Sport - Fußball


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Auf Erfolgssuche Turbulente 90er-Jahre

Anfang der 90er-Jahre durchlebte der Rekordmeister turbulente Zeiten. Zahlreiche Trainer, darunter Erich Ribbeck und Sören Lerby, versuchten sich mehr oder weniger erfolgreich. Franz Beckenbauer führte die Mannschaft gleich zwei Mal als Interimstrainer in die Erfolgsspur zurück.

Stand: 12.08.2015 | Archiv

Jupp Heynckes schreit auf der Trainerbank 1991 | Bild: picture-alliance/dpa

Der erhoffte Neuanfang unter Jupp Heynckes endete abrupt in der Saison 1991/92: Am 8. Oktober 1991 musste er nach einem schwachen Saisonstart seinen Platz auf der Bank räumen. Sein zuvor auf dem Münchner Rathausbalkon gemachtes Versprechen, er werde mit den Bayern den Europapokal gewinnen, und seine etwas zu verbissene Art brachen ihm das Genick.

Weinheim, Homburg, Stuttgarter Kickers

Erst Meisterschaft, dann Rausschmiss

Schon in der Vorsaison hatte es "nur" zum Vizemeistertitel gereicht, außerdem hatte man sich im DFB-Pokal bei den Amateuren des FC Weinheim bis auf die Knochen blamiert und war im Europapokal an Roter Stern Belgrad gescheitert. Die neue Spielzeit wurde für den FC Bayern zum so nie erwarteten Super-GAU. Nach dem erneuten Pokal-Aus im eigenen Stadion gegen Zweitligist FC Homburg und einer 1:4-Heimpleite am 12. Spieltag gegen die Stuttgarter Kickers, die den Absturz auf den zwölften Tabellenplatz zur Folge hatte, wollte auch Manager Uli Hoeneß nicht mehr an seinem Freund Heynckes festhalten.

Zu viele Baustellen in der Horror-Saison 1991/92

Man hatte die erneuten personellen Veränderungen unterschätzt. Kapitän Klaus Augenthaler hatte vor der Saison seine Karriere beendet, die Leistungsträger Jürgen Kohler und Stefan Reuter waren dem Ruf nach Italien gefolgt, Torwart Raimond Aumann und sein Stellvertreter Sven Scheuer fielen verletzungsbedingt lange aus.

"Trainer-wechsel-dich": Erst Lerby, dann Ribbeck

Bis heute hält Hoeneß die Heynckes-Entlassung für den größten Fehler seiner Manager-Laufbahn. Denn auch unter Heynckes' Nachfolgern fand der FCB erst einmal nicht in die Erfolgsspur zurück. Der ehemalige Bayern-Profi Sören Lerby wurde neuer Cheftrainer, mit Ex-Nationaltorhüter Toni Schumacher wurde ein "Fußball-Rentner" als Retter eingekauft - doch nichts fruchtete: Die Münchner blieben schwach und beendeten die Saison in der "20-er-Liga" mit negativem Torverhältnis (59:61) und negativer Punktebilanz (36:40) auf Rang zehn - lediglich in der Spielzeit 1974/75 war man ähnlich schwach (Platz 10, 34:34 Punkte).

Retter Beckenbauer - Teil 1

Die Lichtgestalt

Auf Lerby folgte Erich Ribbeck, dazu wurden Franz Beckenbauer und Karl-Heinz Rummenigge als Krisenhelfer in den Verein geholt und zu Vize-Präsidenten gewählt. Der aufgrund seiner manchmal geradezu aristokratisch anmutenden Art "Sir" genannte Ribbeck schaffte zwar die Kehrtwende und spielte mit einer neu formierten Mannschaft wieder um den Titel mit - zu mehr als dem Vizemeistertitel hinter dem SV Werder Bremen reichte es aber wieder nicht. Im zweiten Jahr seiner Amtszeit kam das Team wieder nicht richtig in Tritt - als in der Winterpause das große Ziel Meisterschaft erneut gefährdet schien, musste Ribbeck gehen. Mitten in der Saison sprang Franz Beckenbauer ein. Mit der "Lichtgestalt" als Teamchef fing die Mannschaft Herbstmeister Eintracht Frankfurt mit ihrem Coach und Bayern-Provokateur Jürgen Toppmöller ("Bye-bye Bayern") prompt ein und wurde einen Punkt vor dem 1. FC Kaiserslautern Meister.

