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"PotAS" fordert die Wintersportverbände 151 Fragen für die Leistungssportreform

Die Weichen für die sportliche Zukunft in Deutschland sollen mit der Leistungssportreform neu gestellt werden. Dabei wird das Potenzialanalyse-System "PotAS" eingesetzt. Die Wintersportverbände waren als erste gefordert vom 151-Fragenkatalog.

Stand: 22.05.2018

Im März wurde das viel diskutierte Potenzialanalyse-System "PotAS" als Teil der Leistungssportreform in Deutschland offiziell auf den Weg gebracht. Zentrales Ziel der Leistungssportreform, die im Mai 2017 vorgestellt wurde: Natürlich die Zahl der Erfolge, sprich: Medaillen, bei internationalen Sportevents zu erhöhen. Betroffen sind zunächst nur die Wintersportverbände, die bis heute (22.05.2018) einen Katalog mit 151 Fragen beantworten mussten. Diese ergeben sich aus den wichtigsten strukturellen Merkmalen der Verbände, die in 16 Hauptattribute und 53 Unterattribute zusammengefasst sind.

Die Antworten auf die Fragen werden von einem fünfköpfigen Expertengremium, zu dem als Athletenvertreterin Fecht-Olympiasiegerin Britta Heidemann gehört analysiert. Abhängig davon werden die einzelnen Verbände in drei verschiedene Förderstufen eingeteilt: Exzellenzcluster, Potenzialcluster und Entwicklungscluster. Das soll jährlich inklusive "PotAS" etwa 700.000 Euro kosten.

"PotAS kann unheimlich hilfreich sein und wird dazu führen, dass wir an vielen Stellen Fortschritte machen", sagte Alfons Hörmann, Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) kürzlich. Doch das System sorgte seit seiner Einführung für kontroverse Diskussionen - zum einen zwischen DOSB und Bundesinnenministerium (BMI), weil es natürlich auch ums liebe Geld geht. Zum anderen unter den Athleten.

DOSB kontra BMI

"Unsere Überzeugung ist und bleibt, dass ein Mittelaufwuchs, der weit über dem liegt, was jetzt in Aussicht gestellt ist, notwendig sein wird, um das gesamte Reformpaket umzusetzen. Wenn das nicht der Fall ist, können bestimmte Themen schlicht nicht umgesetzt werden", sagte Hörmann. Deutschlands oberster Sport-Funktionär ist unzufrieden mit den in Aussicht gestellten Finanzmitteln.

Der Bundesrechnungshof (BRH) hat das BMI zu einem vorsichtigen Umgang mit den Fördergeldern aufgerufen. Nach Einschätzung der Bundesbehörde sei eine Erhöhung der Fördersumme nur berechtigt, wenn es strukturelle Veränderungen durch die bereits angelaufene Reform zur Spitzensportförderung gebe. Das BMI hatte Anfang Mai bestätigt, dass für den Sportetat 2018 keine zusätzlichen Gelder zur Verfügung gestellt werden. Derzeit erhält der deutsche Spitzensport rund 170 Millionen Euro jährlich, 2019 sollen der Etat um 30 Millionen Euro pro Jahr steigen. Der DOSB hatte dagegen angeblich rund 60 Millionen Euro mehr für 2018 beantragt, 2019 sollten es 90 Millionen Euro, 2020 sogar 120 Millionen Euro mehr sein.

Hörmann kontra Seehofer

Ende April waren zudem Teile eines Briefes von Hörmann an Bundesinnenminister Horst Seehofer durch den ARD-Journailsten Hajo Seppelt an die Öffentlichkeit gelangt. "Aus unserer Sicht ist durch die neuen Verantwortlichkeiten jetzt genau der richtige Zeitpunkt gegeben, um die Notwendigkeit der Leistungssportreform, die damit verbundenen Ziele und die Ansatzpunkte nochmals kritisch zu reflektieren und ggf. Anpassungen und Änderungen vorzunehmen", schrieb Hörmann an Seehofer: "In der derzeitigen Aufstellung scheint uns eine Umsetzung, wie ursprünglich geplant, schlichtweg nicht machbar und deshalb sollten wir zeitnah nach gemeinsamen Lösungen suchen." Der DOSB halte es für "dringend geboten, dass wir uns im engsten Kreis dazu in aller Offenheit verständigen." Ist die Reform also - mangels Geld - schon gescheitert, bevor sie richtig in Fahrt gekommen ist?

Reform kontra Sportler

Ohnehin kritisch wird die Spitzensportreform von den Betroffenen, den Sportler gesehen. Denn der 151-Fragen-Katalog lässt vor allem einen Faktor ganz außen vor: den Faktor Mensch. Gerade in kleineren Verbänden ruhen Sieg- und Medaillenhoffnungen auf einzelnen Sportlern. Aber was tun, wenn sich Leistungsträger verletzen, Großereignisse verpassen - und die vermeintlichen Sieggaranten unter den Verbänden mit leeren Händen dastehen? Die menschliche Komponente wird bei "PotAS" nicht berücksichtigt, im Mittelpunkt aller Analysen stehen die einzelnen Verbände als Ganzes.


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