Sport - Fußball


1

Technische Hilfsmittel im Fußball Torkamera und Chip im Ball künftig möglich

Strittige Torszenen im Fußball sollen künftig durch technische Hilfsmittel geklärt werden. Das FIFA-Regelkomitee "International Football Association Board" (IFAB) gab grünes Licht für Torkamera und Chip im Ball - allerdings vorerst nur bei bestimmten Wettbewerben. Diskutiert wurde das schon seit 2000 - eine Chronik.

Stand: 05.07.2012

  • Februar 2000
    Joseph Blatter | Bild: picture-alliance/dpa

    Joseph Blatter in Oberhaching

    22. Februar 2000

    Tor oder kein Tor? Immer, wenn Schiedsrichter Fehlentscheidungen fällen, brandet die Diskussion um technische Hilfsmittel im Fußball auf. Joseph Blatter, Präsident des Weltfußballverbands FIFA, spricht sich gegen den von zahlreichen Verantwortlichen, Trainern und Spielern geforderten Video-Beweis aus. Stattdessen fordert er auf einem FIFA-Lehrgang in Oberhaching Profischiedsrichter. Und : Es soll ein akustisches Signal getestet werden, das nur dem Schiedsrichter signalisiert, ob der Ball mit vollem Umfang die Linie überschritten hat.

  • März 2003
    Joseph Blatter 2003 | Bild: picture-alliance/dpa

    Joseph Blatter 2003

    14. März 2003

    Blatter schließt die Einführung einer Torkamera nicht aus: "Wenn wir ein System finden, das zuverlässig anzeigt: Tor ja, Tor nein - dann findet das meine Unterstützung."

  • Februar 2005
    Chip-Ball-Prototyp | Bild: picture-alliance/dpa

    Prototyp des Chip-Balls

    23. Februar 2005

    In einem Testspiel in Nürnberg rollt erstmals ein von Adidas entwickelter Chip-Ball, der beim Überqueren der Torlinie einen Piepton sendet. Das Erlanger Fraunhofer-Institut hatte gemeinsam mit der Firma Cairos schon 2002 begonnen, an einem Chip-System zu arbeiten. Empfangsantennen am Spielfeldrand fangen Hochfrequenz-Signale des Chips auf und können den Ball zentimetergenau orten. Der Schiedsrichter wird über eine spezielle Uhr mit Informationen über Tor oder Aus informiert.

  • Mai 2005
    Joseph Blatter | Bild: BR

    Joseph Blatter 2005

    11. Mai 2005

    Blatter kündigt an, den Chip-Ball bei der Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland einzuführen.

  • September 2005
    Spielszene U17-WM 2005 | Bild: picture-alliance/dpa

    Spielszene U17 Costa Rica-USA

    September 2005

    Bei der U17-Weltmeisterschaft in Peru wird der Chip-Ball zum ersten Mal unter Wettbewerbsbedingungen getestet.

  • Dezember 2005
    Urs Linsi | Bild: picture-alliance/dpa

    Urs Linsi

    5. Dezember 2005

    Die FIFA erklärt in Leipzig, der Chip-Ball werde nicht bei der Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland eingesetzt. "Die Technologie ist noch nicht ausgereift genug", sagt Generalsekretär Urs Linsi.

  • Juni 2007
    Hawk-Eye-Anzeige in Wimbledon | Bild: picture-alliance/dpa

    Hawk-Eye-Anzeige in Wimbledon

    2007

    Das Überwachungssystem "Hawk-Eye" kommt bei den U20- und U17-Weltmeisterschaften in Kanada und Südkorea im Sommer zum Einsatz. "Hawk-Eye" ist ein computergestütztes System zur Ballverfolgung, das schon seit 2001 unter anderem im Tennis, Snooker und Cricket zum Einsatz kam. Hochgeschwindigkeitskameras nehmen den Ball aus verschiedenen Winkeln auf, aus den Einzelbildern kann die genaue Position ermittelt werden. Entwickelt wurde es vom britischen Mathematiker Paul Hawkins.

  • Oktober 2007
    Torlinientechnologie "Hawk-Eye" | Bild: picture-alliance/dpa

    Hochgeschwindigkeitskamera, wie sie bei "Hawk-Eye" zum Einsatz kommt

    2. Oktober 2007

    "Hawk-Eye" soll laut englischem Fußballverband in der Premier League getestet werden.

