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Warum Bienen Pollen mögen Fleischfressende Bienenvorfahren?

Wild- und Honigbienen stammen von einem fleischfressenden Vorfahr ab, einer Wespe. Heute fressen Bienen aber nur Pollen und Nektar, sind also Vegetarier. Vielleicht ist die Ernährungsumstellung einem Zufall zu verdanken.

Stand: 28.05.2018

Schoeterich-Mauerbiene-Weibchen entfernt vor der Nestbelegung Weidenpollen aus dem Vorjahr. | Bild: picture-alliance/dpa

Wildbienen und Honigbienen lieben Pollen und Nektar. Wespen fressen auch Pollen und Nektar - und: Fleisch. Wenn im Sommer ein Stück Steak auf dem Tisch liegen bleibt, dann kann man gut beobachten, wie Wespen mit ihren starken Mundwerkzeugen ganze Brocken aus dem Fleisch heraussäbeln. Darüber hinaus erbeuten Wespen auch gerne andere Insekten und verfüttern die an ihre Larven.

Schon länger glauben Forscher, dass Bienen und Wespen einen gemeinsamen Vorfahr haben, sie sehen sich ja auch ziemlich ähnlich. Doch dieser Vorfahr war wohl eine Wespe. Ein Fleischfresser. Stellt sich die Frage: Warum sind Bienen heute trotzdem Vegetarier? Forscher vom Museum für Naturkunde Berlin und dem Leibniz-Institut für Evolutions- und Biodiversitätsforschung haben nun erstmals 195 Gene von mehr als 180 Wespen- und Bienenarten verglichen und einen neuen Stammbaum erstellt. Der könnte erklären, warum Bienen heute nur noch vegetarisch fressen.

Pollen huckepack ins Wespennest

Wespen fressen auch mal gerne ganze Fleischstücke.

Sie konnten die heutigen Bienen mit den Vorfahren heutiger Grabwespen verknüpfen und auch den letzten noch lebenden Verwandten aufspüren. Eine Grabwespen aus der Familie der Ammoplanidae, etwa zwei bis vier Millimeter groß. Sie ernährt sich von sogenannte Thrispen, Gewittertierchen. Das sind kleine schwarze Krabbelinsekten, die an schwülen Tagen oft vor Gewittern auftauchen. Eine interessante Beobachtung dabei: Diese spezielle Art Gewittertierchen ernährt sich von Pollen. Die Theorie der Forscherinnen und Forscher: Die Thrispen sind deshalb von Pollen bedeckt und so gelangen sie zufällig auch ins Wespennest und werden von den Larven gefressen.

Ein erster Schritt zur Pollenernährung der Bienen? Die Forscher zumindest halten das für plausibel. Die ersten Blütenpflanzen erschienen vor rund 100 Millionen Jahren auf der Landoberfläche, eine neue ökologische Nische, die es zu besetzen galt.

"Es ist ja auch viel gefährlicher, seine Nahrung zu jagen, als sich mit Blütenstaub einzustauben. In der Kreidezeit kamen Blütenpflanzen auf, das Angebot für die späteren Bienen war damit gegeben."

Dr. Manuela Sann, Biologin, Hauptautorin der Studie, Universität Freiburg

Auch der letzte gemeinsamen Vorfahr der Bienen und Wespen könnte auf diese Weise Pollen zu seinen Larven getragen haben. Diese Bienen-Wespe hat sich dann im Laufe der Evolution in vegetarische Bienen und fleischfressende Grabwespen aufgespalten.

Kleine Bienen im Bernstein

Biene und Pollen, eingeschlossen in Bernstein.

Ein weiterer Hinweis, dass der älteste Vorfahr der Bienen eine nur wenige Millimeter große Wespe gewesen sein könnte, lässt sich laut der Berliner Forscherinnen und Forscher auch im Fossilbefund finden. Die ältesten bekannten Bienen sind 99 Millionen Jahre alt und wurden in Bernstein gefunden. Sie sind sehr klein, ähnlich wie die Grabwespen. Um mehr über die Entwicklung der Bienen zu erfahren, wollen die Wissenschaftler nun den Stammbaum der Grabwespen genauer untersuchen.

  • "Warum Bienen Vegetarier sind": IQ - Wissenschaft und Forschung, 28.05.2018, 18:05 Uhr

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