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Akustikforschung Damit der Keks schön knuspert

Ist der Keks richtig kross, wenn wir abbeißen? Schließt die Autotüre satt? Wie knackt das Wiener Würstchen? All das interessiert Akustikdesigner, denn wenn ein Produkt so klingt, wie es aussieht, dann wird es auch wieder gekauft.

Von: Susi Weichselbaumer/Yvonne Maier

Stand: 02.05.2018

Frau beißt in einen Butterkeks, der hoffentlich gut klingt. | Bild: colourbox.com

Wie klingt ein Keks, damit er uns auch schmeckt? Das ist die Frage, die sich Marktforschungsinstitute in den letzten Jahren immer häufiger stellen. Neben Verpackung und Preis ist der Klang ein überraschend wichtiger Faktor dafür, ob wir ein spezielles Produkt wieder einkaufen.

"Stellen sie sich vor, sie beißen in ein Brötchen, das keine knusprige Kruste hat, und sie beißen ins Nichts. Oder sie beißen in einen Apfel, der nicht mehr knackig ist, das ist ganz elementar für die Akzeptanz und das Qualitätsempfinden des Lebensmittels."

Steffen Weise, Produktentwickler Gebäck, Bahlsen, Hannover

Jede Generation mag andere Geräusche

Wie zum Beispiel ein Keks klingt, hat viel mit seiner Herstellungsweise zu tun, zum Beispiel dem Buttergehalt oder wie lange sein Teig geknetet wurde. Kurios: Geräuschfragen sind Generationenfragen.

"Ältere Menschen können eben hochwertige Gebäcke durchaus eher noch mit Sahne, Butter und guten Zutaten und damit harmonischen Klangbildern in Verbindung bringen, wohingegen junge Menschen eher die knackigen Chips oder Bonbons im Hintergrund haben."

Steffen Weise, Produktentwickler Gebäck, Bahlsen, Hannover

Psychoakustik heißt das Feld, das sich mit der Wirkung von Klängen auf den Menschen befasst. Es ist noch ziemlich jung, die Forschung weiß wenig über die Verarbeitungsweise von Emotionen und Klängen im Gehirn.

"Wir vergleichen sicherlich die verschiedenen Geräusche mit unserer Erfahrung, mit angenehmen Geräuschmustern, die wir in unserem Leben schon mal wahrgenommen haben. Und wenn dieses Produkt uns in angenehmer Erinnerung war mit dem zugehörigen Soundmuster, dann werden wir das auch bei einem neuen Produkt so annehmen und als angenehm empfinden."

Gerhard Krump, Professor für Akustik und Mediendesign, Hochschule Deggendorf

Satt klingende Autotüren

Ein klassisches Beispiel für die Psychoakustik ist das Auto. Wenn man bei einem teuren Sportwagen die Türe schließt, klingt das anders als bei der Familienkutsche. Bei Elektroautos ist die Akustikforschung unerlässlich. Einerseits damit der Besitzer das Gefühl bekommt, das Fahrzeug hat genügend PS unter der Haube. Andererseits für die Fußgänger am Straßenrand, die normalerweise ein Elektroauto gar nicht hören würden, weil es geräuschlos fährt. Sogar Rasierapparate und Föns werden von Psychoakustikern eingestellt.

"Ein Rasierapparat darf nicht zu rau klingen, er muss angenehm sein, darf nicht zu laut sein. Ein Fön darf nicht zu scharf klingen, weil er sonst einfach lästig und störend klingt."

Gerhard Krump, Professor für Akustik und Mediendesign, Hochschule Deggendorf

Insgesamt interessiert die Forschung: Wie wird ein objektiver, physikalischer Reiz - die Schallwelle - subjektiv, also im Ohr des Hörers, wahrgenommen? Wie stark setzt sich die Rauigkeit oder die Schärfe eines Geräuschs durch?

Verpackung klingt auch

Die richtige Akustik für ein Produkt liegt aber darüber hinaus in der Verpackung verborgen, auch hier zählt der richtige Sound. Klingt die Tüte "wertig", wenn man sie aus dem Supermarktregal nimmt, dann hat der Inhalt eine Chance, vom Kunden verspeist zu werden.

"Wenn Sie im Supermarkt ein Billigprodukt kaufen, dann stellen Sie oft fest, dass diese Verpackung sehr stark dazu neigt, helle, unangenehme Knistergeräusche zu machen. Wogegen die Markenprodukte eine sehr solide, feste Folie haben, die man kaum hört, wenn man sie öffnet."

Steffen Weise, Produktentwickler Gebäck, Bahlsen, Hannover

Rund 80 Prozent der Kunden orientieren sich an der äußeren Aufmachung eines Produktes und die muss somit auch die Qualität des darin liegenden Produktes widerspiegeln.

Wiener Würstchen knackt zweimal

Wiener Würstchen mit Senf - nur echt mit lautem Knack.

Übrigens: Quasi der Prototyp eines akustisch optimierten Lebensmittels ist das Wiener Würstchen. Es wurde 1805 von Johann Georg Lahner erfunden. Wenn man nur daran denkt, wie das knackt, bekommt man schon Lust, es zu essen. Das charakteristische Knackgeräusch entsteht beim Abbeißen übrigens zweimal. Einmal knackt es, wenn der Oberkiefer die Wursthaut durchbeißt, ein zweites Mal, wenn die Zähne des Unterkiefers die Haut zum Platzen bringen. Ohne den richtigen Knack ist ein Wiener Würstchen einfach nur eine Wurst.

  • Akustikforschung bei Lebensmitteln - Das Ohr isst mit: am 03.05.2018 um 9:05 Uhr, radioWissen, Bayern 2

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