  • Dezember 2007
    Schiedsrichter neben Chip-Ball | Bild: picture-alliance/dpa

    Schiedsrichter neben einem Chip-Ball bei der Klub-WM

    Dezember 2007

    Bei der Klub-Weltmeisterschaft in Japan wird erneut der Chip-Ball getestet.

  • Februar 2008
    Torkamera | Bild: picture-alliance/dpa

    Alles im Blick? Eine Torkamera in einem Fußballstadion

    6. Februar 2008

    Die 50 führenden Schiedsrichter des Europäischen Fußballverbands UEFA treffen sich zum 16. UEFA-Fortgeschrittenenkurs im zyprischen Limassol. Diskutiert wird nicht nur ein strikteres Einschreiten bei unfairen Aktionen wie groben Fouls oder Festhalten im Strafraum. Die Schiedsrichter sprechen sich auch klar für die Einführung von Torkameras aus.

  • März 2008
    Ein Torrichter | Bild: picture-alliance/dpa

    Ein Torrichter beim Europa-League-Spiel zwischen Genua und Prag am 17. September 2009

    8. März 2008

    Im schottischen Gleneagles stimmt das FIFA-Regelkomitee International Football Association Board (IFAB) gegen eine elektronische Torüberwachung. Stattdessen führen die Regelwächter Torrichter ein, die in der Europa-League-Saison 2009/2010 zum Einsatz kommen.

  • März 2010
    Joseph Blatter | Bild: picture-alliance/dpa

    Joseph Blatter 2010

    6. März 2010

    In Zürich erklärt die FIFA im Rahmen ihrer 124. Jahresversammlung, von Tor-Technologien endgültig Abstand zu nehmen. Eine Woche später begründet Präsident Blatter die Absage mit den hohen Kosten. Stattdessen sollten die Erfahrungen mit Torrichtern in 144 Europa-League-Spielen ausgewertet und vom IFAb diskutiert werden.

  • Juni 2010
    Tor gegen Manuel Neuer | Bild: picture-alliance/dpa

    Das umstrittene Nicht-Tor bei der WM 2010

    27. Juni 2010

    Im Achtelfinale der Fußball-WM in Südafrika prallt ein Lattenschuss der Engländer deutlich hinter der deutschen Torlinie auf. Der Schiedsrichter lässt weiterspielen. Zwei Tage später schließt FIFA-Präsident Blatter die Einführung von technischen Hilfsmitteln im Fußball nicht mehr aus.

  • Juli 2010
    Schiedsrichter Heribert Fandel | Bild: picture-alliance/dpa

    Schiedsrichter Heribert Fandel in Altensteig-Wart

    24. Juli 2010

    Die 40 deutschen Erst- und Zweitliga-Referees kritisieren auf einer Tagung in Altensteig-Wart die Torrichterregelung und plädieren für einen Ball-Chip.

  • August 2010
    Michel Platini | Bild: picture-alliance/dpa

    Michel Platini 2010

    26. August 2010

    UEFA-Präsident Michel Platini spricht sich in Monaco gegen jede Art von Torlinien-Technologie aus: "Dann würde der Schiedsrichter irgendwann überflüssig."

  • Oktober 2010
    Tor gegen Manuel Neuer | Bild: picture-alliance/dpa

    Das umstrittene Nicht-Tor bei der WM 2010

    20. Oktober 2010

    Wegen der Fehlentscheidungen bei der Fußball-WM votiert das IFAB in Cardiff dafür, Tor-Technologien zu testen.

  • März 2011
    Ein Torrichter | Bild: picture-alliance/dpa

    Ein Torrichter bei einem Europa-League-Spiel 2010

    6. März 2011

    In Cardiff können sich die FIFA-Regelhüter nicht zu Hightech auf dem Fußballplatz durchringen und verkünden, bei der Europameisterschaft 2012 zwei zusätzliche Torrichter einzusetzen.

  • März 2011
    Joseph Blatter | Bild: picture-alliance/dpa

    Joseph Blatter 2011

    27. März 2011

    FIFA-Chef Blatter kündigt im französischen Fernsehen an, dass bei der Weltmeisterschaft 2014 in Brasilien technische Hilfsmittel zur Unterstützung der Schiedsrichter eingesetzt werden sollen.

