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Fitnesstracking für Bäume TwitteringTrees reagieren auf Trockenheit

Wie kommen Bäume mit Hitze- und Trockenperioden zurecht? Dieser Frage gehen europäische Ökophysiologen nach. Mit Messfühlern und Sensoren ausgestattet, übertragen Bäume ihre Vitalwerte per WLAN direkt ins Internet.

Stand: 06.11.2017

Der deutsche Wald geht online. Ökophysiologen und Pflanzenökologen haben eine Möglichkeit gefunden, wie Bäume im digitalen Zeitalter mit den Forschern "sprechen" können: sie twittern. Gemäß dem Motto, wie man in den Wald hineinruft, so schallt es heraus, soll das europäische Projekt "TwitteringTrees" herausfinden, ob und wie Bäume in Zeiten des Klimawandels sich an die verändernden Lebensbedingungen anpassen können.

Zwitschernde Bäume im Klimawandel

Der erste Baum Deutschlands, der über seinen Gesundheitszustand Bericht erstattet, ist eine Kiefer in der brandenburgischen Schorfheide. Der Nadelbaum schickt seine Vitaldaten via Computer und WLAN-Verbindung ans Thünen-Institut für Waldökosysteme in Eberswalde.

"Es funktioniert wie eine Art Fitnesstracker beim Menschen, nur dass unser System pro Baum 10.000 Euro kostet."

Institutsleiter Andreas Bolte, Thünen-Institut für Waldökosysteme

Europaweit sind bislang sechs Bäume in Belgien und einer in den Niederlanden mit dem System ausgestattet. Wissenschaftler erforschen die Folgen des zunehmenden Trocken-Stress für den Wald. Im Kern geht es darum, Veränderungen im Wasserhaushalt von Bäumen zu erkennen. Getwittert würden Tweets über Verdunstung und Wasserfluss bei starker Trockenheit. Diese könnten mit "Hilfe, ich habe Durst" übersetzt werden, so Bolte.

Der vernetzte Wald 2.0

Eichen reagieren weniger sensibel auf Trockenheit.

Vier Jahre lang haben die Experten innerhalb des europäischen Forschernetzwerks "Streess" Daten zusammengetragen. Die Wissenschaftler wollen verstehen, warum einzelne Baumarten unterschiedlich sensibel auf Hitze und Trockenheit reagieren. Fichten beispielsweise tun sich in Trockenzeiten schwerer, Eichen wiederum sind bei Wassermangel resistenter. Wie die Kommunikation der Bäume mittels Twitter funktioniert, wurde auf einer Tagung in Joachimsthal 70 Kilometer nordöstlich von Berlin Mitte April 2016 an einer "Test-Birke" vorgeführt. Anschließend hat Andreas Bolte die Vorführ-Anlage mit nach Eberswalde mitgenommen und der Kiefer in der Schorfheide angelegt.

Anhand der "TwitteringTrees" wird so für jeden Interessierten nachvollziehbar, wie es den Bäumen in Stresszeiten geht. Und über die twitternden Bäume könnte ein europaweites Frühwarnsystem installiert werden, das erhoffen sich jedenfalls die Forscher.


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