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Neonicotinoid-Alternative Neues Pestizid lässt Bienen schlechter lernen

Wissenschaftlerinnen der Universität Würzburg haben den Einfluss eines neuen Pestizids auf die Honigbiene untersucht. Hoch dosiert verändert es bei ihnen die Geschmackswahrnehmung und vermindert ihr Lernvermögen.

Stand: 27.04.2018

Pflanzenschutzmittel aus der Gruppe der Neonikotinoide sollen für das Bienensterben verantwortlich sein. Als Alternative ist deshalb ein neues Produkt der Firma Bayer AG im Gespräch. Es enthält den Wirkstoff Flupyradifuron aus der Klasse der Butenolide. Der Markenname des Pestizids lautet Sivanto. Das Mittel soll gegen verschiedene saugende Insekten wie Blattläuse oder Weiße Fliegen wirken und könnte bei einer ganzen Reihe von Obst- und Gemüse-, aber auch Kakao- und Kaffeepflanzen eingesetzt werden. In den USA ist es seit 2015 auf dem Markt, in der EU bereits zugelassen.

EU-Verbot für Neonikotinoide

Am 27. April 2018 stimmte der EU-Ausschuss für Pflanzen, Tiere, Lebens- und Futtermittel mehrheitlich für ein Freilandverbot der drei Neonikotinoide Imidacloprid, Thiamethoxam und Clothianidin. In Gewächshäusern bleibt ihr Einsatz erlaubt. Im Februar 2018 hatte die europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit EFSA Risiken für Bienen durch die Pestizidgruppe der Neonikotinoide bestätigt.

Zuckersüße Erinnerungen

An der Universität Würzburg haben nun die Zoologie-Professorin Ricarda Scheiner und ihre Doktorandin Hannah Hesselbach den Einfluss von Flupyradifuron auf das Verhalten der Honigbiene untersucht. Für ihre Studie untersuchten die beiden Forscherinnen zunächst mit einem gängigen Verfahren, wie ihre Test-Bienen Zucker wahrnahmen. Im Anschluss wurden die Tiere auf einen Duft konditioniert und ihre Erinnerung an das Gelernte am nächsten Tag getestet. Die Experimente zeigten: Flupyradifuron führt bei einer Dosis von 1,2 Mikrogramm pro Biene zu deutlich reduzierten Wahrnehmungs- und Lernleistungen.

"Unsere Daten zeigen, dass nicht tödliche Dosen von Flupyradifuron nach einmaliger Verabreichung an sammelnden Honigbienen deren Geschmackswahrnehmung sowie das Lernen und Gedächtnis negativ beeinflussen."

Ricarda Scheiner, Professorin für Neuroethologie der Arthropoden, Universität Würzburg

Bei richtiger Anwendung ungefährlich

Nach Ansicht der Wissenschaftlerinnen gibt es aber auch eine gute Nachricht: Bei bestimmungsgemäßer Anwendung des Pestizids sollten die sammelnden Honigbienen nicht mit dieser Dosis in Kontakt kommen. Es seien aber weitere Forschungen nötig, um etwa den Einfluss des Mittels auf die motorischen Fähigkeiten, den Bienentanz oder die Orientierung zu untersuchen. Auch die Auswirkungen des Mittels auf Honigbienen in Kombination mit anderen Pestiziden sei unklar, ebenso die Auswirkungen auf andere Bestäuber.


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