Wissen


5

Alltagswissen Babys geben Rätsel auf

Gibt es einen speziellen Baby-Geruch? Ändert sich bei allen Babys die Augenfarbe? In welchem Alter erkennen sich Kleinkinder im Spiegel? Wieso sprechen Eltern so seltsam mit ihren Kindern? Haben Babys einen Tauchreflex? Hier gibt's die Antworten!

Stand: 12.03.2018

Alltagswissen: "Warum duften Babys so gut?" | Bild: colourbox.com, Montage: BR

Gibt es tatsächlich einen typischen Baby-Geruch?

Babys riechen gut?!

Babys pupsen, machen in die Windel und erbrechen halbverdaute Milch. Und trotzdem finden viele Menschen, dass Babys einfach gut riechen. Manche Eltern sagen, wie Milch mit Honig, andere wie Erdbeeren. Stimmt das? Gibt es einen speziellen Baby-Geruch tatsächlich?

Gerüche beeinflussen uns

Menschen sind durch Gerüche beeinflussbar. Ein guter Baby-Geruch könnte ein biologischer Schutzmechanismus sein. Vielleicht schickt ein Baby den Eltern per heimlicher Duft-Botschaft ein "Hab mich lieb!". Das könnte seine Überlebenswahrscheinlichkeit steigern - wenn es die Eltern um den Schlaf bringt und ansonsten eher unangenehme Duftnoten produziert.

Pheromone im Tierreich

Bei Tieren kennt man viele solcher Geruchs-Botenstoffe, sogenannte Pheromone. Experten gehen davon aus, dass es solche Duftstoffe, die ein bestimmtes Verhalten auslösen, auch bei uns gibt. Aber die Wirkung ist, wenn, eher dezent. Und nicht wirklich gut erforscht. Einen typischen "Baby-Geruchsstoff" hat man zum Beispiel bislang nicht finden können.

Jedes Baby riecht anders

Was man jedoch weiß: Neugeborene haben einen individuellen Körpergeruch. Mehrere Studien zeigten, dass Mütter bereits nach wenigen Tagen den Geruch ihres eigenen Babys von dem anderer Babys unterscheiden können. Die meisten Mütter finden Baby-Geruch angenehm - nicht nur den des eigenen Kindes. Auf Hirn-Scans erkennt man, dass das Gehirn einer Mutter beim Schnuppern an einem Baby reagiert. Der Baby-Geruch scheint das Belohnungssystem anzusprechen.

Warum riechen Eltern an ihren Kinder?

Japanische Wissenschaftler wollten per Fragebogen herausfinden, warum Eltern überhaupt an ihren Kindern riechen. Laut ihrer Studie gibt es hierfür zwei Gründe.
Einerseits schnuppern Eltern aus einem impulsiven Bauchgefühl heraus an ihrem Kind: "Weil ich das Baby lieb habe und es gut riecht."
Andererseits riechen Eltern auch ganz pragmatisch zur Kontrolle an ihrem Nachwuchs: "Weil ich herausfinden will, ob das Baby schmutzig ist."
Das erstere, gefühlsgesteuerte Riechen finden meistens am Kopf statt, das pragmatische Riechen am anderen Ende: am Po.

Uns gefällt, wenn Babys gut riechen

Es scheint also durchaus einen speziellen Baby-Geruch zu geben, der von den meisten Menschen als angenehm empfunden wird. Allerdings weiß man noch nicht, was genau den Geruch angenehm macht. Es ist durchaus möglich, dass ein bestimmter Duftstoff dafür sorgt, dass wir Babys gut riechen können - und einfach gern haben müssen.

Haben Babys einen Tauchreflex?

Plumps

Es heißt, Babys haben einen Tauchreflex. Sie hielten automatisch die Luft an, wenn sie unter Wasser sind. Stimmt das?

Blubb Blubb?

Den sogenannten Tauchreflex gibt es wirklich. Wenn Wissenschaftler davon reden, meinen sie aber meist eine Verlangsamung des Herzschlags, wenn kaltes Wasser ins Gesicht spritzt. Bei der Robbe ist er deutlich stärker ausgeprägt als beim Menschen. Tauchen Robben, verlangsamt sich ihr Herzschlag auf zehn Schläge pro Minute. Bei Babys nimmt dieser Reflex ab dem sechsten Monat ab. Die meisten Einjährigen haben ihn aber noch. Wenn Kinder bewusst gelernt haben, die Luft anzuhalten, brauchen sie den Reflex nicht mehr.

