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Polarforschung Deutscher Außenposten im Ewigen Eis

Die Antarktis bietet nicht gerade einladende Arbeitsbedingungen: Dauerfrost und im Winter fast nur Dunkelheit. Doch Mitarbeiter des Alfred-Wegener-Instituts trotzen im Dienste der Wissenschaft Kälte und Nacht in der Station "Neumayer III".

Stand: 14.05.2014

Antarktisstation Neumayer III | Bild: picture-alliance/dpa

An der Atkabucht reicht das Ekström-Schelfeis weit hinaus ins Weddellmeer. Oben auf dem Eis steht - wie ein riesiges Insekt mit langen Beinen - die Forschungsstation Neumayer III. Unter ihr ist das Eis rund 200 Meter dick. Seit 2009 arbeiten dort Forscher des Alfred-Wegener-Instituts für Polarforschung in ihren Obervatorien.

Wetter, Erdbeben und reine Luft

Das Spurenstoffobservatorium von Neumayer III

Das meteorologische Observatorium zum Beispiel führt Strahlungs- und Klimamessungen durch, um langfristige Änderungen des Strahlungshaushaltes der Erde und deren Auswirkungen zu erkennen. Das geophysikalische Observatorium erfasst Erdbeben überall auf der Erde und registriert fortlaufend die zeitlichen Änderungen des Magnetfelds sowie die tidenabhängigen Bewegungen des Eisschelfs. Das Spurenstoff-Observatorium misst atmosphärische Konzentrationen von Spurengasen wie Ozon und winzigen Staubpartikeln in der Luft. Wegen der isolierten Lage ist es eine Referenzstation für Messungen bei extremer Luftreinheit.

Hochbetrieb im Sommer

Ein Pinguin besucht die Polarstation.

Während des Sommers können etwa vierzig Menschen in der Station leben und arbeiten. Im antarktischen Winter ist die Station hingegen nur mit neun Personen besetzt. Darunter sind ein Arzt, der gleichzeitig der Stationsleiter ist, ein Meteorologe, ein Luftchemiker, ein Ingenieur, ein Elektriker, ein Funker und ein Koch.

Die Vorgänger

Die Treppentürme der alten Neumayer-Station

Forscher des Alfred-Wegener-Instituts für Polarforschung sind seit über dreißig Jahren ununterbrochen in der Atkabucht. Die erste Station mit dem Namen "Georg von Neumayer" wurde 1981 dort als wissenschaftliches Observatorium und Basis für Expeditionen im antarktischen Sommer errichtet. 1992 entstand zehn Kilometer weiter die zweite Neumayer-Station. Doch nach 17 Jahren Betrieb war sie rund 14 Meter unter Schnee und Eis begraben. Das machte einen Neubau erforderlich.

Container auf Beinen

Die einzelnen Komponenten wurden von "Neumayer III" in Deutschland gebaut, per Schiff in die Antarktis gebracht und dort innerhalb von sieben Monaten montiert. Am 20. Februar 2009 konnte die neue Station eingeweiht werden. Sie steht sechs Kilometer südlich ihrer Vorgängerin und etwa 16 Kilometer von der Kante des Ekström-Eisschelfs entfernt. Hier legen die Versorgungsschiffe an.

Küche und hydraulische Pumpen

Die Station ist 68 Meter lang, 25 Meter breit und 28 Meter hoch.

Hundert Container auf einer Plattform beherbergen Wohnräume, Küche, Labore, einen Funk- und einen Sanitätsraum sowie die Energiezentrale und eine Anlage zum Schneeschmelzen. Das Gewicht von etwa 2.300 Tonnen verteilt sich auf 16 Fundamentplatten. Hydraulische Pumpen heben und senken die Station je nach Schneehöhe und sorgen dafür, dass die Station nicht im Schnee versinkt.

Windkraft im Eissturm

Die Windkraftanlage von Neumayer III

Ein Blockheizkraftwerk mit vier Dieselgeneratoren versorgt die Neumayer-Station mit Energie. Drei Generatoren laufen abwechselnd, der vierte dient als Notstromaggregat. Die Abwärme wird zum Heizen und Schneeschmelzen verwendet. Zusätzliche Energie liefert eine Windkraftanlage, die schrittweise erweitert werden soll.

Auf wanderndem Eis

Das Ekströmschelfeis, auf dem Neumayer steht, wandert pro Jahr etwa 150 Meter nach Norden Richtung Meer. Das ist viel, aber die Stelle mit der geringsten Fließgeschwindigkeit. In 25 bis 30 Jahren wird sich der Standort der Station also um rund vier bis fünf Kilometer ändern. Das ist auch der Zeitraum, für den Neumayer III ausgelegt ist.


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