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Garnelenzucht in China Aquakultur schädigt wertvolle Seegraswiesen

Garnelen aus Aquakulturen sind ökologisch vertretbar - so denken viele Verbraucher. Doch eine Studie an der chinesischen Küste zeigt, dass sich Zuchtteiche auf Seegraswiesen nachhaltig auswirken - mit fatalen Folgen.

Stand: 30.07.2014

Mit Kleinalgen überwucherte Seegräser, Hainan | Bild: Lucia Herbeck / ZMT

Wie wirken sich Aquakulturen auf ihre Umwelt aus? Dieser Frage gingen Wissenschaftler vom Leibniz-Zentrum für Marine Tropenökologie (ZMT) in Bremen gemeinsam mit chinesischen Kollegen in chinesischen Küstengebieten nach. China ist neben Thailand, Vietnam, Bangladesch, Indien und Indonesien einer der größten Shrimps-Exporteure. Die Forscher untersuchten die Auswirkung der intensiven Aquakultur auf Seegraswiesen und das Ergebnis war alarmierend: Die Seegräser wurden zunehmend geschädigt, die Wuchsdichte nahm ab, die Artenvielfalt sank und bei starker Belastung wuchs sogar gar kein Seegras mehr.

Das Team von deutschen und chinesischen Wissenschaftlern untersuchte auf der tropischen Insel Hainan Seegraswiesen in Küstengebieten, die unterschiedlich stark mit Garnelenteichen durchsetzt waren.

"Wir konnten den Weg der Abwässer aus den Zuchtteichen bis ins Zellgewebe der Seegräser einige Kilometer vor der Küste verfolgen."

ZMT-Projektleiter Tim Jennerjahn

Bei ihren Expeditionen 2008 und 2009 stellten die Forscher mit steigender Anzahl der Zuchtteiche eine zunehmende Schädigung der Seegräser fest. Die Forscher fanden eine große Menge an Schwebstoffen im Meer vor der Küste: organisches Material und Sedimente, Nahrungsabfälle und Exkremente der Zuchttiere aus den Teichen. Den Seegräsern nahmen sie das lebenswichtige Sonnenlicht.

Seegraswiesen

Seegraswiesen bedecken weltweit eine Fläche von schätzungsweise 18 Millionen Hektar.
Sie spielen im globalen Kohlenstoffkreislauf eine wichtige Rolle, denn sie helfen, den Kohlenstoffgehalt zu senken.
Sie dienen als Kinderstube für zahlreiche Fisch- und Schalentiere.
Sie sind eine Futterquelle für große Meerestiere wie Schildkröten und Seekühe. Durch den Rückgang des Seegraswiesenbestands von jährlich sieben Prozent ist die Artenvielfalt in tropischen Küstengebieten akut bedroht.

Vom Überangebot an Nährstoffen profitierten dagegen die Kleinalgen, die sich rapide vermehrten und wie ein Teppich die Gräser überzogen und beschatteten. Zudem waren die Seegräser giftigen Schwefelverbindungen ausgesetzt, die durch Aquakulturabfälle verstärkt gebildet werden.

Steigender Fisch- und Meeresfrüchtekonsum

Mit Sorge beobachten die Forscher, dass in China die Zahl der Aquakulturanlagen ständig steigt. Um den weltweit wachsenden Bedarf an Fisch und Meeresfrüchten zu decken, wächst weltweit die Produktion jährlich durchschnittlich um 8,8 Prozent.

Für die Anlagen von Zuchtteichen werden dabei häufig Mangroven abgeholzt, die normalerweise Nährstoffe, Schadstoffe und Sedimente filtern. Gleichzeitig werden aber ungefilterte Abwässer aus den Teichen in die Küstengewässer geleitet, die zusätzliche Nährstoffe mit sich bringen. Die Folgen für angrenzende Küstenökosysteme sind noch nicht bekannt, die Forschungsergebnisse zu den Seegraswiesen lassen aber befürchten, dass die Aquakulturen auf Kosten der Ökosysteme gedeihen.

LANCET-Projekt

Die Studien waren Teil eines vom Leibniz-Zentrum für Marine Tropenökologie (ZMT) geleiteten Großprojektes: Land-Sea Interactions of Coastal Ecosystems in Tropical China, kurz LANCET. An den Forschungen beteiligt waren die University of Hainan, das Second Institute of Oceanography, die Ocean University of China, die East China Normal University sowie die Universitäten Bremen und Hamburg.


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