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Treffen in Frankfurt 50+1-Regel bleibt bestehen

Die 36 deutschen Fußball-Profivereine haben sich auf ihrer Mitgliederversammlung mehrheitlich für eine Beibehaltung der 50+1-Regel und damit gegen eine Öffnung für Investoren entschieden. Auch der Videobeweis wird zur Dauereinrichtung.

Stand: 22.03.2018

Fanplakat für Beibehaltung der 50+1-Regel | Bild: picture-alliance/dpa

"Allen, die es gut mit dem Fußball meinen, gefällt diese Entscheidung. Es ist ein wichtiges Signal, das davon ausgeht", sagte St. Paulis Geschäftsführer Andreas Rettig nach dem Treffen in Frankfurt. Vom FC St. Pauli stammte der Antrag auf Beibehaltung der Regel, der nun positiv beschieden wurde. In den nächsten Monaten solle lediglich darüber diskutiert werden, ob die Regelung noch rechtssicherer gemacht werden kann. Die 50+1-Regel sichert den Stammvereinen eine Stimmenmehrheit in den Kapitalgesellschaften und verhindert dadurch die Komplettübernahme eines Vereins durch externe Geldgeber.

"Heute ist erst einmal ein guter Tag, wenn man mit der 50+1-Regel eine positive Zukunft für den deutschen Fußball verbindet."

DFL-Geschäftsführer Christian Seifert

Videobeweis hat sich bewährt - 2. Liga testet

Ebenfalls beschlossen: Die 18 Bundesliga-Vereine setzen weiter dauerhaft auf den Videobeweis. Der offizielle Einsatz der Technik ab der kommenden Saison wurde bei nur einer Enthaltung beschlossen. Bislang wurde der "VAR" (Video Assistant Referee) in der höchsten Spielklasse offiziell nur getestet. In der 2. Bundesliga wird der Videobeweis ab der kommenden Spielzeit "offline" zum Einsatz kommen, das heißt ohne Auswirkungen auf den Spielbetrieb. Ab wann die Technik scharf geschaltet und so wie in der Bundesliga verwendet wird, ist noch offen.

Fans überreichen Petition

Für deutlich mehr Gesprächsstoff hatte im Vorfeld freilich die Frage gesorgt, ob es externen Geldgebern in Deutschland möglich sein soll, Vereine komplettg zu übernehmen. Dies wurde - eine gute Nachricht für die Mehrheit der Fans - abgelehnt. Unmittelbar vor der Versammlung hatten noch einmal die Gegner einer Änderung der 50+1-Regel auf sich aufmerksam gemacht. Vertreter der Faninitiative "50+1 bleibt", die sich für den unveränderten Erhalt der Regel einsetzt, übergaben eine entsprechende Petition an Ligaboss Reinhard Rauball.

So stehen die bayerischen Klubs zur 50+1-Regel

FC Bayern München: Abschaffung
FC Augsburg: Beibehaltung und Abschaffung der Ausnahmeregelungen
1. FC Nürnberg: keine klare Position
FC Ingolstadt: kann sich eine Abschaffung vorstellen
Jahn Regensburg: Beibehaltung
SpVgg Greuther Fürth: keine Ausnahmeregelungen

Initiative "#50plus1bleibt" macht Druck

Fast 3.000 Fangruppen haben sich deutschlandweit mittlerweile der Initiative "#50plus1bleibt" angeschlossen. Sie alle fürchten, im Zuge der fortschreitenden Kommerzialisierung des Fußballs auf der Strecke zu bleiben. Als mahnendes Beispiel wird immer wieder die englische Premier League angeführt, wo die Fankultur in den vergangenen Jahren einen schleichenden Tod erfuhr.

Rummenigge: Nur Deutschland erlaubt sich diesen "Luxus"

Im Vorfeld des Treffens hatte Bayern Münchens Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge für eine Abschaffung der 50+1-Regel geworben: "Es fällt auf, dass von den großen Ligen in Europa, von England, Frankreich, Spanien, Italien, nur noch Deutschland sich diesen 'Luxus' erlaubt, dass wir fremdes Kapital nicht im Land haben wollen. Die große Frage ist am Ende des Tages ist: Erhalten wir langfristig die internationale Wettbewerbsfähigkeit der Bundesliga aufrecht?"

Ausnahmeregelungen stoßen auf Unverständnis

Vielen Klubs ist vor allem die Ausnahmeregelung für die Werksklubs Bayer Leverkusen und VfL Wolfsburg (VW) sowie die von einzelnen Geldgebern beherrschten Vereine 1899 Hoffenheim (Dietmar Hopp) und RB Leipzig (Red Bull) ein Dorn im Auge. Entweder soll es für alle Ausnahmeregelungen geben oder eben für niemanden. Augsburgs Präsident Klaus Hofmann wird deutlich: "Das Konstrukt Leipzig darf keine Lizenz haben. Ich glaube, dass Leipzig die faktischen Voraussetzungen an die Anforderung eines Vereins im Rahmen der Spielordnung des DFB nicht erfüllt. Das mag juristisch möglicherweise ein Verein sein. Es erfüllt aber niemals den Tatbestand dessen, was gewollt ist."


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