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Astrologie Auf der Suche nach Beweisen

Wie Astrologen Horoskope erstellen, ist beeindruckend. Deshalb hinterfragen nur wenige, wie die Position von einigen Himmelskörpern die Persönlichkeit eines Menschen überhaupt beeinflussen kann. Ist das tatsächlich möglich?

Stand: 16.11.2017

Astrologie und Beweise: Im Bild: Illustration von Planeten und Himmelskörpern | Bild: BR

Erste Ungereimtheiten ergeben sich bereits beim logischen Nachdenken: In der Astrologie ist vor allem der Zeitpunkt entscheidend, in dem ein Mensch das Licht der Welt erblickt. Dann könnte ein vorzeitiger Kaiserschnitt das Leben eines Menschen komplett umkrempeln, während viel gewichtigere Faktoren wie das Genmaterial der Eltern und die spätere soziale Prägung unbeachtet bleiben.

Schwindende Anziehungskräfte

Dank Kaiserschnitt jetzt Widder - und ein anderer Mensch?

Von Himmelskörpern gehen tatsächlich bestimmte Anziehungskräfte aus - auf der Erde sind sie sogar so stark, dass wir auf ihr haften bleiben. Die astrologisch relevanten Planeten sind jedoch hunderttausende Kilometer weit von uns entfernt. Wie sollte die Kraft, die dann gegebenenfalls noch bei uns ankommt, auf unser Schicksal wirken?

Oberflächliche Ableitungen

Der rote Planet: Dank seiner Farbe steht Mars für Krieg und Kraft.

Noch dubioser ist, dass die Bedeutungen der Himmelskörper nur von oberflächlichen Beobachtungen und Assoziationen herrühren: Der Mars leuchtet rot - und steht deshalb für Kampf und Kraft. Tatsächliche Größen wie die Oberflächentemperatur werden vernachlässigt. Auch die Winkel, in denen die Planeten zueinander stehen, und erst recht deren Bedeutung, existieren nur auf dem Papier.

Astro-logische Erklärungen

Einig sind sich die Astrologen auch nicht, wie sie die zuletzt entdeckten Planeten behandeln sollen: Uranus, Neptun und Pluto wurden im Nachhinein einfach in die vorhandenen Modelle integriert - obwohl sie die Horoskope ja eigentlich schon immer beeinflusst haben müssten. Eine astro-logische Erklärung: Sie sind so weit weg, dass ihr Einfluss verschwindend gering ist - die Astrologie ist deshalb vorher nicht falsch gewesen, jetzt aber doch richtiger. Andere Sterndeuter sprechen den Planeten Funktionen zu, die im Altertum eben noch nicht bekannt waren, "Mutation" etwa. Pluto hat seinen Planetenstatus übrigens im Jahr 2006 wieder verloren ...

Sternzeichen stimmen längst nicht mehr

Auch die bereits seit der Antike bekannte Präzession wird in der Astrologie ausgeklammert: Wenn sich die Erde um sich selbst dreht, lassen sie die Anziehungskräfte von Sonne und Mond ein wenig taumeln. Pro Jahr bleibt sie so auf ihrer Bahn um die Sonne um 0,01 Grad zurück. Seit der Festlegung des Tierkreises vor zweitausend Jahren, als die Positionen von Sternbild und Sternzeichen noch übereinstimmten, hat sich diese Abweichung auf ein Zwölftel des Jahreskreises summiert. Das entspricht etwa einem Sternbild: Wer zum Beispiel zwischen dem 21. März und dem 20. April geboren wurde, ist laut Astrologie Widder - eigentlich steht die Sonne aber erst im Sternbild Fische.

Aus naturwissenschaftlicher Sicht unhaltbar

Physikalisch lässt sich nicht erklären, warum die Sterndeutung überhaupt funktionieren sollte. In den Naturwissenschaften setzt man sich deshalb schon seit Jahrhunderten nicht mehr mit ihren Annahmen auseinander, sie gelten als endgültig widerlegt. Anhänger verweisen gern auf übernatürliche Mächte, die sich natürlich nicht beweisen lassen. Oft wird auch die Erfahrung zitiert, die gezeigt habe, dass Astrologie eben einfach funktioniere. Das lässt sich wiederum überprüfen - mit statistischen Methoden.

"Der Esoterik-Test - Wissenschaft oder Humbug": am 24. Februar 2014 um 22 Uhr in "Faszination Wissen", BR Fernsehen


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