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Alltagswissen Rätselhaftes auf dem Tisch

Was täglich auf unserem Tisch steht, gibt uns Rätsel auf: Wieso korkt der Wein, obwohl die Flasche einen Schraubverschluss hat? Weshalb kocht Milch so schnell über? Und aus welchem Grund werden Eier beim Kochen hart, Kartoffeln aber weich? Wie bleibt Spargel weiß? Und natürlich die Frage aller Fragen: Warum ist die Banane krumm?

Stand: 04.04.2018

Grüner Spargel mit einer Gedankenblase und drei Fragezeichen | Bild: picture-alliance/dpa/Montage: BR

Warum ist Spargel mal grün, mal lila, mal weiß?

Spargel in allen Farben

Weißer Spargel übereinandergeschichtet

Das schlanke, edle Gemüse ist ein knappes Gut, nur von April bis 24. Juni (Johannistag) wird Spargel geernet. Angebaut wird er im Gewächshaus oder draußen unter einer dicken Plastikplane. Heraus kommt: weißer Spargel. Oder grüner. Oder lila. Warum sieht Spargel so unterschiedlich aus?

Versteckt im Erdhügel

Weißer Spargel wird geerntet

Weißer Spargel wächst die ganze Zeit unter der Erde heran - senkrecht nach oben. Die Landwirte häufen Erdhügel auf, damit der Spargel nie durch die Krume bricht. Nur dann bleibt er weiß bis in die Spitze. Besonders lecker schmeckt er aber nur, wenn er ganz frisch ist. Das soll man laut Ratgebern am sogenannten Quietsch-Test erkennen können: Wenn man zwei Spargelstangen aneinander reibt, quietscht das. Doch Experten sagen, das ist nur ein ungenauer Test. Denn Spargel quietscht immer noch, selbst wenn er schon drei Tage alt ist.

Durchbruch ans Licht

Lila-blaue Spargelspitzen

Wenn weißer Spargel ein paar Stunden vor der Ernte doch schon Tageslicht erblickt, dann verfärbt sich die Spitze blau-lila. Dem Geschmack tut das aber keinen Abbruch, außer er hat schon angefangen zu blühen. Weil der weiße Spargel edler aussieht, kann man den lila Spargel nicht so teuer verkaufen.

Sonne macht Grün

Grüner Spargel reckt sich in die Höhe.

Wenn Spargel sofort überirdisch wachsen darf, dann wird er grün. Er bildet Chlorophyll. Das macht ihn sogar gesünder als weißen Spargel, weil er im Sonnenlicht mehr Vitamin C und Betacarotin bildet. Er hat auch mehr Spurenelemente und Mineralstoffe.

Spargel im Mittelalter

Spargelstecher aus dem 14. Jahrhundert

Früher gab es sowieso nur grünen Spargel - erst im 18. Jahrhundert entdeckte man, dass man ihn unterirdisch und weiß halten kann. Es gibt Abbildungen aus Norditalien, die schon Spargelanbau im 14. Jahrhundert zeigen.

Ökologischer Fußabdruck beim Spargel

Spargel wächst unter Plastikfolien

Grundsätzlich ist regionaler Spargel ökologisch besser als importierter. Doch auch hierzulande werden immer mehr Ressourcen verbraucht, um den Spargel anzubauen. Das hat zum einen den Grund, die Spargelsaison früher beginnen zu lassen. Darum werden Spargelfelder in der Regel mit schwarzer und weißer Plastikfolie bedeckt - das wirkt wie ein kleines Gewächshaus. Manche Landwirte haben sogar Heizrohre in den Boden verlegt. Im Ruhrgebiet wird Spargel in der Nähe von Braunkohlekraftwerken angebaut, weil die den Boden in ihrer Umgebung mit aufheizen. Gerade früher Spargel hat eine schlechtere Ökobilanz als später Spargel - doch für Spargelbauern kann es das wirtschaftliche Überleben sichern, wenn sie früh im Jahr Spargel verkaufen können. Denn die Verbrauchen haben oft schon im März Lust auf Spargel.