  • November 2011
    Torlinientechnologie "Hawk-Eye" | Bild: picture-alliance/dpa

    Kamerasensoren in Torpfosten

    24. November 2011

    Der englische Fußballverband denkt über Torlinien-Technologien in der Premier-League-Saison 2012/2013 nach. Es wäre der erstmalige Einsatz im Profi-Fußball.

  • März 2012
    Chip-Ball und Signaluhr | Bild: Jörg Koch/dapd

    Chip-Ball und Uhrenempfänger für das Torsignal des "GoalRef"-Systems

    3. März 2012

    Vorentscheidung für die Torkamera: Das IFAB einigt sich im britischen Surrey, dass Torlinien-Technologien bereits bei der Klub-Weltmeisterschaft in Japan im Dezember und beim Confed-Cup 2013 in Brasilien zum Einsatz kommen könnten. Von insgesamt acht Kandidaten wurden zwei für die weitere Testphase ausgewählt: Das britische "Hawk Eye"-System und die "GoalRef"-Technologie des Erlanger Fraunhofer-Instituts.

  • Mai 2012

    16. Mai 2012

    Die FIFA testet erstmals die Torkamera "Hawk-Eye" im Finale des Hampshire FA Senior Cups in England. Der Konkurrent aus Franken, "GoalRef", arbeitet anders: Ein niederfrequentes magnetfeldbasiertes Funksystem soll genau erkennen, ob der Ball in vollem Umfang hinter der Torlinie ist oder nicht.

  • Juni 2012
    Torpfosten mit Sensoren | Bild: picture-alliance/dpa

    Torpfosten mit Sensoren beim Länderspiel England-Belgien

    2. Juni 2012

    "Hawk-Eye" zum zweiten Mal in einem offiziellen Test. Beim Länderspiel zwischen England und Belgien sechs Tage vor dem Beginn der UEFA EURO 2012 kommt das System zum Einsatz bei der EM-Generalprobe der englischen Fußball-Nationalmannschaft im Londoner Wembley-Stadion gegen Belgien.

  • Juni 2012
    Spielszene England-Ukraine bei der UEFA EURO 2012 | Bild: Vadim Ghirda/AP/dapd

    Das Nicht-Tor der Ukraine

    20. Juni 2012

    Im Vorrunden-Spiel der EM wird trotz der zusätzlichen Torrichter ein Treffer der Ukraine gegen England nicht anerkannt. FIFA-Chef Blatter twittert, die Torlinien-Technologie sei "eine Notwendigkeit". Was war geschehen? Englands John Terry hatte einen Schuss von Marko Devic erst hinter der Linie aus dem Tor gekrazt, der Treffer zählte nicht, Gastgeber Ukraine verlor 0:1 und schied aus dem Turnier aus.

  • Juli 2012
    Spielszene England-Ukraine | Bild: picture-alliance/dpa

    Das Nicht-Tor der Ukraine

    1. Juli 2012

    In Kiew hält das UEFA-Exekutivkomitee trotz des Torrichter-Fehlers während der Europameisterschaftsvorrunde an seinem Nein zu technischen Hilfsmitteln im Fußball fest. "Ich bin absolut gegen die Torlinientechnologie. Was ist, wenn es ein Handspiel auf der Linie gibt, dann sieht das keine Technik der Welt. Wo sollen wir eine Grenze ziehen? Ich bin nicht nur gegen Torlinientechnologie, sondern gegen Technologie an sich", sagt UEFA-Präsident Michel Platini.

  • Juli 2012
    FIFA-Generalsekretär Jerome Valcke | Bild: picture-alliance/dpa

    FIFA-Generalsekretär Jerome Valcke in Zürich

    5. Juli 2012

    Das FIFA-Regelkomitee IFAB gibt in Zürich grünes Licht für die Einführung technischer Hilfen. "Natürlich ist es ein ganz entscheidender Tag für den Fußball. Es wurde jahrelang diskutiert. Nun haben wir eine klare Richtlinie", sagt FIFA-Generalsekretär Jerome Valcke. Es sollen sowohl das Hawk-Eye-System als auch das GoalRef-System erlaubt sein. Eingesetzt werden die Systeme allerdings vorerst nur bei der Klub-WM im Dezember in Japan, dem Confederations Cup 2013 und der WM 2014 in Brasilien gelten. Der Deutsche Fußball-Bund will Torlinien-Technologien frühestens zur Saison 2013/14 einführen.


1