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Auf Kampf gedrillt Wie Ameisen zu Sklavenhaltern werden

Da ist was faul im Ameisenstaat. Die Art Temnothorax schlägt aus der Reihe und macht sich andere Ameisen zu Untertanen. Zwei Gene programmieren die Tiere zu Kampfmaschinen.

Stand: 12.03.2018

Sklavenhalter-Ameisen - Temnothorax americanus | Bild: picture-alliance/dpa

Schon Darwin fiel auf, dass es Ameisen gibt, die Sklaven halten, sagt Barbara Feldmeyer vom Senckenberg Biodiversität und Klima Forschungszentrum. Das Forschungszentrum und die Universität Mainz haben nun herausgefunden, was die Tiere so aggressiv und verhaltensauffällig macht. Zwei Gene verändern das Verhalten der Art Temnothorax. Andere Ameisen-Arten besitzen diese Gene - Acyl-CoA Delta (11)-Desaturase und Trypsin-7 - nicht. Das berichten die Forscher im Fachjournal "Scientific Reports".

Getrieben durch Gene

Nicht alle Temnothorax-Ameisen verhielten sich genau gleich. Das Forscher-Team untersuchte das Erbgut von drei Sklavenhalter-Ameisen-Arten (Temnothorax americanus, Temnothorax dulocticus, Temnothorax pilagens) und sah Unterschiede in der Ausprägung der Angriffsstrategien. Der Grund: Die spezifischen Angriffsgene werden unterschiedlich gesteuert, was Einfluss auf das Angriffsverhalten hat. Auch die angegriffenen Ameisen zeigten unterschiedliche Verhaltensmuster bei der Verteidigung, was ebenfalls auf genetische Unterschiede zurückzuführen ist. Diese genetische Evolution könnte auf zufällige Mutationen zurückzuführen sein, sagen die Forscher.

Was die Sklavenhalter-Ameisen da machen, nennen Biologen Sozialparasitismus: Die Angreifer setzen sich ins gemachte Nest oder lassen sich ein Nest machen. Meist sind Angreifer und Opfer nahe verwandte Arten. Der Lebensstil der Sklavenhalter-Ameisen hat sich so verändert, dass die Ameisen gar nicht mehr arbeiten können, sondern nur noch angreifen.

Ameisen in Aktion

Im Detail sieht das so aus: Entweder töten die Sklavenhalter-Ameisen alle Arbeiterinnen in der Wirtskolonie äußerst brutal. Das war nach Aussagen der Forscher vor allem dann der Fall, wenn in der angegriffenen Kolonie eine Königin lebte. Es kam zu heftigen Kämpfen zwischen den Ameisen. "Dann verteidigen die Arbeiterinnen das Nest auch wirklich extrem stark und rigoros und aggressiv", sagt die Evolutionsbiologin Feldmeyer.

War keine Königin im Wirtsnest, schienen "die Arbeiterinnen zwar das Nest zu verteidigen, aber eben nicht so rigoros und bis aufs Letzte und sind vielleicht nicht ganz so motiviert, das Nest zu verteidigen", so Feldmeyer. In diesen Fällen waren die Sklavenhalter-Ameisen in der Lage, die angegriffenen Arbeiterinnen zu manipulieren. Diese transportierten die Brut der eigenen Kolonie in das Nest der Räuber und sicherten damit die nächste Generation von Sklaven. Die "Sklavenameisen" mussten die Brut der Angreifer versorgen, Futter ranschaffen und das Nest sauber halten.

Chemische Kriegsführung

Die Sklavenhalter-Ameisen hatten noch einen miesen Trick auf Lager: Sie verschafften sich unbemerkt Zutritt in fremde Nester, in dem sie beim Angriff chemische Duftstoffe absonderten. Dadurch wurden sie von anderen Ameisen nicht als fremd erkannt. Die Duftstoffe werden über die spezifischen Angriffsgene reguliert.


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