Spargel schießt ins Kraut

Ab 24. Juni wächst Spargel ins Kraut.

Damit sich die Spargelpflanze erholen kann, endet am 24. Juni, am Johannitag, traditionell die Spargelsaison. Jetzt darf die Pflanze bis zum ersten Frost einen nadeligen Busch bilden. Das Spargelkraut wird auch häufig beim Blumenbinden verwendet. In den grünen Blättern sammelt die Pflanze Energie und lagert sie auch in den Wurzeln ein. Die braucht sie, um im nächsten Frühjahr wieder auszutreiben. Grundsätzlich ist der "Spargel" der wiederholte, von Menschenhand regelmäßig unterbrochene Versuch, einen Stamm zu bilden. Sechs Mal in einer Saison kann man das verhindern - doch den siebten Stamm muss ein Landwirt hoch ins Kraut schießen lassen, sonst bekommt man im nächsten Frühjahr keinen neuen Spargel.

Warum löst sich Zucker im warmen Tee besser auf?

Rein damit

Eigentlich sollte es doch egal sein, ob man Zucker in kalten oder warmen Tee gibt. Aber im Heißgetränk löst sich der Zucker schneller. Warum nur?

Einmal kräftig umgerührt

Die einzelnen Zuckermoleküle sind untereinander nicht besonders fest verbunden. Die Wassermoleküle schieben sich dazwischen und trennen sie voneinander - der Zucker löst sich auf. Je wärmer das Wasser, desto schneller bewegen sich die Teilchen und desto schneller haben sie den ganzen Zucker aufgelöst.

Macht sauer wirklich lustig?

Reinbeißen - Gesicht verziehen

Diesen Spruch hat schon wirklich jeder gehört, der in eine Zitrone beißt und das Gesicht verzieht: "Sauer macht lustig!" Ob das stimmt, dazu gibt es zahlreiche haarsträubende Theorien.

Saure Lebensmittel können die Stimmung heben

Das sagt zumindest die Krankenkasse AOK und empfiehlt schlecht gelaunten, vom Föhn geplagten Kopfschmerz-Patienten sauren Hering zu essen. Denn dann wird der Botenstoff Serotonin ausgeschüttet - besser bekannt als das "Glückshormon". Doch ob das mit "sauer macht lustig" wirklich gemeint ist?

Saure Lebensmittel sind gesund

Viele saure Lebensmittel sind gesund, zum Beispiel Sauerkraut oder saure Früchte. Die sind voller Vitamine und regen auch noch die Verdauung an. Wer gesund ist, dem geht es gut und der ist "lustiger". Doch wirklich überzeugend ist auch diese Erklärung nicht.

Komiker-Spruch

Anfang des 20. Jahrhunderts gab es in Hamburg einen Komiker mit Namen Sauer. Der machte mit dem Slogan "Sauer macht lustig" Werbung. Doch wahrscheinlich hat der die Redensart nur für sich geklaut.

Lustige Grimasse

Spaßvögel sind der Ansicht, wer in eine saure Zitrone beißt, der verzieht sein Gesicht und das sieht lustig aus.

Sauer macht "gelüstig"

Das ist wahrscheinlich die plausibelste Erklärung: Der Spruch ist eine falsche Übertragung aus dem 17. Jahrhundert. Damals hieß es laut Lexikon der sprichwörtlichen Redensarten "sauer macht gelüstig" - also sauer macht Appetit auf noch mehr Speisen.

Woher kommen immer die vielen Fruchtfliegen?

