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Schlau kickt gut Fußball-Profis setzen auf Studium

Unterbeschäftigte Fußballprofis sorgen aktuell vor allem mit lustigen Social Media Videos für Unterhaltung. Viele nutzen die Zeit aber auch, um ihr Studium voranzubringen. Was früher verpönt war, wird heute von vielen Vereinen unterstützt.

Von: ARD-Recherche Sport

Stand: 31.03.2020

So frustrierend die Tage für Fußball-Profis gerade sind, Robin Bormuth, Innenverteidiger bei Fortuna Düsseldorf, kann der Corona-Krise auch etwas Positives abgewinnen. Der 24-Jährige kann in der erzwungenen Bundesligapause sein Fernstudium Sportbusiness Management vorantreiben. Das Lernen hilft, dass ihm zu Hause die Decke nicht auf den Kopf fällt. Nur Fernseher oder Playstation spielen, wäre für ihn schwer vorstellbar: "Da wirst Du verrückt. Da bin ich froh, dass ich mich damit ablenken kann und auch was tun kann."

Schlaue Fußballprofis in Regensburg

Robin Bormuth ist einer von aktuell 200 Fußball-Profis, die an der privaten IST-Hochschule studieren, im Fernstudium. Was früher verpönt war, wird jetzt immer selbstverständlicher. Nach einer Befragung aller 56 Profivereine durch die ARD-Radio-Recherche Sport zeigt sich ein Verein als besonders "Studenten freundlich". Beim SSV Jahn Regensburg studieren über 60 % des Kaders oder die Spieler haben bereits ein abgeschlossenes Studium bzw. eine Berufsausbildung. Elf Spieler stehen mitten im Studium.

Vereine unterstützen paralleles Studium

Der Verein unterstützt sie. Die Rechnung ist für Jahn-Geschäftsführer Christian Keller ganz einfach: "Wenn sie ein Training am Tag haben, dann sind das vier Zeitstunden, die Sie am Trainingsgelände verbringen. Dann haben Sie noch jede Menge Zeit um was Anderes zu machen. Und diese Zeit können sie sinnvoll nutzen oder sie können sie nicht sinnvoll nutzen."

Die Verantwortlichen beim SSV animieren ihre Spieler dazu, sich neben dem Fußball mit der Zeit nach der Karriere zu beschäftigen. Weil sie überzeugt sind, dass die Spieler dadurch auch besser auf dem Platz werden: fitter und freier im Kopf, strukturierter und ausgeglichener.

"Irgendwann ist der Fußball vorbei. Und dann kommt der nächste Schritt", sagt auch Frankfurts Manager Fredi Bobic.

Christian Streich: Kopfarbeit kann auf dem Platz helfen

Diesen Effekt sieht Freiburgs Trainer Christian Streich ebenso. Fußball sei zwar prinzipiell einfach, "aber manchmal ist es auch kompliziert und es kann durchaus helfen, wenn Du einfach Deinen Kopf anstrengst, und versuchst, Zusammenhänge zu verstehen." In einer Studie wurde im vergangenen Jahr untersucht, wie sich die Beschäftigung mit dem Leben nach der Karriere auf die Leistung australischer Rugbyspieler auswirkte. Für Nienke van Gerwen von der Spielergewerkschaft Fifpro belegen die Ergebnisse, je mehr sich Profispieler nebenher auf die Zeit nach ihre Karriere vorbereiten, desto besser sind sie auf dem Platz. Die Studie zeige, die Spieler würden länger für ein Team spielen, häufiger aufgestellt werden und hätten eine längere und gesündere Profi-Karriere.

Augsburger Finnbogason mit Master in Sportmanagement

Wirtschaftsstudiengänge und Sportmanagement scheinen unter den Fußballprofis besonders beliebt zu sein. Stürmer Alfred Finnbogason vom FC Augsburg hat es anfangs mit Psychologie probiert, doch das sei ihm zu langweilig gewesen.

Sportmanagement war eher sein Ding, das er mit dem Master abgeschlossen hat: "Wenn meine Karriere zu Ende ist, bin ich vielleicht 35 oder 37 Jahre – dann habe ich noch 40, 50 Jahre zu leben und ich will darauf vorbereitet sein." Aktuell ist er an einer Uni in Island für Wirtschaft eingeschrieben.

Aktuell hat Finnbogason sein Studium hintenangestellt, ist aber an einer Uni in Island für Wirtschaft eingeschrieben. Mit zwei kleinen Kindern und einer langen Verletzungspause musste der Isländer andere Prioritäten setzen.

Corona-Krise für das Studium nutzen

Im Gegensatz zu vielen seiner Kollegen. Die holen jetzt in der Spielpause nach, was sonst zwischen Training und Spielplan auf der Strecke geblieben ist. Prominentester Student an der ESM Academy für Sportmanagement in Nürnberg dürfte zur Zeit Weltmeister Matthias Ginter von Borussia Mönchengladbach sein. Auch dort hat Daniela Roßberger festgestellt, dass ihre Studenten viel aktiver sind: "Da werden Vorlesungen nachgeholt oder die schreiben kräftig an ihrer Hausarbeit."


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