gegend zu fahren, macht keinen Sinn", meint Klein.

Leihbienen am Bodensee

Fleißige Honigbienen

  • An einem Tag fliegt eine Biene bis zu 30 Mal aus und besucht bei einem Flug 200 bis 300 Blüten.
  • Honigbienen bleiben während eines Sammelflugs immer einer Blütenart treu.
  • Rund 80 Prozent der 2.000 bis 3.000 heimischen Nutz- und Wildpflanzen brauchen Honigbienen als Bestäuber.

Mittlerweile gibt es auch in Deutschland Imker, die sich auf das Vermieten ihrer Bienenvölker spezialisieren. Einer davon ist der Hobby-Imker Dieter Schimanski, der 2015 seine professionelle Bienenvermietung gestartet hat. Er vernetzt kleine, regionale Imkereien mit Bauern. Sein Unternehmen errechnet den individuellen Bestäubungsbedarf für den Landwirt und übernimmt den Transport der Hummeln und Bienen ins Einsatzgebiet, bisher vor allem ins Alte Land. Insgesamt stehen mittlerweile 150 seiner Miet-Völker an 70 Standorten in Deutschland. In diesem Frühjahr kommen auch Landwirte am Bodensee dazu. Insgesamt sind derzeit 326 Imker mit fast 7.000 Völkern und 84 Bauern mit 1.700 Hektar Anbaufläche bei seiner Bienenvermietung registriert.

Bienen und Hummeln stärken

Für den Präsidenten des deutschen Imkereibundes, Peter Maske, sind solche Projekte nur eine punktuelle Hilfe. Diese wären nicht nötig, wenn es flächendeckend genug Honig- und Wildbienen gäbe, sagt er. Und in diesem Bereich sieht er auch die Bauern in der Pflicht: Am Feldrand müssen mehr Blumen und Pflanzen wie Leindotter und Buchweizen blühen, damit Bienen trotz Monokulturen genug Nahrung finden. Daneben macht den Bienen auch der Einsatz von Pestiziden zu schaffen.

Zudem birgt die Wanderimkerei auch Risiken: Gerade die langen Fahrten, zum Teil auch durch unterschiedliche Klimazonen, sind für die Bienen anstrengend und können ihr Immunsystem und die Brut schwächen. Sind Bienen, die von Ort zu Ort gebracht werden mit Krankheiten infiziert, verbreiten sie diese und das kann verheerende Folgen haben.

Bestäubungsarbeit der Bienen lohnt sich

Dass wir nicht nur uns, sondern auch unserer Volkswirtschaft schaden, wenn wir die Honigbienen nicht unterstützen, das haben Agrarökonomen der Universität Hohenheim im Jahr 2017 errechnet. Ihren Berechnungen zufolge beträgt die Wertschöpfung durch die Bestäubungsarbeit schätzungsweise 1,6 Milliarden Euro pro Jahr – sie liegt damit dreizehnmal höher als die der Honig- und Bienenwachsproduktion. Ohne die Bestäubung wären die Erlöse im Anbau im Schnitt um 41 Prozent geringer.

Ohne Bienen ist der Obstanbau hierzulande undenkbar. Aktuellen Studien zufolge erhöhen Bienen aber auch die Ertragsmenge und -qualität für viele Kulturpflanzen, die nicht zwinged fremd bestäubt werden müssen, deutlich. Dazu zählt zum Beispiel der Raps. Und natürlich spielen die Bienen auch für die Wildflora eine unentbehrliche Rolle und "tragen damit zum Erhalt der Artenvielfalt bei".

  • "Rent-a-bee" - Mit Mietbienen gegen Obstnotstand": in "quer", BR Fernsehen, 12.04.2018, 20.15 Uhr
  • "Von Bienen und ihrem Nutzen: Porträt Dave Goulson": in "Notizbuch", Bayern 2, 22.03.3018, 10.05 Uhr
  • "Die wunderbare Organisation der Bienen": ARD-alpha, 13.03.2018, 9.50 Uhr
  • "Bienestaat in Gefahr: Warum brauchen wir Bienen": in alpha Lernen, Biologie, ARD-alpha, 13.03.2018, 9.50 Uhr

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