Winzige Fliegen allüberall

Fruchtfliegen sind lästig

Sie sind lästig – Fruchtfliegen, die auch Obst-, Essig- und Taufliegen genannt werden. Die Winzlinge setzen sich auf unser Obst und schwirren uns um die Nase. In Deutschland gibt es rund 50 Arten, die in Wildarten und Kulturfolger aufgeteilt werden. Die bei uns herumirrenden Plagegeister sind vor allem Kulturfolger, die sich hervorragend an das menschliche Umfeld angepasst haben und sich scheinbar ständig vermehren. Doch woher kommen eigentlich die vielen Fruchtfliegen?

Rasende Vermehrung

Eine Fruchtfliege Drosophila melanogaster

Ein Weibchen kann 24 Stunden nach einer erfolgreichen Paarung bis zu 400 Eier ablegen. Die vollständige Entwicklung einer Fruchtfliege von der Larve über die Verpuppung bis zur fertigen Fruchtfliege dauert zwischen zehn und 14 Tagen. Da kann man sich vorstellen, wie schnell man sich selbst im Reich der Fruchtfliege wiederfindet, wenn den Insekten in der eigenen Küche die passenden Angebote gemacht werden.

Willkommen zu Hause

Sind schon im Supermarkt in Gemüse und Obst: die Fruchtfliegen

Abgelegt werden befruchtete Eier in reifem bis fauligem Obst, gerne auch in Obst- oder Gemüseschalen. Auf diesen Schalen haften Bakterien und Mikroorganismen, von denen sich die Larven ernähren. Angelockt werden die Fruchtfliegen durch säurehaltige Lebensmittel, faulende Kartoffeln und Küchenabfälle. Zudem tragen wir sie uns auch ganz unbedarft selbst nach Hause, denn mit jedem Einkauf von Obst und Gemüse schleppen wir die kleinen Fliegen, die schon von den Obstplantagen oder Lagerräumen kommen, in unsere Küchen.

Immer dem Geruch nach

Und natürlich fliegen die Insekten auch einfach durch das offene Fenster in unsere Häuser. Angelockt werden sie vom sogenannten Essiggeruch reifer bis überreifer Früchte. Dabei kommt den Winzlingen zugute, dass sie Gerüche über weite Strecken wahrnehmen können. So steuern sie zielsicher auf angefaulte Früchte zu, bevor wir Menschen überhaupt erahnen, dass da was faul sein könnte.

Paradiesischer Abfall

Ein wahres Paradies für die Fruchtfliege: Biomüll

Doch die Zweiflügler bedienen sich nicht nur an herumstehenden Kirschen, Pflaumen oder Kartoffeln, sondern werden auch von offenen Getränken, von Süßem wie Marmelade und Essig angezogen. Geradezu paradiesisch für Fruchtfliegen sind herumstehende Biomülltüten oder offene Abfalleimer – sie verhelfen ihnen zu rasend schnell anwachsendem Nachwuchs.

Vorsicht an der Spüle

Auch schmutziges Geschirr ist für Fruchtfliegen attraktiv!

Gern genommene Ziele der Fruchtfliegen sind auch schlecht gereinigte Spülen und Spülmaschinen. Zum einen wegen der Essensreste, die da zu finden sind. Zum anderen aber auch, weil die Filter der Spülmaschine sowohl als Brutplatz als auch als Nahrungsquelle dienen können.

Wie man Fruchtfliegen wieder weg bekommt

Gegen Fruchtfliegen helfen:

- häufiges Lüften, damit die Fliegen auch wieder hinaus können,
- das Verschließen von Getränken und Nahrungsmitteln,
- das Wegräumen von Obst und Gemüse,
- geschlossene, häufig geleerte Abfalleimer,
- das Entsorgen von Biomüll und
- das Sauberhalten der Küche: Einfach öfter Putzen und angefaultes Obst wegwerfen.

Welche chemischen Reaktionen laufen beim Grillen ab?

Warum werden Äpfel braun?

Nur ein Biss

Kaum herzhaft reingebissen, schon schaut der Apfel gräulich aus. Naja, eigentlich wird der Apfel bräunlich. Warum also werden Äpfel braun, wenn sie angebissen oder angeschnitten werden?