Der erste Gastspiel von "Trap"

Gesten statt Worte

Beckenbauer hatte seine Mission erfüllt. Nach ihm sollte es wieder ein gelernter Trainer richten. Der FC Bayern präsentierte den Italiener Giovanni Trapattoni (zuvor bei Juventus Turin und Inter Mailand überaus erfolgreich) als neuen Coach. Geliebt wurde der charmante "Maestro" von Spielern und Medien, nur der Erfolg blieb zunächst aus: Lediglich der sechste Platz sprang in der Saison 1994/95 für "Trap" und seine Bayern heraus, dazu kam das Europacup-Aus im Halbfinale der Champions League gegen Ajax Amsterdam. Der große Hoffnungsträger verabschiedete sich schon nach einer Saison wieder, vor allem die Sprachbarriere hinderte den wortgewaltigen Trapattoni an der Arbeit in Deutschland.

Otto fand ich gut ...

Otto Rehhagel und sein neues "Dream-Team"

Der nächste Hoffnungsträger kam von einem direkten Rivalen: 1995 wechselte Otto Rehhagel von Werder Bremen nach München. Ihm wurden Stars wie Jürgen Klinsmann, Andreas Herzog und Ciriaco Sforza zur Verfügung gestellt. Sie sollten wieder einmal einen Umbruch einleiten und das neue "Dream-Team" bilden. Obwohl Rehhagel die Mannschaft ins Endspiel des UEFA Pokals führte, musste er in der Rückrunde gehen. Zu groß waren die Differenzen mit Teilen der Mannschaft und dem Präsidium. Auch den immensen Druck der Münchner Medienwelt hatte Rehhagel so aus dem beschaulichen Bremen nicht gekannt.

Retter Beckenbauer - Teil 2

Kapitän Lothar Matthäus mit dem Uefa-Cup 1996

So übernahm zum Finale des UEFA-Cups zum zweiten Mal Franz Beckenbauer die Mannschaft und betreute sie in den Finalspielen. 2:0 und 3:1 siegten die Bayern mit dem aus Italien zurückgekehrten Kapitän Lothar Matthäus gegen Girondins Bordeaux - zum ersten Mal wurde der UEFA-Cup an die Isar geholt. Die Meisterschale blieb diesmal aber auch Franz Beckenbauer verwehrt. Sie ging - wie schon im Jahr zuvor - an Ottmar Hitzfeld und Borussia Dortmund.

Trap und die leeren Flaschen

Trotz seines eher durchwachsenen ersten Gastspiels riskierte es der FC Bayern München dann in der Spielzeit 1996/97 erneut mit Giovanni Trapattoni. "Il Tedesco" - so sein Spitzname in Italien - blieb diesmal zwei Jahre und war wesentlich erfolgreicher als bei seinem ersten Engagement. Zwei Titel errang er mit den Bayern: die Meisterschaft 1997 und den Pokalsieg 1998.

Noch immer war sein Deutsch allerdings ausbaufähig. Bei einer Pressekonferenz an der Säbener Straße brachen beim Gentleman alle Dämme. In einer legendären Brandrede dozierte er über leere Flaschen und den Spieler "Struuunz" und verteidigte seine Taktik. Die Journalisten blieben (ebenso wie Pressesprecher Markus Hörwick) sprachlos zurück, die Bayern-Fans hatten den kauzigen Italiener endgültig ins Herz geschlossen. Als der "Maestro" ging, verneigte sich eine ganze Stadt. Und Trapattonis gebrochenes Deutsch erreichte in kürzester Zeit Kultstatus.


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