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Astrologie Die Tricks der Sterndeuter

Erstaunlich, wie viel Richtiges ein Astrologe aus einem Horoskop herauslesen kann: Derzeitige Lebensumstände, besondere Fähigkeiten, sogar heimliche Gedanken. Übersinnlich? Eher äußerst geschickt ...

Stand: 16.11.2017

Astrologie: Die Tricks der Sterndeuter. Im Bild: Illustration einer Kugel umfasst von zwei Händen | Bild: BR

Astrologen verlassen sich bei ihrer Deutung nicht nur auf die detaillierte Zeichnung: Erfahrung, Feingefühl und der Träger des Horoskops selbst helfen ihnen dabei. Verschiedene Methoden sorgen dafür, dass der am Ende tatsächlich viel Zutreffendes über sich zu hören bekommt.

Sind wir nicht alle ein bisschen ...?

Ordnungsliebend - typisch für eine Jungfrau oder doch auch für Sie?

Phineas Tayler Barnum, ein amerikanischer Zirkusdirektor, rühmte sich einst damit, sein Programm sei so abwechslungsreich, dass für jeden etwas dabei sei. Das machen sich auch Astrologen zunutze: Sie treffen Aussagen, die irgendwie zu jedem Menschen passen. Wer ist nicht selbstständig, flexibel und offen, manchmal aber auch verschlossen? Wer versucht nicht, sich nach einem Tiefschlag schnell wieder aufzurappeln? Und bestimmt werden auch Sie manchmal missverstanden. Stimmt genau? Genau! Tests zeigen, dass Allgemeinplätze nicht als solche entlarvt, sondern als zutreffend gewertet werden. Diese Tatsache wird als Barnum-Effekt bezeichnet.

Zeig mir, wer du bist und ich sag dir, wie du bist

"Sie sind eher introvertiert und schüchtern, Werte sind Ihnen wichtig."

Natürlich versuchen Astrologen auch, mit genaueren Aussagen zu punkten. Dafür haben sie eine wichtige Informationsquelle: den Kunden selbst. Scharfsinnige Astrologen machen sich durch Studien und Umfragen schlau und beobachten den anwesenden Kunden genau: Wie ist er gebaut, was hat er an, wie verhält er sich, wie spricht er, was lässt sich aus seiner Brille schließen? Jetzt muss nur noch sein Vertrauen geweckt werden, damit er etwas von seinem Leben preisgibt. Kombiniere, kombiniere - und der Kunde hört, was er hören will.

Und bist du nicht willig ...

Unser Gehirn arbeitet in erster Linie ökonomisch.

Dass wir das Passende hören, daran ist aber auch unser Gehirn nicht unschuldig: Neue Informationen speichert es - ganz ökonomisch - zunächst als "wahr" ab, umettiketiert werden sie erst bei Bedarf. Und weil ja auch nicht wichtig ist, wie man nicht ist, wird Unzutreffendes von vornherein einfach überhört oder überlesen - und bestimmt nicht dauerhaft abgespeichert. Unser Oberstübchen lässt sich außerdem beeinflussen: Durch mehrmaliges Wiederholen werden falsche Tatsachen zwar auch nicht richtiger, aber könnte dann vielleicht nicht doch etwas dran sein?

Ich glaube, also bin ich ... was ich sein soll

Wer an Horoskope glaubt, können Vorhersagen verunsichern. Im Bild: Mann haut sich mit Hammer auf den Daumen | Bild: Image Source

"In den nächsten Tagen sollten Sie besonders vorsichtig sein."

Fast jeder kennt sein Sternzeichen und dessen typische Eigenschaften. Viele verhalten sich dann tatsächlich dementsprechend - oder glauben zumindest, sie wären so. Natürlich erkennen sie sich dann auch in den astrologischen Beschreibungen wieder. Und wenn man tatsächlich fest an die Voraussagen glaubt, kann auch noch etwas ganz anderes passieren: Ein "um die Monatsmitte kann Unheil drohen", kann den Horoskop-Träger so verunsichern, dass er dem Vordermann in einem unkonzentrierten Moment tatsächlich an die Stoßstange rumst. Und siehe da - der Astrologe hat es ja schon vorher gewusst.

  • "Warum betreiben wir Astronomie": am 22. Oktober 2017 am 14.45 Uhr in "alpha-centauri", ARD-alpha

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