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Astrologie Mit Zahlen gegen Behauptungen

"Astrologie funktioniert einfach", sagen Sterndeuter gern. Empiriker wollen das genauer wissen. Mehrfach wurden die Wesensmerkmale tausender Menschen mit denen verglichen, die ihnen die Astrologie zuschreibt. Und?

Stand: 16.11.2017

Was ist dran an der Sterndeutung? Statistiken belegen etwas anderes als von Astrologen behauptet wird. Im Bild: Illustration: Statistische Auswertung | Bild: BR

Ob sich Menschen eines bestimmten Sternzeichens tatsächlich so verhalten, wie es ihnen die Astrologie zuschreibt - ob Jungfrauen zum Beispiel tatsächlich häufig Buchhalter werden - das lässt sich leicht anhand von Statistiken prüfen. Bislang gibt es hierzu mehr als sechzig Studien. Die bekannteste stammt von Gunter Sachs, dem Ururenkel des Opel-Gründers Adam Opel: 1994 überprüfte der im Jahr 2011 verstorbene Sachs mit einem Team von Mathematikern und Statistikern 20 Millionen Daten - und deckte eindeutige Abhängigkeiten zwischen Sternzeichen und Verhalten auf.

Sachs konzentrierte sich auf Zahlen, nicht auf Logik

Gunter Sachs (hier mit Brigitte Bardot) beschäftigte sich auch mit Astrologie.

Allerdings beging er dabei die gleichen Fehler wie seine Vorgänger: Entdeckte Auffälligkeiten fielen entweder sehr gering aus oder entsprachen der Zufallstrefferquote. Und tatsächliche Häufungen ließen sich auch anders erklären: In der Landwirtschaft seien die im Winter gezeugten Sternzeichen überrepräsentiert, fand Sachs zum Beispiel heraus. Da hätte er sich das Zeugungsverhalten dieser Berufsgruppe mal genauer anschauen sollen ... Betrachtet man seine Untersuchung kritisch, bleibt von seinem Fazit, dass Astrologie auf messbaren Grundlagen beruhe, nicht viel übrig. Auch die anderen Vergleiche mit Statistiken konnten diesen Beweis bislang nicht erbringen.

Und wieder ging die Welt nicht unter ...

Die Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften (GWUP) wertet jedes Jahr globale astrologische Vorhersagen aus. Das Ergebnis ihres Prognosenchecks fällt jedes Jahr ähnlich aus: "Die Treffer sind - wie so oft - eher banaler Art."

Befragungen brachten keine Belege

Zwillinge gelten als extrovertiert. Bewiesen ist das bis heute nicht.

Ob an der Astrologie was dran ist, das könnten auch Befragungen zeigen. Der Psychologe Hans Eysenck (1916 - 1997) untersuchte 1977 zum Beispiel, ob die Tierkreiszeichen Widder, Zwillinge, Löwe, Waage, Schütze und Wassermann tatsächlich extrovertiert sind. Eindeutig, meinte Eysenck. Das bestätigte auch eine Kontrolluntersuchung - allerdings nur bei den Versuchspersonen, die ihr Sternzeichen kannten und sich dementsprechend einstuften. Daraufhin erweiterte Eysenck selbst seinen Fragenkatalog - und konnte nichts Auffälliges mehr entdecken. Auch alle anderen Befragungen, die einen Zusammenhang zwischen Horoskop und Persönlichkeit aufdecken sollten, fielen bislang negativ aus.

Es gehört zu mir ...

Erkennen Astrologen dann wenigstens selbst einen Zusammenhang zwischen Horoskop und Persönlichkeit? Überprüfen lässt sich dies mit Zuordnungstests: Astrologen müssen entweder einer Person das richtige Horoskop aus mehreren verfügbaren zuordnen oder zu einem vorgegebenen Horoskop die richtige Person finden. Geburtsdaten sind dabei nicht angegeben, auch der direkte Kontakt ist untersagt. Alle Zuordnungstests ergaben bisher Trefferquoten, die sich durch Zufall erklären lassen - und nahezu jeder Sterndeuter wählte etwas anderes aus.

Statistische Beweise blieben bislang aus

"Also, wenn ich jetzt ganz anders wäre, dann könnte das schon hinkommen."

So gilt noch immer das Fazit, das der französische Psychologe und Empiriker Michel Gauquelin (1928 - 1991) gezogen hat: "Kein Gesetz der klassischen Astrologie wurde statistisch von Astrologen oder Wissenschaftlern bewiesen." Bislang ließen sich für alle erzielten positiven Ergebnisse alternative Erklärungen finden: Von anderen Wissenschaftlern und mit anderem Datenmaterial konnten sie nicht wiederholt werden, sie traten nach den Regeln der Wahrscheinlichkeitsrechnung auf oder hatten demographische Ursachen. Was bedeutet das nun für die Astrologie?

  • "Woher kommt unser Wissen übers All": am 11. Mai 2017 um 2.45 Uhr in "alpha-centauri" , ARD alpha
  • "Der Gentleman-Playboy - Gunter Sachs": am 21. Januar 2014 um 22.45 Uhr, BR Fernsehen

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