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FC Bayern München Braucht der Rekordmeister Lewandowski überhaupt?

Robert Lewandowski will den FC Bayern verlassen, und sich größeren Herausforderungen stellen. Ein Blick auf die zurückliegende Saison aber zeigt: In den richtig wichtigen Momenten tauchte der Pole unter.

Von: Nicole Hornischer

Stand: 30.05.2018

Robert Lewandowski | Bild: picture-alliance/dpa

Wenn es rein nach den Zahlen geht, ist Robert Lewandowski für den FC Bayern eigentlich unersetzlich. Seit 2014 erzielte der Pole für den Rekordmeister in 126 Spielen 106 Tore. In der abgelaufenen Saison war er mit 29 Treffern Torschützenkönig. Trotz der beeindruckenden Ausbeute mehrte sich in den letzten Monaten die Kritik an dem Stürmer. Er würde in den entscheidenden Spielen versagen und trainiere zu nachlässig.

"Wo war Lewandowski, als es gegen Real Madrid wirklich drauf ankam?"

Dietmar Hamann

Fakt ist, dass Lewandowski in beiden Champions-League-Halbfinals gegen Real Madrid blass blieb. In zwölf Spielen ab dem Viertelfinale der Champions League, wenn die echten Schwergewichte warten, hat Lewandowski für die Bayern nur fünfmal getroffen. In acht EM-Spielen für Polen brachte es der Rekordtorjäger nur auf zwei Treffer. Und auch beim verlorenen DFB-Pokalfinale gegen Eintracht Frankfurt vergab Lewandowski klare Chancen.

Lewandowski auf Egotrip

"Der Boss bin ich"

Auch mit Starallüren machte Lewandowski auf sich aufmerksam: Der Stürmer hatte Jupp Heynckes bei der Auswechslung in der 77. Minute am 33. Spieltag im Spiel gegen Köln keines Blickes gewürdigt oder sich gar den obligatorischen Handschlag abgeholt. Warum sollte er auch? Für den 29-Jährigen grenzte es fast an Majestätsbeleidigung, dass er nicht durchspielen durfte. Der Trainer stellte daraufhin klar: "Die Auswechslungen beim FC Bayern nimmt der Trainer vor, und daran hat sich jeder Spieler zu halten - der Boss bin ich und sonst keiner".

"Wir haben uns unterhalten. Torjäger sind nun mal egoistisch und denken an ihre Torquote, aber Lewy hat es eingesehen."

Jupp Heynckes

Wer soll den Polen ersetzen?

Egotrip, mangelnde Torausbeute: Nach alldem wäre Lewandowski verzichtbar für den FC Bayern. Aber wer soll den Stürmer ersetzen? Der Rekordmeister tat sich schon schwer, einen Backup für Lewandowski zu finden. In der Winterpause wurde schließlich Sandro Wagner von 1899 Hoffenheim verpflichtet. Doch hat der das Zeug zum Stürmer Nummer eins? Eher nicht. Wagner wurde von Bundestrainer Joachim Löw für die Weltmeisterschaft aussortiert. Der 29-Jährige reagierte nicht gerade souverän, indem er seinen sofortigen Rücktritt aus der Nationalmannschaft erklärte - nach nur acht Spielen im DFB-Dress. Wagner kann also nicht auf der großen WM-Bühne glänzen, provoziert dafür aber mit Giftpfeilen gegen Löw und den DFB.

Der FC Bayern braucht aber einen Stürmer von Weltklasse, einer der international anerkannt ist. Doch die sind teuer. Der geschätzte Marktwert von Lewandowski liegt laut Transfermarkt.de bei 90 Millionen Euro. Da könnten die Bayern-Bosse schon fündig werden. Zumal Lewandowski-Berater Pini Zahavi angekündigt hat, er könne den Münchnern einen Ersatz vermitteln. Sollte Lewandowski zu Paris St. Germain wechseln, wäre Edinson Cavani ein möglicher Kandidat - sein Marktwert liegt bei 60 Millionen Euro.


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