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Wissenschaftsjahr 2016/17 "Plastikpiraten" finden viel zu viel Müll an den Flüssen

Wie viel Plastikmüll, Zigaretten und Flaschen schwimmen in unseren Bächen und Flüssen? Um das herauszufinden, haben rund 350 Schulklassen zum Wissenschaftsjahr "Meere und Ozeane" an der Aktion "Plastikpiraten" teilgenommen. Ihre Bilanz ist traurig!

Stand: 28.12.2017

Wissenschaftsjahr 2016/17: Aktion Plastikpiraten: Probenahme | Bild: BMBF Wissenschaftsjahr 2016/17

Die erschreckende Bilanz ist, dass an fast allen untersuchten Fließgewässern Müll gefunden wurde: im Durchschnitt 0,66 Müllteile pro Quadratmeter Flussufer – das entspricht etwa 33 Müllteilen pro 50 Quadratmeter. Am häufigsten gefunden wurden Plastik und Zigarettenstummel. Insgesamt beteiligten sich 349 Schulklassen und Jugendgruppen im Herbst 2016 und Frühjahr 2017 an der Aktion zum Wissenschaftsjahr 2016/17.

Plastikpiraten auf der Jagd nach Plastikmüll

Die jugendlichen Plastikpiraten zwischen zehn und 16 Jahren haben dabei bundesweit von der Weser, der Elbe, dem Rhein, von Flüssen, die in Nord- und Ostsee münden, sowie der Donau und ihren Zuflüssen Daten erhoben. In Deutschland gibt es zur Verschmutzung der Fließgewässer bisher erst wenige Untersuchungen. Ausgewertet wurden die Daten der fast 5.500 teilnehmenden Jugendlichen von der Kieler Forschungswerkstatt gemeinsam mit der chilenischen Universität Católica del Norte. Die Ergebnisse sind ernüchternd.

Großen Flüsse am stärksten verschmutzt

Müllsammlung der "Plastikpiraten" von der Elbe-Jeetzel-Schule Danneberg

Am stärksten verschmutzt sind demnach die großen Flusssysteme: Elbe und Rhein sowie ihre Zuflüsse lagen mit rund 0,80 und 0,75 Müllteilen pro Quadratmeter über dem bundesweiten Durchschnitt. In einem Ausnahmefall wurden an einem Nebenfluss des Rheins sogar bis zu 24,6 Müllteile pro Quadratmeter gefunden.

Die Donau lag mit 0,63 Müllteilen pro Quadratmeter Uferfläche etwa im Bundesdurchschnitt. Das Flusssystem Weser und die Zuflüsse der Ostsee waren dagegen mit 0,34 Müllteilen pro Quadratmeter und 0,28 Müllteilen pro Quadratmeter deutlich sauberer.

Plastik, Zigarettenstummel, Glasscherben

Die Auswertung zeigt auch: Am häufigsten werden Plastikgegenstände wie Verpackungen und Plastikflaschen sowie Zigarettenstummel einfach weggeworfen oder liegen gelassen. 30 Prozent des gefundenen Mülls bestand aus Plastik. 22 Prozent stammten von Zigaretten und 14 Prozent waren aus Glas. Auch gefährlicher Müll wie Glasscherben, verrottete Speisereste, benutzte Hygieneartikel und scharfkantiges Metall wurden von fast allen Gruppen entdeckt.

Plastik verrottet kaum

Aber auch alte Fahrräder, Fernseher und ein bemooster Gartenzwerg waren unter den Funden. Das Alter einer "Capri-Sonne" konnte eine Jugendgruppe mithilfe des Haltbarkeitsdatums ungefähr herausfinden: Seit fast 20 Jahren war die Verpackung demzufolge schon als Müll unterwegs und damit älter als deren Finder. Ein Beispiel dafür, wie lange Plastik "überleben" kann, beziehungsweise wie lange es dauert, bis es verrottet.

Partymüll an der Flussböschung

Den meisten Müll entdeckten die Jugendlichen in den Flussböschungen, gefolgt vom Flussrand. Deshalb vermuten die Wissenschaftler, dass Flussbesucher ihren Party- und Picknickmüll einfach achtlos liegen lassen. Gefunden wurden aber auch illegal entsorgte Müllsäcke und Haushaltsmüll. Deutlich wurde dabei, wie sehr auch die Menschen im Binnenland zur Plastikvermüllung der Meere beitragen.

Mehr Bewusstsein für Müll-Problem

Bei den teilnehmenden Jugendlichen habe der persönliche Einsatz bereits in vielen Fällen zum Umdenken im Alltag geführt, resümiert Ellen Flemisch, Lehrerin einer teilnehmenden Münchner Schule.

"Beim Einkaufen mit den Eltern achten viele nun sehr darauf, Plastik, soweit es geht, zu vermeiden."

Ellen Flemisch, Lehrerin an einer Integrativen Montessori Schule in München

Mit der bundesweiten Aktion "Plastikpiraten – das Meer beginnt hier" wollte das Bundesministerium für Bildung und Forschung im Rahmen des Wissenschaftsjahrs 2016/17 ein Bewusstsein bei den Jugendlichen dafür schaffen, dass es unser Müll ist, der über die Flüsse, Bäche und Gewässer in den Ozeanen landet. Beteiligt haben sich 88 Gruppen aus Nordrhein-Westfalen, 50 aus Bayern, 43 aus Baden-Württemberg sowie jeweils fünf aus Mecklenburg-Vorpommern und dem Saarland.


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