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Astrologie Die Zirkelarbeit der Sterndeuter

Weil sie aus zahlreichen komplexen Methoden besteht, ist die Astrologie eine Kunst für sich. Über die man sich nicht einig ist. Das methodische Vorgehen kann sich von Astrologe zu Astrologe wandeln. Es gibt aber einige feste Regeln, denen alle folgen.

Stand: 16.11.2017

Astrologie und ihre Methoden - über die Kunst des Sterndeutens sind sich nicht alle einig. Im Bild: Illustration eines Horoskops | Bild: BR

Astrologen beziehen sich darauf, dass sich die Planeten bewegen und um die Sonne kreisen, die Sterne dagegen an ihrem angestammten Platz am Himmelszelt verharren. Diese sogenannten Fixsterne werden in ganz bestimmte Gruppen, die Sternbilder, eingeteilt. Von unserem Blickwinkel aus steht die Sonne stets in einem von ihnen.

Von Sternbildern zu Tierkreiszeichen

Weil das Sternbild, in dem die Sonne gerade steht, auf die jeweilige Jahreszeit schließen lässt, hatten schon die Babylonier das Jahr dementsprechend in zwölf gleich lange Zeitabschnitte aufgeteilt: in die Tierkreiszeichen Widder, Stier, Zwillinge, Krebs, Löwe, Jungfrau, Waage, Skorpion, Schütze, Steinbock, Wassermann und Fische.

Illustration eines Tierkreises

Wie das Jahr, so der Tag

Aszendent

Der Begriff kommt aus dem Lateinischen. In welchem Tierkreiszeichen "der Aufsteigende" gerade steht, hängt von der Uhrzeit und dem Aufenthaltsort auf der Erde ab.

Ähnlich wird auch ein Tag unterteilt: Von der Erde aus gesehen erscheint zwölf Mal täglich ein neues Tierkreiszeichen am Horizont. Der Punkt am Horizont, an dem das neue Tierkreiszeichen aufgeht, wird als "Aszendent" bezeichnet.

Momentaufnahme als Grundlage

Ein Horoskop ist zunächst nichts anderes als eine Momentaufnahme des Sonnensystems aus Sicht der Erde - und gerade deshalb eine ziemliche Friemelei: Die "Stundenschau" bezieht sich immer auf einen bestimmten Zeitpunkt, einen bestimmten Ort und die dazugehörige Stellung der Planeten. Wie die Gestirne bei der Geburt eines Mannes am 9. Mai 1950 um 4.35 Uhr in Regensburg standen, können Astrologen in bestimmten Tabellen, den sogenannten Ephemeriden, nachschlagen.

Sonnenstand im Tierkreis

Vordruck wird zum filigranen Kunstwerk

Lässt ein Astrologe ein Geburtshoroskop nicht automatisch binnen Sekunden von einem Computerprogramm erstellen, wird er zu einem Vordruck greifen. Auf diesem sind die zwölf Tierkreiszeichen bereits wie Zahlen auf einem Zifferblatt angeordnet. Der Sterndeuter schlägt die wichtigen Punkte in den Tabellen nach, zeichnet auf das Grad genau den Aszendenten in den Tierkreis ein und verbindet ihn mit dem gegenüberliegenden Punkt, dem Deszendenten. Als nächstes markiert er das Medium Coeli, die "Himmelsmitte", die den höchsten Punkt im Horoskop darstellt. Das Imum Coeli, die "Himmelstiefe", liegt diesem gegenüber.

Sonne, Mond und andere Planeten

Außerdem trägt der Astrologe die damalige Stellung von Sonne, Mond, Merkur, Venus, Mars, Jupiter, Saturn, Uranus, Neptun und Pluto ein. Sie alle werden in der Astrologie als Planeten bezeichnet, für jeden gibt es ein anderes Symbol. Den Sterndeuter interessiert, wie diese zehn Himmelskörper zueinander stehen. Befinden sie sich in einer bestimmten Distanz zueinander, bilden sie einen sogenannten Aspekt, der wiederum eine ganz bestimmte Bedeutung hat.

Beispiel eines Geburtshoroskops

Hunderte Variablen ergeben ein Horoskop

Astrologen

Der Beruf des Astrologen ist gesetzlich nicht näher definiert und unterliegt keiner staatlichen Aufsicht - theoretisch kann sich jeder als Astrologe bezeichnen. Das Recht, diesen Beruf auszuüben, ist durch das Grundrecht der Berufsfreiheit geschützt.
Die Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften (GWUP) beobachtet die Tätigkeiten zwar seit Jahren, verfügt aber auch nicht über genaue Zahlen: "Oft wird von 6.000 Astrologen in Deutschland gesprochen", sagt GWUP-Mathematiker Michael Kunkel. In der gesamten Branche könnten aber bis zu 40.000 Menschen tätig sein.

Nun wird der Tierkreis noch in zwölf sogenannte Häuser eingeteilt. Hier gibt es mindestens zwanzig Varianten. Eine der einfachsten: Der Tierkreis wird einfach in zwölf gleich große Teile aufgespalten. Das erste Haus schließt dann unten an den Aszendenten an, durchnummeriert wird entgegen dem Uhrzeigersinn. Allein das Erstellen eines Horoskops kann schon länger als eine Stunde dauern - und danach geht es erst recht ans Eingemachte: Aus den Einzelbedeutungen hunderter Variablen muss nun eine Gesamtdeutung aufgebaut werden.

"Der Esoterik-Test - Wissenschaft oder Humbug": am 24. Februar 2014 um 22 Uhr in "Faszination Wissen", BR Fernsehen


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