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Asteroid 2016 HO3 Unser zeitweiliger Quasi-Mond

Seit etwa einem Jahrhundert haben wir einen kleinen Begleiter, von dem wir bislang nichts wussten: Der Asteroid 2016 HO3 scheint in einem Tänzchen mit der Erde gefangen. Aber die Attraktion der Erde reicht nur für eine flüchtige Liebe.

Stand: 17.06.2016

Asteroid 2016 HO3, so heißt der eher kleine Brocken, der am 27. April 2016 vom Pan-STARRS-Teleskop auf Hawaii entdeckt wurde. Seine Größe ist noch nicht genau festgestellt, sein Durchmesser ist aber vermutlich größer als vierzig und kleiner als hundert Meter. Ein Gesteinsklumpen, wie es sie im Sonnensystem zu Tausenden gibt.

Auf gemeinsamer Wanderschaft

Ein Asteroid als Begleiter der Erde

Das Besondere an 2016 HO3 ist seine Umlaufbahn um die Sonne: Der Orbit dieses Asteroiden ist nämlich unserem so ähnlich, dass 2016 HO3 nie sehr weit von der Erde entfernt ist. Auch er kreist in einem Jahr einmal um die Sonne, auf einer leicht elliptischen Bahn - wie die Erde auch. Die beiden Ellipsen - die des Asteroidenorbits und die des Erdorbits - stimmen aber nicht ganz überein. Dadurch ist der Asteroid 2016 HO3 mal ein wenig weiter von der Sonne entfernt als wir, mal etwas näher dran. Mal fliegt er der Erde voraus, mal hinterher.

Attraktion oder Lebensmittelpunkt?

Aus der Perspektive der Erde umkreist uns der Asteroid dadurch so ähnlich wie unser Mond, wenn auch viel langsamer, elliptischer und schiefer. Allerdings ist unser Mond im Schwerkraftfeld der Erde gefangen, das Zentrum seiner Bewegung ist der gemeinsame Schwerpunkt von Erde und Mond. Bei 2016 HO3 ist das anders: Seine Umlaufbahn um die Sonne wird lediglich von der Schwerkraft der Erde beeinflusst.

Weit, weit und noch weiter weg, aber nie fort

Die Erde übt momentan so viel Anziehungskraft auf den Asteroiden aus, dass er sich nicht allzu weit von uns entfernt - uns aber auch nie zu nahe kommt. Asteroid 2016 HO3 kommt uns höchstens auf 14 Millionen Kilometer nahe und ist nie weiter als 40 Millionen Kilometer entfernt. Damit ist er 38- bis 100-mal weiter weg als unser Mond. Einen "Quasi-Satelliten" nennen ihn die Astronomen daher. Auch, weil er vielleicht nur ein kurzfristiger Weggefährte sein wird.

"Dieser kleine Asteroid ist tatsächlich in einem kleinen Tanz mit der Erde gefangen"

Paul Chodas, Leiter des Zentrums für erdnahe Objekte der NASA (NEO)

Flüchtige Liebschaft

Denn es ist vermutlich nur eine flüchtige Liebe, auch wenn sie jetzt schon ein Jahrhundert überdauert hat und vielleicht auch noch einige hundert Jahre halten wird. Schon einmal gab es einen Asteroiden mit einer solch auffällig an die Erde gebundenen Bahn, doch 2003 YN 107 ist vor rund zehn Jahren dann wieder verschwunden. Denn es gibt ja noch andere Planeten, mit viel größerer Anziehungskraft. Und die machen uns solch kleine Begleiter irgendwann abspenstig.


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