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Kraftzuwachs nachgewiesen Spinat im Visier der Dopingfahnder

Kommt die in der Spinatpflanze enthaltene Substanz Ecdysteron bald auf die Dopingliste? Eine Studie der Freien Universität Berlin liefert neue Erkenntnisse und könnte eine Regelreform erforderlich machen.

Stand: 24.06.2019

Spinat - bald auf der Dopingliste? | Bild: picture-alliance/dpa

In Deutschland ist erstmals eine Leistungssteigerung durch Spinat in Verbindung mit Training nachgewiesen worden. Unterstützt von der Welt-Anti-Doping-Agentur WADA wurde an der Freien Universität Berlin eine groß angelegte Humanstudie durchgeführt. Dabei wurden Sportlern während eines zehnwöchigen Krafttrainings die in der Spinatpflanze enthaltene Substanz Ecdysteron verabreicht.

Das Ergebnis, ein dreimal so hoher Kraftzuwachs im Vergleich zur Placebo-Gruppe, überraschte selbst die Leiterin der Studie, Prof. Dr. Maria Parr, vom Institut für Pharmazie der FU Berlin. "Unsere Hypothese war, dass wir eine Leistungssteigerung sehen, aber dass die so groß sein würde, das hatten wir nicht erwartet", sagt Parr im Interview mit der ARD-Radio-Recherche Sport und ARTE Re/BR DokThema.

Ecdysteron bald auf der Dopingliste?

Die Professorin hat der WADA deshalb empfohlen, Ecdysteron auf die Dopingliste zu setzen. Ob das so kommt, entscheidet ein dafür zuständiges Expertengremium der WADA. Es werden zunächst aber weitere Untersuchungen erwartet, um auch herauszufinden, wie verbreitet Ecdysteron im Spitzensport ist. Hintergrund der Studie waren Hinweise, dass Ecdysteron im russischen Sport eingesetzt wird. Zudem kamen in den vergangenen Jahren Nahrungsergänzungsmittel mit Ecdysteron auf den Markt, die mit positiven Effekten auf die sportliche Leistung werben. Neben Kraftsteigerung und mehr Muskelmasse versprechen die Mittel auch weniger Müdigkeit und eine leichtere Erholung während des Trainings.

Popeye und das Wundermittel

Spinat als mögliche Kraftquelle ist seit Jahrzehnten im Zusammenhang mit der Comicfigur Popeye weltweit bekannt. Der Spinat vertilgende Matrose mit den Superkräften wurde schon im Jahr 1929 von einem Zeichner in den USA erschaffen. Jetzt, 90 Jahre später, ist ein Nachweis an Athleten in Deutschland gelungen. „Vielleicht wussten die damals schon was, was wir heute erst mühsam erforschen müssen“, sagt Prof. Dr. Maria Parr.

Nachweis der Leistungssteigerung

Die Berliner Forschergruppe bestellte sich Nahrungsergänzungsmittel mit Ecdysteron im Internet und verabreichte sie in Form von Kapseln den Sportlern. Nebenwirkungen wurden laut Parr dabei keine festgestellt. Ecdysteron kommt in verschiedenen Pflanzen vor, die bekannteste ist der Spinat. Die Substanz wirkt bei Insekten, die die Pflanzen fressen, wie ein Hormon. Die Insekten können dadurch wachsen und sich häuten. Dass durch Ecdysteron die Muskelfasern dicker werden, haben die Forscher um Prof. Dr. Maria Parr schon zuvor im Tierversuch und in Zellkulturen gezeigt, jetzt gelang ihnen der Nachweis der Leistungssteigerung am Menschen in Verbindung mit Training.

Spinat in hochdosierter Form

In den Kapseln, die die Sportler über zehn Wochen eingenommen haben, befand sich Spinat in hochdosierter Form, Spinat-Extrakt. Um die gleiche Menge über das Essen aufzunehmen, müsste man zwischen 250 Gramm und 4 Kilo rohen Blattspinat - je nachdem, wann der Spinat geerntet wurde – jeden Tag essen. Dass sogar der Verzehr von Spinat als solcher im Spitzensport verboten wird, gilt derzeit als unwahrscheinlich und nur schwer vorstellbar. Erst einmal werden weitere Untersuchungen erwartet.


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