Sport - Fußball


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Wegen angeblicher Hooligan-Gefahr Daten von 30 deutschen Fans nach Russland übermittelt

Bei der Fußball-WM in Russland hat es bisher entgegen den Befürchtungen im Vorfeld keine Hooligan-Ausschreitungen und Straßenschlachten gegeben. Dabei wird über die Maßnahmen gegen die angebliche Hooligan-Gefahr aus Deutschland heftig gestritten. Nach Informationen der ARD-Radio-Recherche Sport sind personenbezogene Daten von 30 deutschen Fans nach Russland übermittelt worden – obwohl dort das Datenschutzniveau als nicht angemessen eingestuft wird.

Von: Von Sebastian Krause, ARD-Radio-Recherche Sport

Stand: 22.06.2018

ARCHIV - 13.07.2014, Berlin: Fans halten auf der Fanmeile am Brandenburger Tor vor dem WM-Finale zwischen Deutschland und Argentinien eine deutsche Fahne. Patriotische Gefühle zu zeigen, war für den deutschen Fußballfan nie einfach. Das Sommermärchen 2006 brachte eine Entkrampfung, doch mittlerweile ist die Lage nach Experten-Meinung wieder schwieriger geworden. (zu dpa-KORR.: "Fahne rein oder raus? Die komplizierte Gefühlslage des deutschen Fans" vom 22.06.2018) Foto: Maja Hitij/dpa +++ dpa-Bildfunk +++ | Bild: dpa-Bildfunk/Maja Hitij

Zuerst hieß es, dass keine Daten deutscher Fußball-Fans nach Russland übermittelt werden. Und das war auch nachvollziehbar. Nachdem auch bei den vergangenen beiden Fußball-Weltmeisterschaften in Südafrika und Brasilien aus Deutschland keine Daten geschickt worden waren.

Eben wegen des mangelhaften Datenschutzniveaus in den Gastgeberländern im Vergleich zur EU. Jetzt kommt erst auf Anfrage von Monika Lazar, der sportpolitischen Sprecherin der Grünen im Bundestag, ans Licht, dass doch Daten nach Russland übermittelt wurden.

Personenbezogene Daten nach Russland weitergegeben

Demnach hat laut Bundesinnenministerium die deutsche Bundespolizei nach Einzelfallprüfungen personenbezogene Daten von bisher 30 Personen nach Russland weitergegeben. Es handelt sich nach Aussage des BMI um Personen, die in der sogenannten Datei Gewalttäter Sport erfasst sind. Die Personen seien nicht an der Einreise gehindert worden, sollen aber jetzt in Russland genau beobachtet werden.

Grünen-Politikerin Monika Lazar spricht von einer rechtswidrigen Datenweitergabe. Dass sensible Daten aus der Datei Gewalttäter Sport, in der ja bei Weitem nicht nur Gewalttäter gespeichert seien, nach Russland übermittelt wurden, sei ein Skandal. Das BMI verteidigt die Datenübermittlung als konform mit den Rechtsgrundlagen. Außerdem handele es sich bei den 30 Personen um nachgewiesenermaßen gefährliche Fans, die entweder schon mal angezeigt oder verurteilt worden seien.


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