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Astrologie Von der Beobachtung zur Deutung

Die Sterne funkeln über uns am dunklen Firmament. Viele der Muster, die sie bilden, kann man mit bloßem Auge erkennen. Irgendwann fingen die Menschen an, sie zu deuten.

Stand: 13.12.2018

Illustration: Stilisierte Sternbilder | Bild: BR

Die dunklen, funkelnden Weiten des Weltalls faszinieren die Menschen seit Jahrtausenden. Schon die Alten Ägypter haben sich mit den Bewegungen am Himmelszelt beschäftigt, sie aber noch nicht gedeutet. Als Erfinder der Astrologie gelten die Babylonier: Sie zählten zu den fünf mit bloßem Auge sichtbaren Planeten Merkur, Venus, Mars, Jupiter und Saturn auch die Sonne und den Mond. In ihren Bewegungen sahen sie göttliche Zeichen und richteten politische Entscheidungen danach.

Griechen betrachten Einzelschicksale

Erstes Horoskop

Die Tierkreiszeichen hatten die Babylonier bereits im 7. Jahrhundert vor Christus festgelegt. Das älteste, bisher bekannte Horoskop wurde für "den Sohn von Shuma-usur" am 29. April 410 vor Christus in Stein gemeißelt. Es besteht jedoch nur aus den Positionen der Gestirne, gedeutet wurden sie noch nicht.

Die Astrologie, die wir heute kennen, entstand um etwa 500 vor Christus. Unter dem Einfluss der Griechen erweiterten die Babylonier ihre Sterndeutungskunst und begannen, das Schicksal Einzelner herauszulesen. Die Griechen verfeinerten die Astrologie weiter. Für sie war das Leben von den Göttern vorbestimmt. Doch es gab auch Kritiker: Bereits im zweiten Jahrhundert vor Christus fragte der Philosoph Karneades, warum Tausende in derselben Schlacht sterben, wenn sie doch nicht dasselbe Horoskop besitzen.

Römische Kaiser befragen die Sterne

Sternzeichen-Münzen

Kaiser Augustus war großer Astrologie-Fan. Das Abbild seines Sternzeichens, einen Steinbock, ließ er sogar auf Münzen und Schmuckstücke prägen.

Im zweiten Jahrhundert vor Christus unterwarfen die Römer die Griechen und übernahmen deren astrologische Theorien. Einige römische Astrologen brachten es zu hohem Ansehen, weil sogar die Kaiser ihre politischen Aktionen mithilfe der Sterne planten. Aus dem ersten Jahrhundert nach Christus stammt die älteste astrologische Abhandlung: das "Astronomicon" von Marcus Manilius. Im Jahr 140 nach Christus folgte der "Tetrabiblos" von Claudius Ptolemäus. Das darin enthaltene technische Grundwissen ist noch heute gültig.

Nebeneinander in Christentum und Mittelalter

Deutsches Horoskop

Das älteste deutsche Horoskop gehörte Kaiser Barbarossa: Er ließ es im Jahr 1164 für seinen Sohn erstellen.

Einen solchen Einfluss wie im Alten Rom konnte die Astrologie im Christentum nicht erreichen. In der Bibel heißt es zwar, dass Gott die Himmelskörper erschaffen hat - nicht jedoch, dass sich deren Stellung auf irgendetwas auswirkt. Viele Kirchenlehrer predigten, dass ein vorbestimmtes Schicksal einem freien Willen widerspräche. Sterndeutung wurde im Mittelalter jedoch weiterhin praktiziert - zwar manchmal bestraft, aber weitestgehend geduldet. Im ausgehenden Mittelalter spaltete sich schließlich die Astronomie, die sich noch heute der Entstehung, den Eigenschaften und der Beobachtung des Universums widmet, ab.

Eigentliche Blüte in der Renaissance

In der Renaissance wurde das Gedankengut der Antike wiederbelebt, die Astrologie erhielt neuen Aufschwung. Doch die großen Fortschritte in der Astronomie und in den Naturwissenschaften wiesen die Sterndeutung im 17. und 18. Jahrhundert, im Zeitalter der Aufklärung, in ihre Schranken: Mit dem neu erfundenen Teleskop ließen sich die Planeten beobachten. Nikolaus Kopernikus, Galileo Galilei und Johannes Kepler begründeten ein völlig neues Weltbild. Isaac Newton erklärte die Bewegung der Planeten schließlich durch die Schwerkraft. Dass die Sterne das menschliche Leben beeinflussen, darauf ließen diese Entdeckungen nicht schließen. Als Wissenschaft wurde die Sterndeutung nicht mehr anerkannt.

Tod und Auferstehung der Astrologie

Ein kleiner Komet am Nachthimmel - mit großer Bedeutung?

Im 19. Jahrhundert wurde die Astrologie dann auch fast gar nicht mehr betrieben. Erst die Industrielle Revolution mit ihren oft menschenunwürdigen Lebensbedingungen stärkte die Sehnsucht nach Übersinnlichem erneut. Über die USA und England kam die Astrologie wieder nach Deutschland zurück, blieb jedoch im Bereich des Mystischen angesiedelt.

Sterntaler regnet es noch immer

Zeitungshoroskop

Erstmals ist ein Horoskop am 24. August 1930 in einer Zeitung erschienen: Der britische Astrologe und Journalist Richard Harald Naylor (1889 -1952) veröffentlichte es für die neugeborene Prinzessin Margaret im Londoner Sunday Express. Bald bekam er eine wöchentliche Kolumne, in der er Vorhersagen für jedes Sternzeichen machte. Naylor gilt seither als Erfinder des Zeitungshoroskops.

Weil heute jeder täglich hunderte von Entscheidungen treffen muss und es immer schwieriger wird, sich zu orientieren, wird gerne wieder nach den Sternen geschielt: Rund 97 Prozent der Deutschen kennen ihr Sternzeichen, mehr als jeder Dritte liest sein Horoskop regelmäßig. Rund 150 Millionen Euro sollen Astrologen in Deutschland jährlich umsetzen. In manchen Schätzungen ist gar von einer Viertel Milliarde Euro die Rede, die für Beratungen, Literatur, Seminare und andere astrologische Angebote ausgegeben werden. Was erhält man im Gegenzug?


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