Reflexe

Was man bei Babys Tauch- oder auch Atemschutzreflex nennt, ist eigentlich Luftanhalten. Sie hören automatisch auf zu atmen, wenn ihr Gesicht nass wird. Das machen Babys allerdings auch, wenn man ihnen ins Gesicht pustet. Irgendetwas Fremdes im Gesicht: Das geht ja gar nicht! Zusätzlich verschließen Babys unter Wasser automatisch die Stimmritze im Kehlkopf. Das schützt davor, Wasser einzuatmen. Auch Erwachsene machen das noch.

Gefahr Wasser

Die Reflexe schützen Babys nicht vor dem Ertrinken. Schwimmen können sie auch nicht automatisch. Die reflexartigen Bewegungen sehen nur so aus. Die Bundearbeitsgemeinschaft "Mehr Sicherheit für Kinder" sagt es ganz deutlich: Ein Kind unter drei Jahren kann in Wasser ertrinken, das nur fünf Zentimeter - also weniger als eine Handbreit - tief ist. Viele Eltern wissen das nicht. Schwimmflügel oder -reifen sind also auch im Planschbecken keine übertriebene Schutzmaßnahme.

Wieso sprechen Eltern so seltsam?

Happa-Happa?

"Jetzt gibt's Happa Happa, und dann ab in die Heia." Wenn Eltern mit kleinen Kindern reden, sprechen sie ganz anders als mit Erwachsenen. Wieso machen die das und was genau ändern sie?

Langsamer, deutlicher, höher

Für die seltsame Art, wie Eltern mit ihren Kindern sprechen, gibt es sogar einen wissenschaftlichen Namen: "babytalk" oder "infant-directed speech". Im Kontakt mit Kindern verfallen Eltern unbewusst in eine andere Art zu sprechen. Dabei ändern sie einiges: Eltern benutzen eine einfachere Grammatik, machen längere Pausen, klingen freundlicher, sprechen in einer höheren Tonlage, variieren die Tonhöhe stärker und sprechen Vokale deutlicher aus.

Eigentlich reden sie so ähnlich, wenn sie mit Menschen reden, die unsere Sprache nicht so gut beherrschen. Offensichtlich sprechen Erwachsene langsamer, deutlicher und höher, wenn sie ihrem Gegenüber das Verständnis erleichtern wollen. Kindern helfen sie damit beim Sprechenlernen.

Tut-Tut

Eltern sprechen aber nicht nur besonders, sie benutzen auch besondere Wörter: Happa-Happa, Tut-Tut, Wau-Wau. Übrigens nicht nur bei uns, sondern in vielen Sprachen. Meist werden die lautmalerischen Baby-Wörter, sogenannte "Onomatopoetika", parallel zu den richtigen Wörtern benutzt, also "Hund" und "Wau-Wau". Experten nehmen an, dass die Lautmalerei Kindern beim Sprechenlernen hilft. Kinder scheinen Wörter einfacher zu lernen, wenn Klang und Bedeutung zusammenhängen. Das legen Studien nahe.

Ab wann erkennen sich Babys im Spiegel?

Huch, wer ist denn da?

Babys entdecken die Welt mit großen Augen - sie sehen ja schließlich alles zum ersten Mal! Besonders fasziniert sind sie von Spiegeln. Wer ist denn da plötzlich und schaut so neugierig zurück?

Wir wissen, dass wir im Spiegel uns selbst sehen. Und Kinder? Ab wann erkennen sie sich selber im Spiegel?

Du hast da was ... äh ich ...

Kleinkinder kann man nicht einfach fragen, wen sie im Spiegel sehen. Deshalb wird es getestet - zum Beispiel, in dem man den Kindern einen roten Fleck auf die Nase klebt.

Wenn der kleine Versuchsteilnehmer dann in den Spiegel schaut und sich überrascht an die Nase fasst, gehen manche Forscher davon aus, dass er begriffen hat, dass der rote Punkt des Gegenübers auf der eigenen Nase sitzt.

Die Krux mit dem roten Punkt

Etwa die Hälfte der Kinder erkennt sich mit eineinhalb Jahren - mit dem roten Punkt auf der Nase - selbst im Spiegel. Bei Zweijährigen sind es schon mehr als 70 Prozent. Allerdings gibt es auch Sechsjährige, die zwar sagen können, wen sie da im Spiegel sehen, aber den roten-Punkt-Test nicht bestehen.

Der Test ist deshalb mit Vorsicht zu interpretieren: Es ist nicht klar, was er wirklich misst. Vielleicht erkennen sich Kleinkinder schon viel früher im Spiegel, interessieren sich aber nicht für einen roten Punkt auf der Nase?

Vielleicht gehört das ja so?

