Wissen


1

Das Bett Kulturgeschichte der Schlafstätte

Jedem Kind sein eigenes Bettchen - bis heute ist das keine Selbstverständlichkeit. Gerade Menschen auf der Flucht fehlt oft ein sicherer Rückzugsort. Auch früher war das eigene Bett ein Privileg. Die Geschichte des Bettes.

Stand: 06.08.2018

Kulturgeschichte des Betts - im Bild: das Bett Ludwig XIV. in Versailles  | Bild: picture alliance / akg-images/Jean-Claude Varga

Das Bett - ein vielseitiger Ort

Im Bett werden wir gezeugt, geboren und im Bett sterben wir in der Regel auch. Rund ein Drittel unseres Lebens verbringen wir im Bett. Das Bett ist der Ort von Träumen, Albträumen, Liebe, Schmerz und Angst. Aber manchmal auch von Visionen und Protestaktionen. So hat der französische König Ludwig der XIV. sogar aus dem Bett regiert. Und auch Ex-Beatle John Lennon und seine Frau Yoko Ono haben mit ihrem legendären "bed in" 1969 - einer siebentägigen Aktion für den Weltfrieden - im Bett Geschichte geschrieben.

Die Anfänge des Bettes

Schon vor 77.000 Jahren schliefen die Menschen nicht mehr auf dem kahlen Boden, sondern schätzten ein bequemes, wärmendes Nachtlager. Aus Ästen, Binsen und Blättern wurden weiche Unterlagen gefertigt und in Höhlen gelegt, wie archäologische Funde aus Südafrika beweisen.

Das Bett - Sicherheit und Schutz

Damals war die Entwicklung einer warmen und trockenen Schlafstätte eine überlebenswichtige Notwendigkeit. Und auch heute ist das Bett mehr als nur ein Platz zum Schlafen. Es ist, wie ein Dach über dem Kopf zu haben. Ein Bett steht für ein sicheres Zuhause.

Bis ins 19. Jahrhundert: Bett-Sharing in vielen deutschen Großstädten

Bis zum Mittelalter war ein eigenes Bett nur der Oberschicht vorbehalten. Sie legte sich dort am liebsten nackt unter Pelzdecken zur Ruhe. Und noch bis ins 19. Jahrhundert gab es in vielen deutschen Großstädten sogenannte "Schlafgänger". Das waren Menschen - meist Schichtarbeiter -, die gegen ein geringes Entgelt, die Betten der eigentlichen Wohnungsinhaber tagsüber nutzten, während diese selbst bei der Arbeit waren.

Ein Bett und was noch dazu gehört: die Geschichte der Wärmflasche

Neben dem Bett selbst gab es auch zahlreiche Hilfsmittel, die das Einschlafen, Schlafen und Träumen noch schöner und geruhsamer machen sollten: Nachttöpfe, Schlafmützen und Socken waren bis weit ins 20. Jahrhundert noch beliebte Utensilien für die Nacht. Heute kommt allenfalls noch die mit heißem Wasser gefüllte Wärmflasche mit ins Bett.

Die ersten Wärmflaschen gab es um das Jahr 1520, damals noch aus Zinn. Bis ins 19. Jahrhundert waren die sogenannten Wärmepfannen üblich. Sie wurden zum Aufheizen des Bettes mit glimmenden Kohlen befüllt. Das war durchaus eine gefährliche Angelegenheit. Viel sicherer sind hingegen die heutigen Bettflaschen aus Gummi: Sie werden häufig mit Stoff überzogen, um Verbrennungen gerade bei Kindern zu vermeiden. Außerdem sind Plüsch oder Textilien angenehmer auf der Haut. Immer beliebter werden auch die mit Kirschkernen gefüllten Kissen, die im Backofen oder der Mikrowelle erhitzt werden und dann im Bett ihre Wärme abgeben.

Wohin mit dem Bett und dem Kind? - Luxusprobleme von heute

Schlafen | Bild: colourbox.com zum Thema Schlafforschung Müde bin ich, geh zur Ruh

So sollte es sein: Müde gehen wir ins Bett, schlafen gut und träumen süß. Für viele ein Traum: Sie schlafen schlecht und fühlen sich morgens wie gerädert. Schlafen ist gar nicht so einfach, wie man glauben möchte. Woran liegt's? [mehr]

Ein eigenes Bett zu haben, ist für uns heute wohl kein Problem mehr. Das richtige Bett zu finden, schon eher. Soll es ein Doppelbett, ein Stockbett oder doch lieber ein Himmelbett oder ein Wasserbett sein? Auch mit der Matratze ist das so eine Sache: weich, mittel oder hart? Aus Federkern, Rosshaar oder Schaumstoff? All das sind aber nicht nur Lifestyle-Fragen.

Längst sind sich Orthopäden, Schlafforscher und andere Schlafexperten darüber einig, dass das richtige Bett mit allem, was dazu gehört - also: Matratze, Decke und Kissen – wichtig ist für einen gesunden Schlaf. Ein gesunder, das heißt tiefer Schlaf macht uns leistungsfähiger, weil wir danach entspannter sind. Eine gute Matratze kann nach Erkenntnissen von Schlafexperten sogar den Gebrauch von Schmerzmitteln deutlich reduzieren. Und auch der Standort des Bettes soll nicht unwesentlich für einen erholsamen Schlaf sein. Zumindest wer an die klassische Lehre des Feng Shui glaubt, hat hier zahlreiche Möglichkeiten.

Während früher ein Bett oft für die ganze Familie reichen musste, stellen sich junge Eltern heute oft die Frage: Wo schläft mein Kind? Bei den Eltern im Bett oder doch in einem eigenen Bettchen? Was das Beste fürs Kind ist, darüber streiten sich Experten noch. Sicher ist aber: Das ist eine Wohlstandsdiskussion des 21. Jahrhunderts.

Die Rückkehr der Bettwanze

Noch bis Mitte des 20. Jahrhunderts war es ganz normal, sich sein Bett mit allerlei Ungeziefer zu teilen. Mäuse, Flöhe, Bettwanzen nisteten sich oft in den Schlafgemächern ein. Lange schienen diese Zeiten überstanden.

Seit ein paar Jahren sind jedoch auf Berghütten und in großen Hotelketten auch hierzulande zumindest Bettwanzen - eingeschleppt mit dem Reisegepäck Fernreisender – wieder aufgetaucht.

Hausmittel gegen Bettwanzen - Tipps vom Experten

So werden Sie Bettwanzen wieder los: Lavendelöl oder Pfefferminzöl in eine Duftlampe träufeln. Oder ein paar Tropfen des Öls in kochendes Wasser geben. Wichtig dabei ist: Türen und Fenster geschlossen halten. Nur so kann das Hausmittel richtig wirken, verrät Thorsten Albrecht, Kunstreferent bei der evangelisch-lutherischen Kirche von Hannover und Bettexperte aus Leidenschaft.

  • Wie man sich bettet ... - Kulturgeschichte der Schlafstätte: am 22. August 2018 in "radioWissen am Nachmittag" um 18.05 Uhr, Bayern 2

1