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Asteroid C/2014 S3 Aus dem Tiefkühlfach des Sonnensystems

Schon bei seiner Entdeckung war den Forschern klar: C/2014 S3 Panstarrs ist einzigartig, ein ganz neues Objekt im Sonnensystem. Aber was ist er? Ein Komet? Ein Asteroid? Jetzt ist sein eiskaltes Geheimnis entschlüsselt.

Stand: 29.04.2016

Es könnte so einfach sein: Ein Komet ist ein "schmutziger Schneeball" vom Rande des Sonnensystems, der sehr scheps durch selbiges kreuzt und an seinem Schweif leicht zu erkennen ist. Und ein Asteroid ist ein harter Gesteinsbrocken, der meist auf einer recht runden Bahn irgendwo zwischen Mars und Jupiter um die Sonne kreist und ansonsten gar nichts tut.

Doch seit gut einem Jahrzehnt entdecken immer raffiniertere Teleskope immer mehr Objekte, die Zwitterwesen zu sein scheinen: Sie bewegen sich wie Kometen, sehen aber aus wie Asteroiden. Und werfen damit die bisherigen Thesen über den Haufen, wie sich das Sonnensystem mit all seinen Strukturen entwickelt hat.

Einen dieser Vagabunden haben Forscher jetzt erstmals dingfest gemacht: C/2014 S3 Panstarrs musste das Geheimnis seiner Herkunft preisgeben - und hatte eine Überraschung parat.

Komet mit Burnout?

Entdeckt wurde C/2014 S3 Panstarrs bereits im September 2014 bei der automatischen Durchforstung des Sonnensystems mit dem Teleskop Pan-STARRS. Und erregte sofort Aufsehen: Er bewegt sich auf einer Bahn, wie sie typisch ist für Kometen vom äußersten Rand unseres Sonnensystems, der sogenannten Oortschen Wolke. Aber C/2014 S3 ist nahezu inaktiv. Obwohl er gerade seinen sonnennächsten Punkt passiert hatte und nur etwa doppelt so weit von der Sonne entfernt war wie die Erde, konnte bei C/2014 S3 nur ein ganz zarter Schweif ausgemacht werden, millionenmal schwächer als bei anderen Kometen in solch großer Nähe zur Sonne.

Ein ausgebrannter Komet? Davon hatte man bis dahin schon ein gutes Dutzend entdeckt. "Manx-Kometen" werden sie genannt, nach der schwanzlosen Katzenrasse. Sie haben vermutlich all ihr einstiges Eis schon bei früheren Annäherungen an die Sonne verloren.

Ich wär so gern ein Schweifstern, aber bin bloß ein eiskalter Stein

C/2014 S3 zeigt erstmals seine Oberfläche

Die nächste Überraschung gab es, als Astronomen der Universität von Hawaii die Oberfläche von C/2014 S3 mit dem Canada France Hawaii Telescope analysieren konnten. Denn anders als Manx-Kometen, die meist eine rötliche Oberfläche haben, schimmert die Oberfläche von C/2014 S3 Panstarrs bläulich. Da kam der erste Verdacht auf: Das Kerlchen kommt ganz woanders her!

Ein Geschoss der S-Klasse

Jetzt ist sein Geheimnis entschlüsselt: Mit Hilfe des Very Large Telescope VLT der Europäischen Südsternwarte (ESO) in Chile konnten die Astronomen eine Spektralanalyse des Brockens durchführen, seine Zusammensetzung und damit auch seine Herkunft feststellen. Denn C/2014 S3 Panstarrs zeigt die gleiche chemische Zusammensetzung wie die sogenannten S-Asteroiden: Sie bestehen vor allem aus Eisen- und Magnesium-Silikaten, sind die zweithäufigsten Asteroiden im Sonnensystem und kommen vor allem im Hauptasteroidengürtel zwischen unserem äußeren Nachbarn Mars und dem riesigen Jupiter vor. Dort kreisen sie recht gleichmäßig vor sich hin, seit sie vor mehr als vier Milliarden Jahren mit unserem Sonnensystem entstanden sind. Seither hat sie die Sonne gründlich durchgebacken. Ganz anders bei dem Ausreißer.

Aus der Frischhaltetheke kosmischer Geschichte

So könnte C/2014 S3 aussehen

C/2014 S3 Panstarrs wurde frühzeitig an den eisigen Rand des Sonnensystems geschleudert und kehrt erst jetzt wieder zurück. Er ist chemisch nahezu unverändert, im Gegensatz zu seinen Artgenossen aus der Sonnensystem-Komfortzone. C/2014 S3 ist wie ein Tiefkühl-Päckchen Ur-Materie aus der Anfangszeit des Sonnensystems und damit ein Schatz für Astronomen wie Karen Meech von der Universität von Hawaii, die den Asteroiden seit 2014 ins Visier nimmt.

"Das ist der erste ungebackene Asteroid, den wir beobachten konnten. Er wurde im besten Tiefkühlfach konserviert, das es gibt!"

Karen Meech, Astronomin an der Universität von Hawaii

Eiskalter Zeitzeuge großer Bewegungen

Aber was hat den Asteroiden dazu gebracht, den Mainstream seiner Artgenossen hinter sich zu lassen und so weit in die Ferne zu schweifen? Was hat ihn so aus der Bahn geworfen, dass er unter den eisigen Gesellen in der Oortschen Wolke landete? Es könnte sein, dass Jupiter und Saturn, unsere beiden größten Planeten, nicht immer da waren, wo sie heute sind. Ihre Umlaufbahnen könnten sich in den frühen Zeiten des Sonnensystems verschoben haben. Das vermuten manche Astronomen. Dabei hat Jupiter womöglich den einen oder anderen Asteroiden aus dem Weg gekickt. Bislang ist das nur eine These - die aber gerade durch Funde wie C/2014 S3 Panstarrs bestätigt werden könnte.


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