Rostende Äpfel?

Wird der Apfel angebissen - oder angeschnitten - kommt Luft an das Fruchtfleisch. Der Apfel beginnt, wie ein alter Nagel zu "rosten". Kein Witz! Rosten ist nichts anderes als eine Reaktion mit Sauerstoff. Man nennt das Oxidation.

Wie unsere Haut

Im Apfel reagieren bestimmte Enzyme, so genannte Phenol-Oxidasen, mit dem Sauerstoff. Diese Enzyme oxidieren und machen den Apfel braun - unsere Haut übrigens auch. Und was kann man dagegen tun? Hausfrauen wissen wie's geht:

Blass & säuerlich

Entweder den Apfel in Salzwasser tunken, mit Essig bestreichen oder mit Zitronensaft beträufeln. Salz und Essig konservieren den "frischen" Apfel, das Ergebnis schmeckt aber komisch. Am besten ist Zitronensaft. Das Vitamin C der Zitrone wirkt als Antioxidans, die Enzyme können nicht mehr mit dem Sauerstoff reagieren. Für die gepflegte Blässe vornehmer Damen hilft die Zitrone aber nicht.

Weiche Kartoffeln aber harte Eier?

Auch nur mit Wasser gekocht

Beide werden auch nur mit Wasser gekocht. Aber warum wird die Kartoffel beim Kochen eigentlich weich, das Ei dagegen hart?

Weiche Kartoffeln

Dahinter stecken hochkomplexe chemische und physikalische Zusammenhänge: Kartoffeln bestehen aus Stärke - Kohlehydrate. Die Molekülketten der Kohlehydrate können das warme Wasser aufnehmen und quellen dabei auf. Wie ein Schwamm, der in Verbindung mit Nässe weich wird, wird auch die Kartoffel weich.

Harte Eier

Eier dagegen bestehen aus Eiweiß - Protein. Die Molekülketten der Proteine bilden ein lockeres Knäuel. Bei Wärmezufuhr klebt es an verschiedenen Stellen zusammen - das Ei wird fest. Im Eidotter dagegen ist noch zusätzliches Fett, das bei Erhitzung schmilzt. Deswegen hat ein perfektes Spiegelei auch einen weichen Dotter.

Warum kocht Milch so leicht über?

Aufbrausend

Man kennt es: Gerade war noch alles in Ordnung im Milchtopf - und plötzlich schäumt die Milch, schießt hoch und kocht über. Aber warum? Wasser kocht doch auch einfach nur vor sich hin.

Zähe Ketten

Die Milcheiweiße flocken durch die Erwärmung aus. Sie bilden lange Molekülketten, die nach oben treiben und dort festere Strukturen ausbilden: Die berühmte eklige Haut auf heißer Milch. Beginnt am Bodentopf das Wasser der Milch zu kochen, steigt Wasserdampf auf - und kann nicht aus der Milch: Die zähen Eiweißketten halten ihn fest.

Wenn Milch sich dick macht

Der gasförmige Wasserdampf bildet mit den zähen Eiweißen den plötzlichen Schaum der kochenden Milch - den man auf dem Cappuccino so liebt. Durch das große Volumen des Gasanteils tritt die Milch über den Topf. Übrigens: Ein bisschen Butter oder Fett am Topfrand soll das Überkochen angeblich verhindern!

Die Frage aller Fragen

Warum ist die Banane krumm?

Weltweit versuchen Wissenschaftler, das Erbgut der Banane komplett zu entschlüsseln. Ist es ein Gen, das die Banane krumm macht?

Darum!

Die Antwort ist eigentlich ganz einfach: Zunächst wachsen die Bananen an der Fruchtstaude gerade Richtung Boden. Doch sobald die Früchtchen unter den großen Deckblättern hervorschauen, werden sie zu Sonnenanbetern. Sie wehren sich gegen die Schwerkraft und wachsen der Sonne entgegen - krumm eben.


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