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Artenvielfalt am Wasser Auwälder als Lebensraum bedrohter Tiere und Pflanzen

An Seen, Bächen und Flüssen dienen Auwälder dem natürlichen Hochwasserschutz. Und ein Auwald bietet einer großen Vielzahl von Tieren und Pflanzen Lebensraum. Wer also einen Zilpzalp oder Pirol hören will, der sollte in den Auwald gehen.

Stand: 15.05.2018

Ausgehend vom Gewässerufer werden Auen in unterschiedliche Zonen unterteilt: zunächst direkt am und im Wasser die gehölzfreie Au mit Kies- und Schotterbett, Kriechrasen und Flussröhricht. Es schließen die Weichholzaue mit Weidengebüsch, Weidenwald und Laubwald und die Hartholzaue an, auf die häufig Laub- und Mischwald folgen. Die Auen-Zonen verändern sich aufgrund der mäandernden Flüsse, der hohen und niedrigen Wasserstände ständig, sie dehnen sich aus oder schrumpfen. Totholz und vom Fluss angeschwemmtes Material wie Steine oder Samen hinterlassen ihre Spuren und verändert die Aulandschaft und den Auwald.

Auwälder regulieren extreme Wasserstände

Auen und Auwälder – wie auch Moorlandschaften – dienen dem natürlichen Hochwasserschutz, indem sie extreme Wasserstände regulieren. Tritt ein Gewässer wegen starker Niederschläge oder Schneeschmelze über die Ufer, nimmt eine Auenlandschaft das überschüssige Nass auf und die Auwälder bremsen die Geschwindigkeit des abfließenden Wassers. Zudem helfen sie, das Grundwasser rein zu halten.

Auwald als Lebensraum vieler Tiere und Pflanzen

Der ständige Wechsel von trockenen, feuchten und nassen Gebieten bietet zahlreiche unterschiedliche Lebensräume für häufige, aber vor allem auch für mittlerweile als bedroht eingestufte Pflanzen- und Tierarten. In Weichholzauen wächst zum Beispiel das häufig vorkommende "Rühr mich nicht an" – auch Echtes Springkraut genannt. Biber und Fischotter finden dort geeignete Lebensbediungen und in Hartholzauen blühen Märzenbecher und der Gefleckte Aaronstab und Pirole sind zu hören.

Auwald an der Isar

Bewohner der Auenlandschaft: Zilpzalp oder Weidenlaubsänger

Ein Beispiel für einen neu heranwachsenden Auwald findet sich auf einem Gebiet an der Isar zwischen Freising und Moosburg. Dieser Auwald ist in den vergangenen zehn Jahren neu entstanden, da ein Deich mehrere hundert Meter zurückverlegt wurde. Mittlerweile hat die Isar die Fläche zurückerobert. Seither keimen dort Silber- und Purpurweiden, wie Biologin Christine Margraf vom Bund Naturschutz und Expertin für Flüsse und Auen erklärt. Mönchsgrasmücken schwirren herum, Schwirle, kleine Singvögel aus der Familie der Grassänger, haben sich wieder angesiedelt, genau wie der Laubsänger Zilpzalp, Gänse und Kormorane überfliegen das Gebiet.

Und auch für Bienen scheint der Isar-Auwald geeignet: In den Bereichen, in denen die Weiden schon ein paar Jahre älter sind und bereits blühen, gibt es viele Wildbienenarten, die gerade in Frühjahr blühende Weiden brauchen.

"Wir haben festgestellt, dass wir 25 Prozent der etwa 500 in Bayern lebenden Wildbienenarten in diesen Renaturierungsstrecken mit diesen frischen Weiden haben."

Christine Markgraf, Biologin beim Bund Naturschutz, Expertin für Flüsse und Auen

Auenlandschaft - ständig im Fluss

In dem Gebiet gibt es Bestände an alten Weiden, die allmählich zusammenbrechen. Als Totholz im Fluss verändern sie die Struktur der Aue erneut. Neben den älteren Weiden wächst schon der junger Auwald heran, der die nächste Generation bildet: mit sechs bis sieben verschiedenen Weidenarten, dazu kommen isartypische Pappelarten wie Weißpappeln und auch Grauerlen.

Zudem schwemmt der Fluss auch Samen an, die es bisher in dem Gebiet noch gar nicht gab. So wachsen dort nun auch seltene Weidenarten wie die Lavendelweide, die eigentlich typisch für die Oberläufe der Isar ist, wo es viel Kies gibt. Auch von zwei Spinnenarten ist aus Untersuchungen aus den 80er-Jahren bekannt, dass diese definitiv nicht in diesem Gebiet heimisch waren. 2015 wurden die beiden Arten dann in diesem Gebiet entdeckt. Die Biologin vermutet, dass sie mit dem Hochwasser abgedriftet wurden, so an diesem Standort ankamen und seither in dem neuen Auwald leben.

Definition Au und Auentypen

Auwald: Altwasser an der Isar bei Deggendorf

Als Au definiert das Bayerische Landesamt für Umwelt (LfU) ein Gebiet, das geprägt ist von den natürlichen Schwankungen von Fließgewässern mit Überschwemmungen und Trockenzeiten sowie dem wechselnden Grundasserstand. Bei der Unterscheidung der Auen folgt das LfU einer Unterteilung des Bayerischen Landesamtes für Wasserwirtschaft aus dem Jahr 2002: Diese unterscheidet je nach Art, Zusammensetzung und Entstehung ihrer Sedimente zwischen vier verschiedenen Auentypen: den Grobmaterial-, den Sand-, den Feinmaterial- und den Moor-Auen.

  • "Waldspaziergang: Auwälder – Vielfalt und Hochwasserschutz": in "IQ - Wissenschaft und Forschung", Bayern 2, 20.06.2018, 18.05 Uhr
  • "Aus dem Mündungsdelta – Isaramazonas": in "Zeit für Bayern", Bayern 2, 16.07.2017, 12.05 Uhr
  • "Der Auwald - Lebensraum am Fluss": in "radioWissen", Bayern 2, am 28.05.2015, um 9.05 Uhr und am 18.06.2015, um 15.05 Uhr

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