Es kommt außerdem darauf an, was das Kind "normal" findet. In einem ähnlichen Versuch wurde Kleinkindern ein gelbes Post-it auf die Stirn geklebt. Die Hälfte der eineinhalbjährigen Kinder erkannte sich im Spiegel und zog sich den Aufkleber vom Hirn.

Trugen allerdings auch das anwesende Elternteil und der Wissenschaftler ein solches Post-it auf der Stirn, ließen viel mehr Kinder ihren Aufkleber dran - oder klebten ihn sogar wieder an, nachdem sie ihn zuerst abgenommen hatten.

Im Baby-Kino sind Eltern die Stars

Es gibt auch noch andere Tests, mit denen Wissenschaftler herausfinden wollen, ab wann sich Kinder selbst erkennen. In einer Studie wurden zum Beispiel fünf und acht Monate alten Babys Videos und Standbilder gezeigt - von sich selbst, von einem Elternteil und von einer Puppe.

Alle Babys verfolgten Videos von ihrem Elternteil am aufmerksamsten. Bei den Standbildern war es anders: Die jüngeren Babys schauten länger auf die Bilder, auf denen sie selbst zu sehen waren. Die älteren Babys beäugten lieber ihre Eltern.

Es bleibt spannend - und immer lustig!

Auf die Frage, ab wann sich Babys im Spiegel erkennen, gibt es je nach Versuchsaufbau ein anderes Ergebnis. Eine allgemeingültige Antwort darauf gibt es keine - noch dazu, weil auch jedes Kind anders tickt.

Am besten, Sie probieren es mit Ihrem Wonneproppen einfach aus - lustig ist es immer, egal, in welchem Alter!

Haben alle Babys anfangs blaue Augen?

Ich schau dir in die Augen, Kleines

Etwas ziellos, kugelrund und umrahmt von langen Wimpern - so schauen uns Baby-Augen an. Oder eben noch nicht an, sondern knapp an uns vorbei. Aus blauen Augen, oder? Sind nicht alle Baby-Augen am Anfang blau?

Und warum ist das so?

Von wegen!

Nicht alle Babys haben blaue Augen

Nein, nicht alle Babys haben blaue Augen. Dunkelhäutige oder auch nur dunkelhaarige Babys haben meist auch braune Augen, von Geburt an. Und selbst bei hellhäutigen Babys schaut nur jedes zweite aus blauen Augen in die Welt, das zeigte eine Studie der kalifornischen Stanford-University im Jahr 2016.

Wie sich die Augenfarbe ändert

Aufbau des Auges

Tatsächlich ändert sich bei vielen blauäugigen Babys später die Augenfarbe. In die Iris, die Regenbogenhaut rings um die Pupille, werden Pigmente eingelagert. Wie bei Haut und Haaren ist es das Protein Melanin, das die Augen braun oder gar schwarz werden lässt. Weniger Melanin lässt grüne Augen entstehen. Und wer kommt mit blauen Augen davon?

Blaue Augen - da fehlt etwas

Täuschend blau

Blaue Augen sind in Wirklichkeit farblose Augen. Die Stroma, das Bindegewebe der Iris, besteht eigentlich aus einer trüben, farblosen Substanz. Sie streut das einfallende Licht. Die blauen, kurzwelligen Anteile werden dabei viel weiter gestreut und vor dem dunklen Augenhintergrund sichtbar. Den Beobachter strahlt ein blaues Auge an.

Ein ganz persönlicher Augen-Blick

Einzigartig

Die Pigment-Einlagerung in den ersten Lebensmonaten verändert die Struktur der Stroma, auf eine zufällige Art und Weise, sehr individuell: Die Iris eines Menschen ist ebenso unverwechselbar wie ein Fingerabdruck. Selbst eineiige Zwillinge haben nicht dieselbe Iris-Struktur. Programme zur automatischen Iris-Erkennung können etwa 260 verschiedene Merkmale in der Iris identifizieren.

Ein Leben lang

alte Augen, blasse Augen?

Im Alter von etwa sechs Jahren ist die Pigmenteinlagerung abgeschlossen und die Augenfarbe eines Menschen ändert sich nicht mehr. Gegebenenfalls dunkeln die Augen in der Pubertät noch etwas nach. Im hohen Alter können dann die Augen wieder etwas heller werden: Sie verblassen durch Pigmentverlust, so wie auch die Haare grau oder weiß werden.

  • Warum haben Babies blaue Augen? W wie Wissen, 19.06.2019 um 21:45 Uhr, ARD-alpha
  • Gibt es einen Baby-Geruch? IQ - Wissenschaft und Forschung, 12.03.2018 um 18:05 Uhr, Bayern 2

5