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Alltagswissen Rätselhafte Technik

Wieso sind die Buchstaben auf der Computer-Tastatur so blöd verteilt? Woher kommt eigentlich das @-Zeichen? Warum machen eigentlich Handy-Akkus bei Kälte so schnell schlapp? Wir haben die Antworten.

Stand: 20.03.2019

halbierte Weinbeeren in der Mikrowelle, Gedankenblase mit drei Fragezeichen  | Bild: colourbox.com; Montage: BR

Warum sind Sitzplätze im Zug so komisch nummeriert?

Chaotische Platznummern bei der Bahn?

Wieso sind Plätze in der Bahn verwirrend nummeriert?

Schon mal länger nach dem reservierten Sitzplatz in der Bahn gesucht? Das ist nicht so einfach wie im Flugzeug. Und es gibt auch keine Logik à la "rechts gerade Nummern, links die ungeraden". Da sitzt die 48 oft neben der 42, die 43 ist auf der anderen Gangseite und vor einem kommt die 51. Aber: Eine Logik hat es doch, sogar eine sehr alte und weit verbreitete. Und wer die kennt, kennt sich beim nächsten Mal gleich besser aus!

Internationales Schubladendenken

Abteil für Abteil

Das gleiche scheinbare Chaos gibt es in Zügen in ganz Europa - und zwar schon seit 1922. Damals war es allerdings noch ganz ordentlich: Abteil für Abteil reihte sich in den meisten Waggons, mit je sechs Sitzplätzen. Abteil 1 mit den Plätzen 1 bis 6, Abteil 2 mit seinen Plätzen 1 bis 6 - so wurden die Platznummern 11 bis 16 und 21 bis 26 geboren. Und damit ein Zug nicht nur von München nach Mailand fahren kann, sondern auch zurück - und auch in Mailand die Plätze richtig reserviert werden, einigte sich Europa auf ein einheitliches Nummerierungssystem.

Gewusst wie!

11, 12, 18?

Heute gibt es zwar in manchen ICEs immer noch Abteile, doch die meisten Plätze stecken in den Großraumwagen. Sind aber dort nach der alten Logik nummeriert: Platz 1 und 2 am Fenster, Platz 5 und 6 am anderen Fenster (im Abteil liegen sie an der Gangseite, in der Richtung zum anderen Fenster), Platz 3 und 4 am Gang. Und neu hinzugekommen: Platz 7 und 8 auch am Gang. Warum allerdings in manchen ICEs die Plätze 7 und 8 nicht neben der 5 und 6 liegen, sondern neben 1 und 2 - dieses Rätsel des Alltags konnten wir nicht klären.

Wer's noch genauer wissen will: In den Wagenskizzen der Deutschen Bahn sind alle Plätze genau aufgezeichnet.

Was kann der Mobilfunkstandard 5G besonders gut?

Wie kommen Plasmablitze in die Mikrowelle?

Ein Internettrend, der nicht nur Augen zum Leuchten bringt

Heutzutage lässt sich nahezu alles in der Mikrowelle zubereiten, aber dass dies auch für Plasmablitze gilt, ist schon etwas verwunderlich.

Ein Trend der etwas anderen Art eroberte in jüngster Zeit das Internet. Für den Versuch braucht man lediglich eine Weintraube und eine Mikrowelle. Es stellte sich nämlich heraus, dass eine fast durchgeschnittene Weintraube, die nur noch von einem kleinen Stück der Haut zusammenghalten wird, wenn man sie in die Mikrowelle legt, ein faszinierendes Leuchten zum Vorschein bringt.  

Neidischer Göttervater und gereizte Physiker

Diese Plasmablitze dürften selbst Zeus, den Göttervater, neidisch zurücklassen, aber sie sind auch aus ganz rationaler, naturwissenschaftlicher Perspektive sehr reizvoll. Und so machte sich, nachdem bereits einige Hobbyphysiker sich daran versucht, aber keine befriedigenden Ergebnisse produziert hatten, ein internationales Physikerteam einer kanadischen Universität an des Rätsels Lösung.

Die "μ~" Mikrowelle

Normalerweise erhizt eine Mikrowelle etwas durch elektromagnetische Wellen mit Wellenlängen im Mikrometerbereich. Daher kommt auch der Name. Die durch diese Wellen übertragene Energie heizt einen Gegenstand in seinem Mittelpunkt am stärksten auf. Dies geschieht, weil Wellen grundsätzlich die Eigenschaft haben, sich gegenseitig zu überlagern.

Die perfekte Welle und der neue Hotspot

Wenn die beiden Traubenhälften nun aber so nah beieinander liegen, führt das unweigerlich zu dem Effekt der Überlagerung der erhitzenden Wellen, der sogenannten Interferenz. Dies hat zur Folge, dass sich der heißeste Punkt, der Hotspot, aus dem Mittelpunkt der jeweiligen Traubenhälfte hin zum Mittelpunkt zwischen den beiden Traubenhälften, der auf der Hautbrücke liegt, verschiebt.  

Wie entsteht das Plasma

In diesem neuen Hotspot wirkt die relativ große Wärmeenergie fokussiert auf einen relativ kleinen Punkt. Und diese Energie, definiert als die Fähigkeit Arbeit zu verrichten, bleibt nicht ohne Wirkung. Sie stößt, bildlich gesprochen, die äußersten Elektronen aus den Natrium- und Kaliumatomen der Weintraubenhaut und einem Teil der Umgebungsluft heraus. Dadurch sind diese Atome nicht mehr elektrisch neutral und werden zu einem leitfähigen Plasma.

