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Dubiose Behandlungen oder schon Doping? Fußball-Spielergewerkschaft FIFPro schlägt Alarm

Doping im Fußball ist immer noch ein Tabuthema. Drei Profis aus Zypern behaupten jetzt, Spritzen und Infusionen hätten bei ihnen massive Herzprobleme ausgelöst, einer musste sogar seine Karriere beenden. Die internationale Spielergewerkschaft FIFPro ist in Alarmzustand.

Von: Sebastian Krause, Ulrich Hagmann

Stand: 02.07.2019

Die internationale Spielergewerkschaft FIFPro sorgt sich um die Gesundheit vieler Fußballprofis in Europa. Die FIFPro beklagt, dass es keine einheitlichen Regeln im medizinischen Umgang mit den Spielern gebe. Gleichzeitig würden die Belastungen für die Spieler aber weiter zunehmen, so die FIFPro gegenüber der ARD Radio Recherche Sport und dem Bayerischen Rundfunk.

An der Grenze zum Doping?

Immer mehr Spieler würden dazu verleitet, dubiose Behandlungspraktiken in Anspruch zu nehmen, die ihnen jenseits der Vereinsärzte zur Verbesserung der Leistung angeboten werden und beispielsweise "Wunderspritzen" versprechen. Dabei könnte es dann zu gesundheitlichen Problemen oder sogar Dopingfällen kommen.

"Wir brauchen ganz klar international eine größere Harmonisierung, was die Gesundheitsstandards für die Sportler angeht. Wir haben ordentliche Regeln auf internationalem Niveau, FIFA, UEFA für ihre Wettbewerbe, aber die werden nicht nach unten hin in die nationalen Verbände auf gleichem Niveau umgesetzt und das kreiert ein Problem."

Jonas Baer-Hoffmann (Generalsekretär der FIFPro für Europa im Interview mit der ARD Radio Recherche Sport und dem Bayerischen Rundfunk)

Fußballprofis in Zypern mit Herzproblemen

Auslöser für den Vorstoß der FIFPro ist ein Fall in Zypern. Dort waren drei Profis zur Polizei gegangen und beklagten massive Herzprobleme. Zuvor waren die Spieler nach deren Angaben von einem externen Biochemiker mit Infusionen und intravenösen Spritzen behandelt worden. Ein Spieler hatte nur noch 27 Prozent Herzleistung und musste seine Karriere beenden.

Mindestens vier Fußballklubs betroffen

Für die FIFPro hat der Fall eine europaweite Dimension, weil Spieler von mindestens vier Erstligaklubs in Zypern von dem Biochemiker behandelt worden sein sollen. Die Rede ist von mehreren Dutzend Spielern, die inzwischen in anderen Vereinen in Europa spielen. Die FIFPro hatte deswegen im vergangenen November öffentlich gewarnt, dass noch mehr Spieler betroffen sein könnten und auch den europäischen Fußballverband UEFA um Unterstützung gebeten.

Wie der Fall seitdem untersucht wurde, bezeichnet die Spielergewerkschaft als "nicht ausreichend" und "inakzeptabel". Die FIFPro wirft den zyprischen Behörden, dem Verband und den Anti-Doping-Organisationen vor, den Fall nicht aufgeklärt zu haben. "Auch auf UEFA-Niveau hätten wir uns da mehr erwartet, und vielleicht kommt das ja noch, aber der Zeitpunkt, den wir jetzt betrachten, das ist nicht ausreichend, wie darauf reagiert wurde", so Generalsekretär Baer-Hoffmann.

Wie reagiert Zyperns Fußballverband?

Die UEFA teilt auf Anfrage mit, man nehme den Fall sehr ernst, und verweist auf offenbar noch laufende Untersuchungen der Ärztekammer und des Fußballverbandes in Zypern.

Polizei: Kein Anhaltspunkt für kriminelles Verhalten

Für den zyprischen Fußballverband scheint der Fall allerdings schon abgeschlossen. Die Gesundheitsprobleme der Spieler hätten nichts mit den spezifischen Injektionen zu tun, so Verbandspräsident Georgios Koumas. Der Polizist, der die Untersuchungen geleitet hat, gibt telefonisch die Auskunft, man habe keinen Anhaltspunkt für kriminelles Verhalten gefunden.

Antidopingbehören und Fußballvereine schweigen

Die nationalen und internationalen Antidopingbehörden sagen nichts, weil angeblich noch Untersuchungen laufen würden. Und auch die betroffenen Fußballvereine schweigen. Ebenso der Biochemiker, der die Behandlungen durchgeführt haben soll. Sein Institut arbeitet weiter, auf seiner Homepage wirbt er mit Kontakten in den internationalen Spitzensport.

Dopinggefahr auch bei deutschen Fußballprofis

Unabhängig von dem Fall in Zypern sind auch in Deutschland Fußballprofis der Gefahr fragwürdiger Behandlungsangebote von außerhalb ihrer Klubs ausgesetzt. Es gilt das Grundrecht der freien Arztwahl. Die deutsche Spielergewerkschaft VDV warnt nach eigenen Angaben regelmäßig vor Dopinggefahren und fordert insbesondere im Profibereich eine bessere Präventionsarbeit.

"Denn in der Vergangenheit ist es leider schon zu Verstößen gegen die Bestimmungen gekommen, weil Mediziner beispielsweise aus Unwissenheit nicht zugelassene Medikamente verbreicht haben oder auch verbotene Behandlungen durchgeführt haben."

Ulf Baranowsky (Geschäftsführer der deutschen Spielergewerkschaft VDV)


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