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Alternativer Nobelpreis 2018 Gegen Korruption, für Aufforstung und Menschenrechte

Ein Bauer und ein Wissenschaftler lassen Wald in der Wüste wachsen. Drei junge Araber nehmen es mit einem autoritären Regime auf und zwei Anwälte mit einem möglicherweise korrupten Präsidenten. Dafür wurden sie mit dem Alternativen Nobelpreis 2018 geehrt.

Stand: 30.09.2018 | Archiv

Die Preisträger des Alternativen Nobelpreises 2018 | Bild: dpa-Bildfunk, World Vision, Silas Koch

Der Right Livelihood Award, der auch "Alternativer Nobelpreis" genannt wird, ging 2018 nach Guatemala, Niger, Australien und erstmals nach Saudi-Arabien. Verkündet wurden die Preisträger am 24. September. Die bahnbrechende Arbeit der Preisträger gebe enorme Hoffnung und verdiene die höchste internationale Aufmerksamkeit, erklärte der Preisstifter Ole von Uexküll.

Kampf gegen Korruption in Guatemala

Den undotierten Ehrenpreis erhielten die Juristen Thelma Aldana und Ivan Velásquez. Die Korruptionsjäger nehmen unerschrocken die wirtschaftliche und politische Elite im von Korruption geplagten Guatemala aufs Korn. Sie brachten unter anderem den früheren Präsidenten Otto Perez Molina zu Fall. Ihre Arbeit ermöglichte schon mehr als 300 Verurteilungen und 34 Gesetzesreformen. Aldana war bis Mai Generalstaatsanwältin in dem mittelamerikanischen Land. Velásquez ist Chef der Internationalen Kommission gegen Straffreiheit der Vereinten Nationen (Cicig). Ihre Zusammenarbeit gilt als vorbildliches Modell für viele andere Staaten. Guatemalas Präsident Jimmy Morales hat allerdings beschlossen, das Mandat der Kommission nicht zu verlängern. Guatemala verweigert Velásquez die Einreise, seit er Mitte August eine Aufhebung der Immunität des Präsidenten für ein Strafverfahren wegen illegaler Wahlkampffinanzierung gefordert hatte. Cicig bemängelte, dass die Herkunft von rund 600.000 Dollar für die Wahl von 2015 unbekannt sei.

"Der Mann, der die Wüste aufhielt"

Die mit je rund 96.000 Euro dotierten Geldpreise gingen an den Bauern Yacouba Sawadogo aus Burkina Faso und den Australier Tony Rinaudo. Beide setzen sich dafür ein, dass dürres, unfruchtbares Land in Afrika landwirtschaftlich genutzt werden kann. Sawadogo sei bekannt als "der Mann, der die Wüste aufhielt", erklärte die Right Livelihood Award-Stiftung, die den "Alternativen Nobelpreis" vergibt. In einer Phase schwerer Dürre pflanzte er einen Wald auf kargem Land - mit Hilfe von Pflanzgruben, die Regenwasser besser speichern. Sein Wissen teilte er mit Landwirten in der Region, so dass allein in Burkina Faso und Niger Zehntausende Hektar einst unfruchtbarer Flächen fruchtbar gemacht wurden. Hier können nun Getreide und Viehfutter angepflanzt und sogar Bienen gehalten werden.

"Waldmacher" in der Sahelzone

Der australische Agrarwissenschaftler Rinaudo gilt als "Waldmacher" in Afrika: Als Entwicklungshelfer im Niger fand er eine Methode, in Trockengebieten Bäume aus unterirdischen, oft noch intakten Wurzelsystemen zu ziehen. So wurden rund 50.000 Quadratkilometer mit 200 Millionen Bäumen wieder fruchtbar gemacht. Rinaudo inspirierte eine ganze Bewegung von Landwirten, die Sahelzone neu zu begrünen.

Mehr Menschenrechte in Saudi-Arabien

Zum ersten Mal wurden mit dem Preis Menschenrechtskämpfer aus Saudi-Arabien ausgezeichnet: Abdullah al-Hamid, Mohammed Fahad al-Kahtani und Walid Abu al-Chair bekommen ihn, weil sie friedlich das autoritäre System ihres Landes heraus- und Menschenrechte einfordern. Sie setzen sich für Gewaltenteilung und die Abschaffung männlicher Vormundschaft ein, die den Frauen grundlegende Rechte nimmt. Außerdem wollen sie erreichen, dass das Land, das bisher von der Königsfamilie und ultra-konservativen Klerikern geführt wird, zu einer konstitutionellen Monarchie wird. Al-Hamid und Al-Kahtani gründeten eine der wenigen saudischen Menschenrechtsorganisationen. Al-Chair verteidigt saudische Aktivisten vor Gericht. Alle drei sitzen derzeit im Gefängnis.

Right Livelihood Award

Der Right Livelihood Award, wie der Alternative Nobelpreis eigentlich heißt, geht an Menschen und Organisationen, die sich beispielhaft für eine nachhaltige und menschenwürdige Welt engagieren.

Jakob von Uexküll

Die Idee, einen alternativen Nobelpreis ins Leben zu rufen, hatte der ehemalige Europa-Abgeordnete Jakob von Uexküll (geb. 1944) in den 1970er-Jahren. Damals reiste er um die Welt und sah Armut und Umweltzerstörung in vielen Ländern. Zurück in Stockholm schlug er dem Nobelkomitee vor, auch einen Preis für Umwelt und Entwicklung zu vergeben. Der Plan wurde jedoch abgelehnt.

Erfinder des Alternativen Nobelpreises

Doch von Uexküll hielt an seiner Vision fest, verkaufte seine exklusive Briefmarkensammlung und gründete von dem Erlös über eine Million US-Dollar die Stiftung für Richtige Lebensführung, die bis heute den Alternativen Nobelpreis vergibt. Seit 1980 wurden zahlreiche Menschen und Initiativen aus den verschiedensten Ländern gewürdigt. Die Feierlichkeiten in Stockholm finden meist einige Tage vor oder nach der Verleihung der Nobelpreise am 10. Dezember statt. Das Preisgeld stammt aus Spenden, daher variiert dessen Höhe. Meist wird es unter drei bis vier Preisträgern aufgeteilt. In manchen Jahren vergibt die Jury zusätzlich einen undotierten Ehrenpreis.

"Der Right Livelihood Award will dem Norden helfen, eine Weisheit zu finden, die zu seiner Wissenschaft passt, und dem Süden, eine Wissenschaft zu finden, die seine alte Weisheit ergänzt."

Jakob von Uexküll

Der Right Livelihood Award

Jakob von Uexküll, Gründer des Alternativen Nobelpreises

Albert Einstein sagte einmal, eine wirklich gute Idee erkenne man daran, dass ihre Verwirklichung von vornherein ausgeschlossen scheint. Seit 1985 zeichnet der Right Livelihood Award, bei uns als "Alternativer Nobelpreis" bekannt, Menschen aus, die solche unmöglichen Ideen verwirklichen und sich für den Schutz der Umwelt, für Menschenrechte und Frieden einsetzen.

Deutsche Davids gegen Goliaths


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