Und dann geht ihnen ein Licht auf

In dieser ionisierten Plasmawolke können sich die Elektronen und Atomkerne nun weitestgehend frei bewegen. Wenn diese dann zufällig kollidieren, wird dabei Energie in Form von Lichtblitzen frei, die wir sehen und bestaunen können.  

Die Publikation

Dies publizierte das Team um Aaron Slepkov von der kanadischen Trent University Peterborough in Ontario im Fachmagazin der US-nationalen Akademie der Wissenschaften namens „Proceedings“ im Februar 2019. Sie stellten ebenfalls klar, dass weder die Form der Weintrauben noch die Hautbrücke an sich von zentraler Bedeutung für die Entstehung des Plasmas sind. Wirklich relevant sind die Entfernung zwischen den Trauben beziehungsweise die Verbindung und der hohe Wasseranteil dieser oder vergleichbarer Gegenstände. So konnten auch aus zwei mit Wasser gefüllten Wachteleiern, verbunden mit Thermopapier, Plasmablitze generiert werden.

Zukünftig soll durch ihre Forschung eine höhere Auflösung bei Bildgebungsverfahren mit Licht im Mikrowellenbereich möglich sein, so die Forscher.

Warum ist die Tastatur nicht alphabetisch angeordnet?

Merkwürdige Verteilung

Schon wieder ein X für ein U? Am liebsten würde man die Tastatur gegen die Wand knallen! Wieso müssen die Buchstaben auch so merkwürdig verteilt sein?! Warum sind sie nicht einfach alphabetisch angeordnet?

Der Haken an der Sache

Christopher Sholes, der sich die Schreibmaschine 1868 patentieren ließ, hatte die Buchstaben tatsächlich nach dem ABC angeordnet. Doch die Hebel seines Typewriters verhakten sich ständig, wenn benachbarte Tasten zu rasch hintereinander gedrückt wurden. Deshalb verteilte er die häufigsten Buchstaben in der Englischen Sprache - E, T, O, A, N und I - möglichst weit im Halbrund.

Scherz mit Qwertz

Versteckter Scherz - mit Qwertz

Auch einen kleinen Gag erlaubte sich der Erfinder Sholes: Die Buchstaben für das Wort TYPEWRITER platzierte er in der obersten Reihe. Auf unseren deutschen Tastaturen sind jedoch Y und Z vertauscht: Weil das Z häufiger gebraucht wird, rückte es vom ungünstigen kleinen Finger hinauf zum flinken Zeigefinger. Fertig war die QWERTZ-Tastatur.

Warum entladen sich Handy-Akkus bei Kälte?

Speicherkapazität sinkt bei Kälte

Sinken die Temperaturen unter den Gefrierpunkt, gibt der Smartphone-Akku eher auf. Schuld daran ist die Chemie der Lithium-Ionen-Akkus: Je kälter es ist, desto langsamer laufen die elektrochemischen Prozesse in ihrem Inneren ab, erläutert der Batterieforscher Holger Althues vom Fraunhofer-Institut für Werkstoff- und Strahlentechnik in Dresden.

Kälte lässt die Spannung sinken

Genauer gesagt: Die Elektrolytflüssigkeit läuft bei Minusgraden zäher. Die Lithium-Ionen können sich so nicht mehr schnell genug von Kathode zu Anode bewegen. Dadurch nimmt der Innenwiderstand zu. Der Akku braucht jetzt viel Strom. Die Spannung nimmt durch die Kälte aber stetig ab. Bevor die Akku-Kapazität endgültig erschöpft ist, schaltet sich das Smartphone vorsorglich selbst aus - eine reine Schutzmaßnahme, um Schäden am Akku zu verhindern.

Elektroautos bei Kälte - auch sie machen eher schlapp

Ähnlich ist es bei Elektroautos: Auch sie machen in der Kälte aus dem gleichen Grund schlapp. Beruhigend ist allerdings: Sobald sich der Akku - egal, ob vom Smartphone oder Elektroauto - wieder aufwärmt, hat er genauso viel Speicherkapazität wie vorher.

Wie funktionieren Silvester-Raketen?

Woher kommt das @-Zeichen?

Wer hat's erfunden?

Zoologisch gesehen hat der Klammeraffe dünne Gliedmaßen, einen langen Schwanz und lebt in Südamerika. Sein typografischer Namensvetter hierzulande hat die Form eines "a" mit Kringel außen herum. Verbreitungsgebiet: Auf der Tastatur unterm Q und in jeder Emailadresse.

Im Handel zuhause

Drückt man auf der Windows Tastatur "Strg und Alt und q" oder "Alt Gr und q" tritt das @ zum Vorschein und wird als Trennzeichen von Name und Internetdomäne einer Emailadresse verwendet. Das war nicht immer so. In England war @ ein Begriff der Handelssprache. Drei Äpfel @ 15 Cent. Ein Zuordnungszeichen wie das französische à. Im Zeitalter der Schreibmaschine fand das @ für diese Verwendung den Weg auf die Tastatur, bis es wieder neu entdeckt wurde.

@ gab's schon im Mittelalter

Obwohl man damals von elektronischen Briefverkehr noch keine Ahnung hatte: im Mittelalter schrieb man auch schon mit dem @. Federkiel, Platznot und Bequemlichkeit führten dazu, dass die Schreiber abkürzten, was man abkürzen konnte. So verschmolzen die Buchstaben a und d des lateinischen Wortes ad (= zu) zum @.

Völlig namenlos

1972 suchte der amerikanische Programmierer Ray Tomlinson nach einem Trennungszeichen für das Kodieren von Emailadressen. Das Zeichen durfte kein Buchstabe oder Ziffer sein, damit es in keinem existierendem Namen vorkommt. Tomlinson fand auf seiner Tastatur das @-Zeichen und übertrug ihm seine neue Bedeutung.


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